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13. Dezember 2013, 14:29 Uhr

James Bond

Der Agent mit der goldenen Leber

Das Rätsel um James Bonds geschüttelte Martinis scheint gelöst: Britischen Forschern zufolge hätte er wegen seiner zittrigen Hände gar nicht rühren können. Eine Analyse seines Trinkverhaltens zeigt, dass der Agent stets entweder besoffen oder auf Entzug ist - zum Leid der Gesundheit.

Was James Bond in Buch und Film seit 1953 so alles überlebt hat, ist mitunter schwer zu glauben. Kugelhagel und Bomben, Attacken mit jeder nur denkbaren Waffe, Raumflüge und Tauchfahrten sowie Tausende Gegner, die ihm den Garaus machen wollten.

Am Ende aber, glauben britische Forscher herausgefunden zu haben, wird er sich wohl selbst ins Grab bringen: Aller Wahrscheinlichkeit nach werde Bond das 56. Jahr seines fiktiven Lebens nicht überstehen, wegen Leberversagen, Krebs oder einem Unfall unter Alkoholeinfluss. Denn sein größter Feind sei er selbst.

Tatsächlich: Falls es in den Geschichten um Bond eines gibt, das noch häufiger vorkommt als erledigte Gegner, dann wären das geleerte Gläser. In einer ganz normalen Agentenwoche, haben Forscher für einen Artikel in der Weihnachtsausgabe des "British Medical Journal" zusammengezählt, konsumiere Bond rund 92 Standard-Alkoholeinheiten.

Das entspräche circa 23 Litern Bier, also rund 3,3 Liter pro Tag - oder mehr, wenn sich die Gelegenheit ergab. An seinem ausschweifendsten literarisch erfassten Trinktag konsumierte Bond demnach das Alkohol-Äquivalent von rund 13 Litern Bier. Kein Wunder, dass der Mann Wodka Martini bevorzugt, sonst müsste man bei der ganzen Flüssigkeit manch Feuergefecht wohl aufs WC verlegen.

Gerührter Martini: Zittern der Grund?

Dass Bond den Cocktail geschüttelt statt gerührt bevorzuge, habe aber wohl auch medizinische Gründe, spekulieren die Forscher rund um Graham Johnson vom Royal Derby Hospital: Wahrscheinlich zittere er selbst so sehr, dass er gar nicht rühren könne.

Denn nach der Analyse von 14 Romanen stellten die Autoren der launigen Studie fest, dass Bond zu jedem gegebenen Zeitpunkt entweder voll, oder voll auf Entzug sein müsse. Abstinent sei er nur in Szenen und Zeiten, in denen er auf die eine oder andere Weise inhaftiert sei: Von 87,5 in den Büchern geschilderten Tagen sei Bond nur an 12,5 Tagen nüchtern. An den meisten davon aber nur deshalb, weil er gefesselt oder weggesperrt sei.

Summa summarum ergibt sich aus all dem das Bild eines Lebens, in dem Waffen nicht die größte Gefahr sind, die Bond bedrohen. Sein Alkoholkonsum erhöhe die Gefahr, dass er

Darüber hinaus sei es wahrscheinlich, dass der Action- und Frauenheld unter erektiler Dysfunktion leide, also eine Einschränkung seiner Erektionsfähigkeit. Unter dem Strich schätzen die Forscher deshalb die Taten und Fähigkeiten Bonds, wie sie in den Büchern geschildert werden, als wenig realistisch ein: "Auf diesem Niveau des Alkoholkonsums hätte der Agent seine Aufgaben, insbesondere auf dem hohen, in den Büchern geschilderten Niveau, nicht erledigen können."

Die Studie ist Teil der Weihnachtsausgabe des BMJ, die traditionell neben ernsthafter Forschung auch launige Beiträge aus der Wissenschaft veröffentlicht. Einen ernsten Hintergrund hat aber auch die "Agent mit der goldenen Leber"-Studie: In der Popkultur, unterstreichen die Autoren, werde Alkoholkonsum zu oft zu leichtfertig und alle negativen Folgen ignorierend gezeigt und idealisiert.

Na dann Prost, Mr. Bond: Wäre es möglich, dass Sie Ihre Heldentaten nur halluzinierten?

pat

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