Stiftung Warentest Jeder vierte Honig ist "mangelhaft"

Mehr als ein Kilo Honig isst jeder Deutsche pro Jahr. Laut einem Test von 36 Produkten schwankt die Qualität erheblich. Dabei schneiden die günstigen oft besser ab.

Honig
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Merkwürdiger Geschmack, falsch gelagert, fragliche Zusammensetzung: Die Stiftung Warentest gibt Supermarkt-Honig eher schlechte Noten. Zehn der 36 untersuchten Produkte gelten als "mangelhaft". Nicht ein Produkt wurde mit "sehr gut" bewertet. Elf Produkte schnitten "gut" ab, der Rest "befriedigend" oder "ausreichend". Schwächen gab es vor allem bei drei vergleichsweise teuren Sorten.

"Guter Honig lässt sich weder an der Sorte noch an der Herkunft oder dem Preis erkennen", urteilten die Tester in der aktuellen Ausgabe. Zu den Testsiegern gehörten viele günstige Produkte. Das Testergebnis im Überblick:

  • Unter den Mischblütenhonigen waren vier "gut": Dazu gehören "Maribel Cremiger Blütenhonig streichzart" von Lidl, "Bienenhonig cremig streichfest" von Nektarquell, "Bienenhonig cremig" von Dr. Krieger's - alle zu Preisen von etwa 4,60 Euro pro Kilogramm. Hinzu kommt "Landhonig goldcremig" von Langnese für etwa 8,00 Euro pro Kilogramm.
  • Bei den Sortenhonigen, die neben einem bestimmten Geschmack einen Mindestanteil typischer Pollen bieten müssen, fiel das Ergebnis bei den Wildblüten-, Akazien- und Lindenhonigen durchwachsen aus. Zwei Drittel der 15 Produkte waren "mangelhaft". "Gut" waren lediglich der "Akazienhonig" von Rewe Bio und "Feiner Lindenhonig" von Darbo zum Kilopreis von etwa 16,40 Euro beziehungsweise etwa 12,00 Euro.
  • Unter den Waldhonigen waren "Wald Honig" von Aldi Nord, "Goldland Wald Honig herb-würzig" von Aldi Süd und "Marlene aromatischer Waldhonig feinwürzig" von Lidl "gut". Die Produkte kosten jeweils gut sechs Euro pro Kilogramm.
  • Rapshonig schnitt im Vergleich besser ab mit je zwei guten und befriedigenden Produkten. Die ersten beiden waren "Rapsblüte herzhaft" von Breitsamer Honig und "Deutscher Imkerhonig Rapshonig mild cremig" von Dreyer für je etwa 12,00 Euro pro Kilogramm.

Wo lagen die Probleme?

Einige Produkte schmeckten nicht, wie sie sollten. Bei den Akazienhonigen wurde zum Beispiel häufig künstlicher Geschmack kritisiert. Mild und schwach blumig müsse er eigentlich schmecken, schreibt das Deutsche Lebensmittelbuch vor. Auch war die Menge bestimmter Pollen zu gering, die in Sortenhonigen eigentlich enthalten sein müssen.

Die Tester kritisierten auch die Deklaration der Sorten. Aufschriften wie "Imkerhonig" oder "aus traditioneller Imkerei" bei Produkten, die aus Honigen aus verschiedenen Ländern hergestellt sind, täuschten Verbraucher. So ein Honig kann nicht direkt vom Imker abgefüllt und verkauft worden sein, hieß es. Etwa jeder fünfte Honig sei wärmegeschädigt gewesen. Dadurch sind enthaltene Enzyme kaum oder gar nicht mehr aktiv.

Was sind Sortenhonige?

Sie haben gewisse Kriterien zu erfüllen. Farbe, Aroma und Konsistenz müssen Vorgaben genügen. Lindenhonig zum Beispiel muss "intensiv, medizinisch-minzig, mentholartig, leicht bitter und lang anhaltend" schmecken sowie flüssig oder kristallin sein. Zudem gibt es bestimmte Richtlinien bei der inhaltlichen Zusammensetzung.

Wie unterscheidet sich Wildblüten- von Mischblütenhonig?

Waldhonig muss aus Honigtau bestehen, den Bienen aus Honigtau von Laub- und Nadelbäumen sowie Nektar von waldnahen Blumen gewinnen. Bei Mischblütenhonig gibt es große Unterschiede zwischen den Sorten, weil er aus dem Nektar unterschiedlicher Pflanzen stammt. Vorgaben für die Menge bestimmter Pollen etwa gibt es nicht.

Wie stellen Imker sicher, dass der Honig die Kriterien erfüllt?

"Das ist eine Erfahrungssache", sagt Annette Schroeder. Sie leitet die Abteilung für Honiganalyse an der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim in Baden-Württemberg. Ein Honig könne jedes Jahr anders schmecken, auch wenn die Bienenstöcke nicht umgestellt worden sind.

Eine wichtige Rolle spielt das Wetter. "Wenn etwa während der Obstblüte keine Bienen fliegen können, dann wird der Imker keinen Obstnektar in den Völkern haben." Fakt sei jedoch: Wenn ein Honig nicht nach einer bestimmten Sorte schmeckt, darf er nicht so bezeichnet werden - auch wenn er genug typische Pollen enthält.

koe/dpa



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