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Elektronische Patientenakte: Techniker Krankenkasse will auf Fitnessdaten zugreifen

Fitness-Armbänder: Nützlich für Sportler, interessant für Krankenkassen Zur Großansicht
DPA

Fitness-Armbänder: Nützlich für Sportler, interessant für Krankenkassen

Fitnessarmbänder liefern wichtige Informationen über den Gesundheitszustand ihrer Nutzer - die Techniker Krankenkasse hat nun vorgeschlagen, die Daten stärker zu nutzen. Der Vorstoß stößt auf Kritik.

Sie können durchaus nützlich sein: Mit Schrittzählern, Geschwindigkeits- und Pulsmessern überprüfen viele Sportler ihre Fitness. Die Daten, die sogenannte Wearables erfassen, könnten aber auch für die Krankenkassen interessant sein: Wie gesund lebt ein Versicherter? Wie viel bewegt er sich? Wie fit ist er? Und in letzter Konsequenz: Soll er weniger Leistungen erhalten als andere?

Der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, hat nun in der "Süddeutschen Zeitung" den Vorstoß gewagt, die Informationen künftig stärker nutzen zu wollen. In einem Interview schlägt er vor, dass Daten von Fitness-Trackern künftig in der geplanten elektronischen Patientenakte gesammelt und von den Kassen verwaltet werden sollen.

Dies ermögliche Ärzten und Kassen zum Beispiel, Patienten über das Risiko einer Erkrankung zu informieren. Zugleich müsse der Patient aber "Herr über seine Akte" bleiben. Er soll selbst entscheiden können, welche Informationen die Kasse einsehen kann. Baas betont auch, er sei dagegen "Tarife mit gesundheitsbewusstem Verhalten zu verknüpfen". Bereits im August 2015 hatte die TK SPIEGEL ONLINE auf Anfrage mitgeteilt, sie plane, ihr Bonusprogramm auf Wearables auszuweiten. Wer gesund lebt, hätte somit die Chance, Geld zu sparen.

Maas will Änderung des EU-Datenschutzrechts prüfen

Karl-Josef Laumann (CDU), Patientenbeauftragter der Bundesregierung, sagte der "Süddeutschen Zeitung", Deutschland sei im Bereich der Digitalisierung von Gesundheitsdaten "immer noch Entwicklungsland". Die elektronische Patientenakte biete "große Chancen", dies gelte auch für die Nutzung der Daten von Fitness-Trackern. Allerdings stoßen die TK-Pläne längst nicht überall auf Zuspruch.

Skeptiker fürchten, dass es irgendwann nicht nur Bonuszahlungen für vorbildliches Verhalten geben könnte, sondern auch Menschen mit einem ungesunden Verhalten nicht mehr versichert werden könnten. Bei privaten Versicherungen ist das möglich. Bei gesetzlichen hingegen verbietet das bislang das Solidarprinzip: Es besagt, dass jeder aufgenommen wird und alle gemeinsam die Kosten des Einzelnen tragen müssen.

Nach Ansicht von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) dürfen die Krankenkassen in Deutschland die Daten aus Fitness-Trackern deshalb nicht dazu verwenden, besondere Tarife anzubieten. In einem Gastbeitrag für den "Donaukurier" zum "Safer Internet Day" schrieb Maas, niemand dürfe "faktisch dazu gezwungen werden, so intime Daten wie die Herzfrequenz, die Geschwindigkeit beim Joggen oder die Häufigkeit des Trainings im Fitnessstudio zu veröffentlichen".

Maas will prüfen lassen, "die Verwendung bestimmter Gesundheitsdaten auf Grundlage des neuen EU-Datenschutzrechts einzuschränken". Wichtig sei, über sensible Daten "frei und selbstbestimmt" entscheiden zu können, so der Minister. "Mit dieser Freiheit ist es nicht weit her, wenn Krankenkassen Tarifmodelle entwickeln, bei denen Sie den günstigen Tarif nur dann bekommen, wenn Sie einwilligen, dass Ihre kompletten Gesundheitsdaten ständig übermittelt werden."

Solche Geschäfte stellten die echte Freiwilligkeit der Einwilligung und damit ihre Zulässigkeit infrage. Menschen dürften "in keinem Fall zum reinen Objekt eines Algorithmus werden".

Eine Frage der Datensicherheit

Das im Dezember verabschiedete E-Health-Gesetz der Bundesregierung sieht eine insgesamt stärkere Digitalisierung des Gesundheitswesens vor. Künftig sollen auf der elektronischen Gesundheitskarte viel mehr Patientendaten gespeichert werden, ab 2018 etwa Röntgenaufnahmen oder Ergebnisse von Blutuntersuchungen. In einem Patientenfach sollen Versicherte auch eigene Daten, etwa von Wearables und Fitness-Armbändern, ablegen können. Bisher ist geplant, dass die Patienten allein darüber entscheiden, wer Zugriff darauf hat.

Dennoch wird bereits seit Langem diskutiert, inwiefern sensible Gesundheitsdaten auf der elektronischen Patientenkarte sicher sind. Kritiker warnen, Hacker könnten die Informationen abgreifen oder manipulieren.

jme/dpa/AFP

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insgesamt 158 Beiträge
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1. Genau so
prozesskostenhilfe 09.02.2016
fängt das alles an. Erstmal völlig harmlos. Merken die Kassen eigentlich nicht, dass am Ende die totale Entsolidarisierung steht? Dann brauchen wir aber auch keine Krankenkassen mehr, wenn jeder eh sein Risiko selber zu tragen hat.
2. Prima Idee ....
immerbesserwisser 09.02.2016
dann kauf ich mir doch gleich mal ein Armband (wird ja von der Kasse mitfinanziert), verleihe es einem sportlich aktivem Menschen und profitiere von Bonuszahlungen der Krankenkasse.
3. Der Chef der TKK
53er 09.02.2016
kann mit seinen Daten machen was er will, wenn er so ein Adrenalinjunkie und Datenfreak ist. Ich bin -leider- noch Mitglied der TKK, habe jedoch nach der letzten Beitragserhöhung bereits mit dem Gedanken gespielt, die Kasse zu wechseln. Nun wechsle ich definitiv und die TKK verliert ein langjähriges, kostengünstiges, freiwillig versichertes Mitglied.
4. Hmmm....nein!
bansky 09.02.2016
Das geht die Krankenkasse mal gar nichts an, wo, wann und wie ich mein Leben gestalte. Da müsste vorab der gesamte Krankenkassenmarkt privatisiert werden. Gesetzlichen Krankenkassen sind für ja in der Regel für Pflichtversicherte da und sollten ihre Unternehmensträume mal ganz schnell begraben. Sinnvoll haushalten und Bürokratie abbauen wäre mal nett!
5. naja...
smilesuomi 09.02.2016
Das kann missbraucht werden... zur Zeit hat man manchmal aber eher umgekehrt das Gefühl... wäre doch sinnvoll, dem Diabetes 2mit Übergewicht z.b bestimmte Programme zu sponsorn...aber nur wenn er selbst auch aktiv ist....
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