Regionales Superfood Grünkohl statt Goji

Gojibeeren, Chiasamen, Moringablätter: Wenn es um sogenannte Superfoods geht, werden meist Exoten genannt. Doch auch Zutaten aus der Alltagsküche wie Spinat und Blaubeeren zählen dazu.

Grünkohlernte (Archivbild): Die norddeutsche Spezialität gilt in New York als Superfood
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Grünkohlernte (Archivbild): Die norddeutsche Spezialität gilt in New York als Superfood


Eine klare Definition, was ein Superfood ist, existiert nicht. Gemeint sind Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Vitaminen und Mineralien. Angela Clausen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sieht die Wortschöpfung vor allem als Marketing-Gag, mit dem exotische Lebensmittel, verpackt in eine Geschichte über ihre Wunderwirkung, teuer verkauft werden können.

Ein paar Superfoods in den Speiseplan aufzunehmen, reiche nicht für eine gesunde Ernährung, sagt sie. Die wertvollen Inhaltsstoffe könnten jedoch zu einer ausgewogenen und gesunden Ernährung beitragen.

Kohlsorten nicht vergessen

Dass die Superfood-Welle auch europäische Lebensmittel ins Bewusstsein der Verbraucher rückt, bewertet Clausen positiv. Grüne Blattsalate, Kräuter, Nüsse, Beeren und Samen seien reiche und wichtige Nährstoffquellen, die häufig unterschätzt werden.

"Zu vielen der exotischen Superfoods gibt es heimische Alternativen", sagt Clausen. So könnten etwa Chiasamen durch Leinsamen ersetzt werden. Oliven enthielten eine ähnliche Nährstoffzusammensetzung wie Acaibeeren aus den Regenwäldern Amazoniens. Auch alle Kohlsorten sollten dabei nicht vergessen werden. "Grünkohl ist in New York City ein gehyptes Superfood", sagt Clausen.

Superfoods, die in unseren Breiten angebaut werden können, sind auch aus Sicht der Hamburger Ökotrophologin Iris Lange-Fricke ein wichtiger Bestandteil einer insgesamt ausgewogenen und bunt durchmischten Ernährung. Viele Superfoods wie Blaubeeren, Grünkohl, Feldsalat oder Spinat findet man auf dem Wochenmarkt. Sie seien meist frischer und vitaminreicher als importierte Lebensmittel.

Ohnehin muss man bei den Superfoods relativieren. So sagt etwa Gerhard Rechkemmer vom Max Rubner-Institut (MRI), dem Bundesforschungsinstitut für Lebensmittel und Ernährung in Karlsruhe, beispielsweise zur Acaibeere: "Laut unseren Untersuchungen nimmt sie unter anderen Obst- und Gemüsesorten keine Sonderstellung ein." Auch bei der Gojibeere würde er "nicht von einem Superfood sprechen".

Kritisch sieht Ernährungswissenschaftlerin Lange-Fricke vor allem Superfood-Extrakte wie etwa Moringa-Pulver oder Granatapfel in Kapseln. "Das Beste aus einem Kilogramm Gemüse kann nicht in ein paar Gramm Pulver stecken", sagt sie. Extrakte seien ernährungsphysiologisch gesehen niemals so wertvoll wie das ursprüngliche Lebensmittel.

wbr/Ulrike Geist, dpa

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