James Bond Der Agent mit der goldenen Leber

Das Rätsel um James Bonds geschüttelte Martinis scheint gelöst: Britischen Forschern zufolge hätte er wegen seiner zittrigen Hände gar nicht rühren können. Eine Analyse seines Trinkverhaltens zeigt, dass der Agent stets entweder besoffen oder auf Entzug ist - zum Leid der Gesundheit.

Bond-Darsteller Daniel Craig: Porträt eines gewalttätigen Trinkers mit Leberproblemen und erektiler Dysfunktion?
REUTERS

Bond-Darsteller Daniel Craig: Porträt eines gewalttätigen Trinkers mit Leberproblemen und erektiler Dysfunktion?


Was James Bond in Buch und Film seit 1953 so alles überlebt hat, ist mitunter schwer zu glauben. Kugelhagel und Bomben, Attacken mit jeder nur denkbaren Waffe, Raumflüge und Tauchfahrten sowie Tausende Gegner, die ihm den Garaus machen wollten.

Am Ende aber, glauben britische Forscher herausgefunden zu haben, wird er sich wohl selbst ins Grab bringen: Aller Wahrscheinlichkeit nach werde Bond das 56. Jahr seines fiktiven Lebens nicht überstehen, wegen Leberversagen, Krebs oder einem Unfall unter Alkoholeinfluss. Denn sein größter Feind sei er selbst.

Tatsächlich: Falls es in den Geschichten um Bond eines gibt, das noch häufiger vorkommt als erledigte Gegner, dann wären das geleerte Gläser. In einer ganz normalen Agentenwoche, haben Forscher für einen Artikel in der Weihnachtsausgabe des "British Medical Journal" zusammengezählt, konsumiere Bond rund 92 Standard-Alkoholeinheiten.

Bonds Wöchentlicher Alkoholkonsum nach Jahren (zum Vergrößern klicken)
BMJ

Bonds Wöchentlicher Alkoholkonsum nach Jahren (zum Vergrößern klicken)

Das entspräche circa 23 Litern Bier, also rund 3,3 Liter pro Tag - oder mehr, wenn sich die Gelegenheit ergab. An seinem ausschweifendsten literarisch erfassten Trinktag konsumierte Bond demnach das Alkohol-Äquivalent von rund 13 Litern Bier. Kein Wunder, dass der Mann Wodka Martini bevorzugt, sonst müsste man bei der ganzen Flüssigkeit manch Feuergefecht wohl aufs WC verlegen.

Gerührter Martini: Zittern der Grund?

Dass Bond den Cocktail geschüttelt statt gerührt bevorzuge, habe aber wohl auch medizinische Gründe, spekulieren die Forscher rund um Graham Johnson vom Royal Derby Hospital: Wahrscheinlich zittere er selbst so sehr, dass er gar nicht rühren könne.

Denn nach der Analyse von 14 Romanen stellten die Autoren der launigen Studie fest, dass Bond zu jedem gegebenen Zeitpunkt entweder voll, oder voll auf Entzug sein müsse. Abstinent sei er nur in Szenen und Zeiten, in denen er auf die eine oder andere Weise inhaftiert sei: Von 87,5 in den Büchern geschilderten Tagen sei Bond nur an 12,5 Tagen nüchtern. An den meisten davon aber nur deshalb, weil er gefesselt oder weggesperrt sei.

Summa summarum ergibt sich aus all dem das Bild eines Lebens, in dem Waffen nicht die größte Gefahr sind, die Bond bedrohen. Sein Alkoholkonsum erhöhe die Gefahr, dass er

  • oft betrunken Auto fahre (oder U-Boote, Raumschiffe, Flugzeuge et cetera)
  • wegen Schädigungen des Gehirns unter starkem Handzittern leide (Tremor)
  • sich selbst mit Alkohol vergifte
  • schwere, möglicherweise tödliche Leberleiden entwickele
  • Krebs bekomme oder
  • in alkoholisiertem Zustand Opfer von Verletzungen oder Unfällen werde.

Darüber hinaus sei es wahrscheinlich, dass der Action- und Frauenheld unter erektiler Dysfunktion leide, also eine Einschränkung seiner Erektionsfähigkeit. Unter dem Strich schätzen die Forscher deshalb die Taten und Fähigkeiten Bonds, wie sie in den Büchern geschildert werden, als wenig realistisch ein: "Auf diesem Niveau des Alkoholkonsums hätte der Agent seine Aufgaben, insbesondere auf dem hohen, in den Büchern geschilderten Niveau, nicht erledigen können."

Die Studie ist Teil der Weihnachtsausgabe des BMJ, die traditionell neben ernsthafter Forschung auch launige Beiträge aus der Wissenschaft veröffentlicht. Einen ernsten Hintergrund hat aber auch die "Agent mit der goldenen Leber"-Studie: In der Popkultur, unterstreichen die Autoren, werde Alkoholkonsum zu oft zu leichtfertig und alle negativen Folgen ignorierend gezeigt und idealisiert.

Na dann Prost, Mr. Bond: Wäre es möglich, dass Sie Ihre Heldentaten nur halluzinierten?

pat

Mehr zum Thema


insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
nosports28 13.12.2013
1.
Dann werde ich das Weißbrot weglassen... ;-)
tgu 13.12.2013
2. Kann ich nicht nachvollziehen!
Ich habe nur ein Teil der James Bond Filme gesehen und keins der Bücher. Aber wenn der wirklich die Menge an Alkohol zu sich nimmt, selbst als Wodka-Martini, müsste er doch im Film eigentlich bei jeder Gelegenheit was trinken und ständig einen Martini runterstürzen. Oder mal eben mit seinem Aston Martin an einer Bar anhalten und sich ein Martini machen. Aber an solche Szenen kann ich mich nicht erinnern. Er ordert mal ein Martini, niebt kurz dran und haut dem nächsten Bösewicht was aufs Maul. Aber, die Studie beschränkt sich ja nur auf die Bücher. Ein Blick in die Originalstudie zeigt z.B. für Casino Royal, dass er an 4 von 25 Tagen Alkohol zu sich genommen hat, was 73,8 Alkohol-Einheiten ausmacht. Ein Wodka-Martin hat 3 Alkohol-Einheiten, das macht ca. 25 Martinis im gesamten Buch. Bei ca. 240 Seiten, wären das ein Martini alle 10 Seiten.
tomislav77 13.12.2013
3. conclusio...
Zitat von sysopREUTERSDas Rätsel um James Bonds geschüttelte Martinis scheint gelöst: Britischen Forschern zufolge hätte er wegen seiner zittrigen Hände gar nicht rühren können. Eine Analyse seines Trinkverhaltens zeigt, dass der Agent stets entweder besoffen, oder auf Entzug ist - zum Leid der Gesundheit. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/studie-portraetiert-james-bond-als-gewalttaetigen-trinker-a-938836.html
ab sofort sehen wir politisch korrekte 007-filme, in welchen der protagonist frische fair-trade soyamilch trinkt, als nichtraucher glänzt, einen 3-Liter-VW-UP unter berücksichtigung der straßenverkehrsregeln fährt, Frauen erst heiratet, bevor sie in seinem Bett landen und mit seinen antagonisten in der offenen therapiesprechstunde konflikte löst. ein fernsehvergnügen für jung und alt - kann ja was werden!
j.s.niedenstein 13.12.2013
4. Humor
ist, wenn man trotzdem lacht. Und so gesehen haben britische Forscher zum Glück noch Humor und leisten sich gelegentlich solche "Untersuchungen". Unter unseren scheinbar bierernsten Forschern kommt höchstens mal ne Studie zum Verhalten der Leberwurstesser gegenüber Burkaträger zum Vorschein. Also schon im Ansatz häufig Gaga.
shinobi42 13.12.2013
5. Nicht allein James Bond
Im Vergleich zu J.R. Ewing aus der Serie Dallas, der quasi immer einen Bourbon im Büro nahm, ist James Bond wohl noch harmlos. Die Studie ist jedenfalls lesenswert: http://www.bmj.com/highwire/filestream/676962/field_highwire_article_pdf/0/bmj.f7255.full.pdf
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.