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Studie: Yoga beweist sich gegen Rückenschmerz

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Gegen das Volksleiden Rückenschmerz suchen viele Betroffene Hilfe auf der Yoga-Matte. Jetzt hat eine Untersuchung gezeigt, dass die östliche Sportart tatsächlich hilft. Allerdings schneidet sie nicht besser ab als eine andere Übungsmethode.

Yoga auf dem Surfbrett: Sonnengruß oder Buch lesen? Zur Großansicht
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Yoga auf dem Surfbrett: Sonnengruß oder Buch lesen?

Den Sonnengruß machen, die kurzen Muskeln dehnen oder in Ratgebern nach Hilfe suchen? Vier von fünf Menschen leiden in ihrem Leben an Rückenschmerzen - und probieren die unterschiedlichsten Heilmethoden aus. Während sich der eine mit einer Wärmflasche ins Bett legt und hofft, dass alles schnell vorübergeht, läuft der nächste zum Chiropraktiker, der ihn einrenken soll.

Doch die Zeiten, da Ärzte bei Rückenschmerzen zur Bettruhe rieten, sind vorbei. Heute gilt in den meisten Fällen: Bewegung ist - nach der akuten Phase - die beste Medizin. Vor allem die starre Haltung am Bürotisch und die fehlende Aktivität in der Freizeit sind maßgebliche Ursachen für schmerzhafte Veränderungen an Muskeln, Bändern und Wirbelsäule.

Immer mehr Betroffene probieren es also mit Ausgleich, besonders Yoga-Schulen scheinen geradezu aus dem Boden zu sprießen. Und die Sportart bietet zudem noch Raum für die Innenschau: Gleichklang von Körper, Seele und Geist heißt das meditative Motto.

Wissenschaftler vom US-amerikanischen Group Health Research Institute in Seattle haben nun untersucht, wie effektiv Yoga oder Dehnübungen gegen Rückenschmerzen helfen. Dafür teilten sie 228 Erwachsene mit chronischen Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich in drei Gruppen: 92 von ihnen besuchten wöchentlich eine Yoga-Klasse, 92 machten einmal pro Woche einen Dehnübungskurs, und 45 bekamen ein Buch, das sie über die Ursachen von Rückenschmerzen ebenso informierte wie über die Notwendigkeit, Übungen zu absolvieren. Sechs, zwölf und 26 Wochen nach Beginn der Studie befragten die Forscher um Karen Sherman die Probanden telefonisch zu ihren Schmerzen.

Buch aus der Hand, rauf auf die Matte

Das Ergebnis: Sowohl Yoga als auch Stretchübungen konnten den Betroffenen Schmerzen nehmen - und das mit gleicher Effektivität. "Dass wir bei beiden Bewegungsansätzen die gleichen Ergebnisse gefunden haben, legt nahe, dass der Nutzen von Yoga weitgehend auf die physischen Effekte wie Stretching und Muskelstärkung zurückzuführen ist und nicht auf die mentalen Komponenten", schreiben die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Archives of Internal Medicine".

Es existieren jedoch auch zahlreiche Hinweise, dass Geistesübungen durchaus messbare Wirkungen erzielen. Das hat etwa eine Studie gezeigt, die im "Journal of Neuroscience" publiziert wurde: Demnach kann Meditation ebenso gut gegen Schmerzen helfen wie gewisse Medikamente. Auch Massage kann einer Untersuchung zufolge Rückenschmerzen lindern - allerdings nur zeitlich begrenzt.

Im Vergleich zum Ratgeberbuch waren beide Übungsmethoden in der aktuellen Studie deutlich überlegen: Zwar nahmen die Schmerzen auch in der Lesegruppe im Lauf der Untersuchung ab. Doch insgesamt litten die Übungsgruppen weniger und konnten sich auch nach Monaten noch besser bewegen als die Buchgruppe.

"Wir Mediziner sollten unseren Patienten zu Übungen raten, es sollten standardisierte Behandlungen entwickelt werden und diese wirksamen und günstigen Therapien finanziell gefördert werden", schreibt Timothy Carey von der University of North Carolina in einem Begleitkommentar.

Allzu häufig raten Mediziner noch zu Operationen am Rücken, die mitunter gar nicht notwendig gewesen wären - allein in Deutschland sind es jedes Jahr Zehntausende. Daher hat die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft (DWG) nun eine Initiative gegründet, die für mehr Qualität bei Rückenoperationen sorgen soll. Die Initiative der DWG ist nicht die erste ihrer Art. So haben Mediziner erst kürzlich die Website "Vorsicht!Operation" ins Internet gestellt, auf der Patienten eine zweite Meinung einholen und so das Risiko eines überflüssigen Eingriffs verringern können. Das DWG-Zertifikat könnte Rückenpatienten schon bei der Suche nach einem Arzt helfen - denn heute haben sie kaum eine Möglichkeit, seriöse Mediziner von Scharlatanen zu unterscheiden.

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