Stiftung Warentest "Mineralwasser ist überbewertet"

Stilles Mineralwasser kaufen - oder einfach das Wasser aus der Leitung trinken? Laut Stiftung Warentest gibt es nur wenige Gründe für die teurere Variante.

Leitungs- oder Mineralwasser?
DPA

Leitungs- oder Mineralwasser?


Trinkwasser ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel Deutschlands. "Jeder Liter Wasser, der unseren Wasserhahn erreicht, muss die strengen Grenzwerte der Trinkwasserverordnung erfüllen", schreibt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

In einer Untersuchung der Stiftung Warentest erfüllten entsprechend auch alle Leitungswasserproben aus 28 Orten die Qualitätsansprüche. Es sei zwar nicht makellos, aber gut, berichtet die Stiftung.

In einigen Proben fanden sich Spuren von Arzneimitteln, Pflanzenschutzmitteln, Süßstoffen und Röntgenkontrastmitteln, Korrosionsschutzmitteln sowie sogenannten Trihalogenmethanen, die sich bilden, wenn Wasser mit Chlor desinfiziert wird. Aber in keiner der Proben wurden die strengen Grenzwerte für diese Substanzen überschritten.

Zusätzlich analysierten die Tester 30 stille Mineralwasser. Neben dem Geschmack bewertete Warentest die Reinheit der Flüssigkeit - also ob sich darin Mikroben oder oberirdische Verunreinigungen fanden. In fünf Wassern waren demnach Verunreinigungen nachweisbar: Spuren von Pestiziden oder dem Süßstoff Cyclamat. Gesundheitlich seien die gefundenen Mengen unbedenklich, so die Tester. Es zeige jedoch, dass die Quellen nicht ausreichend geschützt seien.

Keines der Wasser enthielt Krankheitserreger, aber sechs "so viele Keime, dass sie für Immunschwache riskant sein könnten".

Was für Mineralwasser spricht

Warum also stilles Wasser kaufen, wenn Leitungswasser mindestens genauso rein ist - und viel günstiger?

Ein möglicher Grund: der Geschmack. Wer das Wasser aus dem Hahn nicht mag, kann ein Mineralwasser finden, das ihm besser schmeckt.

Ein weiterer möglicher Grund: Wer Babynahrung zubereitet, kann Wasser kaufen, das mit dieser Anwendung wirbt - es muss noch strengere Auflagen erfüllen, schreiben die Tester. Die Stiftung rät allerdings, es zum Schutz vor Keimen abzukochen. Ihrer Aussage zufolge kann man für Babynahrung auch mit gutem Gewissen Leitungswasser verwenden.

Für die Mineralstoffversorgung sei es dagegen nicht notwendig, Mineralwasser dem Leitungswasser vorzuziehen. Im Test enthielten die Leitungswasserproben im Schnitt 380 Milligramm Mineralstoffe pro Liter, die Mineralwasser lagen bei 790 Milligramm. Die wesentlichen Mineralstoffmengen nehme man ohnehin mit dem Essen auf und nicht übers Wasser, so Warentest. "Mineralwasser ist überwertet", schreibt die Stiftung.

Nur in bestimmen Fälle könne es sinnvoll sein, auf ein spezielles Mineralwasser umzusteigen - zum Beispiel, wenn Menschen mit Laktoseintoleranz ein kalziumreiches Wasser wählen, um ihre Kalziumversorgung zu verbessern.

MYTHOS ODER MEDIZIN

wbr



insgesamt 181 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
globalundnichtanders 28.07.2016
1. Alter Hut
Das ist doch schon lange bekannt und kocht in jedem Sommerloch wieder hoch...
Crom 28.07.2016
2.
Ich mag Wasser mit Kohlensäure und da ist das vom Discounter immer noch günstiger als wenn man sich so einen Soda-Automat kauft. Meine Freundin mag still und trinkt daher ausm Hahn.
doppelpost123 28.07.2016
3. Sodastream
Habe seit einem Jahr einen Sodastream - die beste Investition der letzten Jahre. Kein schleppen, keine billigen Plastikflaschen, die Zeug abgeben, günstig und schmeckt.
werner-xyz 28.07.2016
4. Bin mal gespannt,
wann die ersten Kommentare hier auftauchen, nach dem Motto: Alle die kein Leitungswasser trinken sind blöd. Ich trinke kein Leitungswasser (Rhein/Main Gebiet) da es fürchterlich schmeckt. Im Urlaub, oder bei Bekannten trinke ich es wenn es schmeckt. In Kempten ist es Spitze. Das ist für mich mit das Wichtigste, es muss schmecken.
franky1313 28.07.2016
5. Nein, das Leitungswasser ist keine Alternative
hier wird (geflissentlich?) übersehen, das Leitungswasser schwer kontaminiert sein kann. Stichwort "Biofilm"). Ein solcher Biofilm aus Bakterien und Pilzen der sich in den Hausinstallationen bildet, kann es gewaltig "in sich" haben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.