Stuntfrau Jessie Graff "Wir dürfen Superhelden spielen"

Bei der TV-Actionshow "American Ninja Warrior" hat Jessie Graff die US-Amerikaner beeindruckt. Warum die Stuntfrau nie stillsitzt, welches ihre Lieblingsstunts sind und wieso sie lieber muskulös als dünn ist.

Jessie Graff bei "American Ninja Warrior"
AFP

Jessie Graff bei "American Ninja Warrior"

Ein Interview von Frank Joung


SPIEGEL ONLINE: Frau Graff, was macht am meisten Spaß daran, Stuntfrau zu sein?

Graff: Wir kämpfen, fliegen, springen über hohe Gebäude oder fallen von ihnen herunter. Wir retten den Tag, oder werden abgeschossen und "sterben" - nur um wieder aufzustehen und es noch mal zu tun. Wir dürfen Superhelden spielen.

SPIEGEL ONLINE: Sie machen die ganze Arbeit für die Schauspieler und bekommen in den Filmen keine "Face time". Das ist doch ungerecht.

Graff: Ehrlich gesagt, mir tun manchmal die Schauspieler leid, weil sie die coolen Stunts nicht machen dürfen. Wenn du für deine Stunts Ruhm und Aufmerksamkeit willst, bist du fehl am Platz. Wir tun, was wir tun, weil wir es lieben.

Zur Person
  • The Riker Brothers
    Jessie Graff, Jahrgang 1984, ist eine US-amerikanische Stuntfrau, die durch die achte Staffel der "American Ninja Warrior Show" bekannt wurde. Bei dem in den USA populären Hindernislauf schaffte sie als erste Frau überhaupt den Parcours 1 des Finales.
  • Jessie Graff im Internet: jessiegraff.com

SPIEGEL ONLINE: Was war Ihr gefährlichster Stunt?

Graff: Ich habe zwei Lieblingsstunts: Bei "The Big Bang Job" durfte ich von einer elf Meter hohen Brücke auf einen fahrenden Zug und dann von Waggon zu Waggon springen. Für den zweiten Stunt ließ ein Hubschrauber eine zehn Meter lange Zirkusleiter für mich herab. Ich stand am Strand, packte die Leiter und kletterte den ganzen Weg nach oben bis in den Helikopter hinein, während dieser über den Ozean flog.

SPIEGEL ONLINE: Sie belegten Zirkuskurse, waren Turnerin und Stabhochspringerin, Sie haben einen schwarzen Gürtel in Taekwondo und eine schwarze Schärpe im Kung-Fu. Was haben Sie noch nicht gemacht?

Graff: Schauspielern und Free Running! Was meine Stunts angeht, möchte ich unbedingt mal zwischen den Kufen eines Hubschraubers übers Wasser schliddern. Ich lerne gerade Skateboard fahren.

SPIEGEL ONLINE: Wie trainieren Sie?

Graff: Eigentlich spiele ich nur, ich muss mich zumindest nie zum Training zwingen. Wenn ich Krafttraining mache, um größere Flips und Tricks zu schaffen, ist das nur eine Investition in mehr Spaß! Ich brauche eher Disziplin, um zu merken, wann ich den Punkt erreicht habe, an dem ich mich ausruhen und erholen sollte. Das kann ich jetzt und deshalb habe ich mich in diesem Jahr so stark verbessert. Ich trainiere nur ein Drittel von dem, was ich im vergangenen Jahr gemacht habe. Weil ich meinen Muskeln Zeit gebe, sich zu erholen, bin ich in der Lage, den größtmöglichen Nutzen aus jedem Training mitzunehmen.

SPIEGEL ONLINE: Nach dem Lauf beim Finale der Show "American Ninja Warrior" sind Sie auch einem breiteren Publikum bekannt. Sie haben diesen Parcours als erste Frau bewältigt. War es wirklich so schwierig?

Graff: Ich glaube, die Leute verstehen, dass man Kraft und Beweglichkeit benötigt, um die Hindernisse zu überwinden. Was man nicht sieht, ist, dass jedes Hindernis so konzipiert ist, dich auszutricksen oder in die falsche Richtung zu schicken. Du musst die Hindernisse wirklich studieren und verstehen, wie sie funktionieren und was schief gehen kann. Wir dürfen vor dem Wettbewerb weder an den Geräten üben noch sie berühren. Du hast also nur einen Versuch, unter Druck und mitten in der Nacht die Hindernisse zu verstehen und zu überwinden.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange haben Sie für die Ninja Warrior Show trainiert?

Graff: Für meine erste Saison 2015 habe ich gar nicht trainiert. Meine bisherigen Ausbildungen in Zirkus, Gymnastik, Stabhochsprung, Kampfsport und Stunts waren genug, um mich bei den Hindernissen schnell anzupassen. Nachdem ich vor zwei Jahren einen Totalschaden im Knie inklusive Kreuzband- und Meniskusriss erlitt, begann ich meinen Oberkörper speziell für die Show zu trainieren. Ein Jahr später, als mein Knie geheilt war, konnte ich mit dem Training an Unterkörperhindernissen beginnen.

SPIEGEL ONLINE: Viele Mädchen und Frauen würden lieber dünn sein als muskulös. Wie könnte man das ändern?

Graff: Viele Frauen denken, dass die Gesellschaft sie ablehnt, wenn sie muskulös sind. Ich fand Muskeln schon immer schön. Aber auch ich fühlte den Druck, dünn sein zu müssen. Als Stunt-Double muss ich ungefähr der Form und Größe der Schauspielerinnen entsprechen. Aber ich fand Schlankheitsübungen langweilig, uninteressant und unwirksam. Als ich mich wieder auf funktionelles Training fokussierte, war ich sofort engagierter bei der Sache. Ich habe meine Fitness-Ziele darauf basiert, welche Fähigkeiten ich besitzen möchte und nicht darauf, wie ich aussehen will. Jetzt bin ich fitter und schlanker als je zuvor.

SPIEGEL ONLINE: Befolgen Sie einen strikten Ernährungsplan?

Graff: Nein, ich habe einen flexiblen Speiseplan, der meinem Körper die Nährstoffe gibt, die er für optimale Kraft und Leistung benötigt. Das bedeutet Tonnen von Eiweiß, Gemüse und moderate Mengen Obst sowie Vollkornprodukte. Ich meide künstliche Süßstoffe, seltsame Chemikalien und Appetitzügler, weil sie meinen natürlichen Hunger unterdrücken und ich nicht mehr fühlen kann, was mein Körper braucht. Desserts esse ich nur, wenn ich wirklich Lust darauf habe.

SPIEGEL ONLINE: Und wann sitzen Sie still?

Graff: Wenn ich müde bin, schlafe ich. Habe ich Muskelkater, stretche ich mich oder mache Übungen mit einer Schaumstoffrolle. Sitzen kann ich, wenn ich alt bin.



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
DJ Doena 10.10.2016
1.
Ich fand ihre bisherigen Runs bei ANW auch klasse. Neben Supergirl hat sie auch Einbruchsspezialistin Parker in der Serie Leverage gedoubelt und sieht der Schauspielerin sehr ähnlich. Klasse Frau! :)
elektrofachkraft 10.10.2016
2.
Sehr beeindruckend, diese Mischung aus Kraft und Beweglichkeit. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Traumberuf. :-)
MiniMoogMe 11.10.2016
3.
Das mit Bedenken über die Figur und Schönheitsidealen, das ist schon sowas von ausgelutscht... Die Frage ist: willst du Krafttraining treiben, macht dir das Spaß, fühlst du dich wohl in deiner Haut? Wenn du es damit ehrlich meinst, dann wird dir auch egal sein, wie du mit deinen Muskeln auf andere wirkst. Ich bewundere sowohl Männer wie auch Frauen mit ausgeprägten Muskeln, weil ich weiß wie viel Arbeit und Selbstdisziplin darin stecken. Für mich sind das bewundernswerte Eigenschaften. Ich schaue mir den Ninja Warrior des öfteren an und ich bewundere Jessie Graff sehr. Sie zeigt es uns allen Frauen: wir können das auch! Ich mache auch viel Sport, sowohl Kraft wie auch Ausdauer, und ich habe gut Muskeln überall. Aber ich fühle mich in meiner Haut wohl, ich liebe Adrenalin, bin glücklicher jetzt als früher als Couch Potato und vor allem bin ich gesünder. Außerdem bin ich mit jemandem zusammen, der auch Sport liebt und wir puschen uns gegenseitig. Ich kenne viele solche Pärchen, dafür aber keine sportliche Frau, die einsam und traurig in ihrer Ecke hockt und heult, weil sie mit ihren Muskeln keinen Mann kriegt...
Menschomattomcat 11.10.2016
4.
Zitat von MiniMoogMeDas mit Bedenken über die Figur und Schönheitsidealen, das ist schon sowas von ausgelutscht... Die Frage ist: willst du Krafttraining treiben, macht dir das Spaß, fühlst du dich wohl in deiner Haut? Wenn du es damit ehrlich meinst, dann wird dir auch egal sein, wie du mit deinen Muskeln auf andere wirkst. Ich bewundere sowohl Männer wie auch Frauen mit ausgeprägten Muskeln, weil ich weiß wie viel Arbeit und Selbstdisziplin darin stecken. Für mich sind das bewundernswerte Eigenschaften. Ich schaue mir den Ninja Warrior des öfteren an und ich bewundere Jessie Graff sehr. Sie zeigt es uns allen Frauen: wir können das auch! Ich mache auch viel Sport, sowohl Kraft wie auch Ausdauer, und ich habe gut Muskeln überall. Aber ich fühle mich in meiner Haut wohl, ich liebe Adrenalin, bin glücklicher jetzt als früher als Couch Potato und vor allem bin ich gesünder. Außerdem bin ich mit jemandem zusammen, der auch Sport liebt und wir puschen uns gegenseitig. Ich kenne viele solche Pärchen, dafür aber keine sportliche Frau, die einsam und traurig in ihrer Ecke hockt und heult, weil sie mit ihren Muskeln keinen Mann kriegt...
Als wenn Frauen mit Muskeln keinen abbekommen .... Das Gegenteil ist der Fall. Für viele Männer sind Frauen mit Muskeln geradezu ein Fetisch. Ob eine Frau Muskeln hat, dick oder dürr ist spielt letztenendes keine Rolle. Wichtig für die Attraktivität sind ganz andere Dinge. Für mich wären Muskeln jedenfalls kein Grund eine Frau nicht attraktiv zu finden. Da würde mich eher das Drumherum wie sie zu den Muskeln kommt stören; das ständige Trainieren, Pingeligkeit bei der Ernährung usw. ohne die das alles nicht geht.
Premiumbernd 20.10.2016
5. Also ich für meinen Teil
Zitat von MenschomattomcatAls wenn Frauen mit Muskeln keinen abbekommen .... Das Gegenteil ist der Fall. Für viele Männer sind Frauen mit Muskeln geradezu ein Fetisch. Ob eine Frau Muskeln hat, dick oder dürr ist spielt letztenendes keine Rolle. Wichtig für die Attraktivität sind ganz andere Dinge. Für mich wären Muskeln jedenfalls kein Grund eine Frau nicht attraktiv zu finden. Da würde mich eher das Drumherum wie sie zu den Muskeln kommt stören; das ständige Trainieren, Pingeligkeit bei der Ernährung usw. ohne die das alles nicht geht.
finde Frauen mit ausgeprägten Muskeln überhaupt nicht schön. Aber auch dünne Frauen mag ich nicht. Ich selber mache hobbymässig Kraftsport, allein wegen den Gesundheit. Ab einem gewissen Alter muss man was tun. Ich habe meine Frau angespornt es mir gleich zu tun, gerade weil sie öfter Rücken- und Schulterschmerzen hatte. Sie macht es jetzt schon lange und ist so ziemlich die stärkste Frau im Studio, ohne das großartig Muskeln zu sehen sind. Und sie hat keine Beschwerden mehr. Aber sie hat ganz schön abgenommen (sie war nie übergewichtig, geschweige denn dick) und das gefällt mir nicht so wirklich. Denn ich liebe weibliche Formen. Die gute Athletin aus dem Artikel wäre nun gar nichts für mich. Aber ich spreche eh kein Englisch, ach ja, und ich könnte ihr Vater sein. Ja, so unterschiedlich sind die Geschmäcker. Ich kenne eine Menge junge, hochsportliche Frauen, die unglaublich viel trainieren. Davon hat eine einen Partner. Und die andren jammern, dass sie keinen finden, die haben einfach kein Interesse. Also, so abwegig schein mein Geschmack nicht zu sein.
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