Triathlet auf Reisen Es ist nicht leicht, Jan Frodeno zu sein

Viel- und Überflieger Jan Frodeno ist dauernd unterwegs. Wie hält sich der Triathlet auf Reisen fit, wo findet er auf Flughäfen gesundes Essen? Eins ist klar: Lieber eine Woche knallhartes Training als ein Interkontinentalflug.

Jan Frodeno (Triathlet) erzählt, wie er sich als Vielflieger fit hält
Felix Rüdiger

Jan Frodeno (Triathlet) erzählt, wie er sich als Vielflieger fit hält


Die Attacke kommt aus dem Hinterhalt: Kaum ist die Reiseflughöhe erreicht, stellt der Herr auf A37 ohne Ansage seinen Sitz zurück. Jan Frodeno, A38, quietscht und springt auf. Klarer Fall von Körperverletzung. Der überwiegende Teil seines 194 Zentimeter langen Athletenkörpers besteht aus Beinen; deutlich zu viel für die letzte Reihe eines Lufthansa-Airbus 321. Berufsbedingt sind die Knie strapaziert. Nach maximal zwei Stunden auf einem engen Economy-Platz braucht der weltbeste Triathlet umgehend Physiotherapie, um wieder rund zu laufen.

Es ist nicht leicht, Jan Frodeno zu sein. Der Sieger des Hawaii-Ironmans von 2015 und 2016 wohnt mit seiner Familie halbjährig in Noosa/Ostaustralien und in Girona/ Katalonien, sein Manager und Freund Felix Rüdiger wohnt in Saarbrücken. Überall hat er Anzüge gebunkert, für überraschende TV- oder Sponsorenauftritte. Mal eben schnell unterwegs Sakko oder Hemd kaufen, das passt nicht. Frodeno, 35, hat Chorknaben-Kragenweite 39, aber die Armlänge eines Basketballers.

So ein Frodeno-Promotag hat zwölf, eher vierzehn Stunden: Sitzen, Stehen, Essen, Lächeln für Sponsoren und zahllose Selfies. Immer wieder die Heldenstory von Hawaii, dafür kaum Training. Wie hält sich ein Hochleistungsmensch fit für den aufreibenden Business-Triathlon in Hotels, Flugzeugen und Buffetschlangen?

Verpflegung unterwegs:

Flughafen Frankfurt. Frodeno ist Stammgast in einem Imbiss am Terminal A. "Die haben guten Kaffee." Zum doppelten Espresso, schwarz, bestellt er Linsensuppe. Die Schnipsel vom Wiener Würstchen - "Eklig!" - fischt er heraus, das dargereichte Baguette ignoriert er. "Brot macht langsam", sagt er, zu viele leere Kohlenhydrate. Wenn ausnahmsweise Brot, dann dunkel, mit Krachkruste. Die Butter muss dicker als die Scheibe, dann noch Schnittlauch und Salz. "Ist das gesund? Keine Ahnung. Aber es ist geil. Junk ist nie geil."

Inzwischen sitzt Frodeno meist vorn auf den besseren Plätzen, wo Platz ist für seine Beine. "Zum Glück für meine Knie darf ich meistens vorne sitzen." Der Unterschied zu den hinteren Plätzen: Da gibt es auch Huhn und Reis, aber auf Porzellan. "Oft nehme ich mir Essen von zu Hause mit. Ohne Quatsch, ich reise mit Tupperdosen und frischem Gemüse drin. Auf Flughäfen, in Lounges oder Hotels droht mir oft der Hungertod, weil nur Süßes, Fettes oder Kohlenhydrathaltiges angeboten wird", sagt er.

"Nüsse gehen immer. Manchmal lässt sich eine Avocado auftreiben oder Nusscracker. Gegen den Hunger hilft Sprudelwasser, da hat der Magen was zu tun. Dann noch ein paar Tropfen Rotwein drauf und ich überstehe jeden Trip. Spitzensportler sind ja sofort knülle; da bin ich eine billige Partie."

Kaffee:

Frodeno ist Koffein-Junkie und Bohnenexperte. "Frodissimo" heißt sein eigenes Kaffee-Label. "Ich habe neulich von Rudolf Dobelli 'Die Kunst des klaren Denkens ' gelesen. Da stellt der Autor die Frage: Warum soll eine Kaffeemaschine besser sein, nur weil ein Tennisspieler dafür wirbt, obwohl der nicht mal weiß, wie man das Gerät bedient? Und die zweite Frage lautet: Warum füllen viele Menschen in ihre sündteuren Maschinen minderwertigen Kaffee? Ein Kilogramm Arabica kostet nun mal 12 bis 15 Euro, weil die Bohnen nicht maschinell geerntet werden können, sondern mit der Hand gepflückt werden."

Den besten Flughafen-Kaffee gibt es in Frankfurt. Frodenos bevorzugte Kaffeebar ist "Espresso Mafia" in Girona.

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Geldausgeben unterwegs:

Nie sitzt die Kreditkarte lockerer als unterwegs. Man will sich für die Reisequalen belohnen. Vielreisende wissen: Der Dutyfree-Mythos ist kostspielig. Seit er Vater ist, übt sich Frodeno in Sparsamkeit. "Neulich wollte ich eine kleine Kamera kaufen. Aber ich habe acht Monate gebraucht, um eine Entscheidung zu treffen. Früher hätte ich die teuerste genommen und das ganze Zubehör dazu. Da haben sich meine Prioritäten geändert: Heute gibt es nur noch zwei Dinge, für die ich viel Geld ausgebe: Reisen und Essen."

Frodenos Tipp fürs optimale Reisegepäck:

"Unbedingt Alukoffer. Nicht, weil es amtlich aussieht, sondern weil erstens der Inhalt stoßsicher aufbewahrt ist und ich mich zweitens drauf setzen kann. Stehen wird als Training überbewertet."

Gesund ernähren:

Wer hauptberuflich Kalorien verbrennt, legt Wert auf guten Treibstoff. Aber wie unterscheidet man Mist von Güte? "Ich werde immer skeptisch, wenn irgendwo 'gesund' draufsteht. Dann ist meistens Scheiße drin. Pommes Mayo sind auch vegetarisch. Die Lebensmittelindustrie ist wirklich brillant darin, irgendwelchen Mist hübsch zu verpacken und mit blumigen Worten anzupreisen. Oft hilft die einfache Frage: Zu wessen Nutzen werden die Dinge verkauft? Um möglichst viele Menschen gesünder, fitter, fröhlicher zu machen? Oder um Investoren, Anleger und Eigentümer zu beglücken?" sagt er.

"Ich wundere mich, was die Leute so alles klaglos hinnehmen. Wenn der CEO eines Lebensmittelkonzerns sagt, dass es kein Grundrecht auf sauberes Wasser geben sollte, weil sein Unternehmen gern den weltweiten Trinkwasserhandel monopolisieren würde, dann kann man sich schon mal fragen, wer hier im Mittelpunkt des Interesses steht. Die Menschheit bestimmt nicht.

In Australien legen die Menschen mehr Wert auf gutes Essen. Sie wollen wissen, woher ihr Fleisch stammt. Das ist weniger ein Öko- als vielmehr ein Geschmacksthema. Freilaufende Rinder von der Weide schmecken nun mal besser und haben andere, gesündere Fette als Massentiere. Das kostet natürlich. Aber die Australier verstehen das, vielleicht, weil sie naturverbundener und erdverwachsener sind. Und den Bauern geht es besser, weil ihre Arbeit angemessen bezahlt wird. Wie soll ein Liter Milch für 50 Cent fair und gesund für alle, auch die Tiere, produziert werden? Geht einfach nicht. In Deutschland zahlen viele Menschen astronomische Preise für das optimale Motoröl. Aber im Supermarkt wird das billigste Lebensmittel gegriffen. Verstehe ich nicht."

In Teil 2 lesen Sie , wie Jan Frodeno sein Gedächtnis trainiert, wie er sich im Flugzeug verhält und warum er nicht mehr twittert.



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nachrichtenleserseit1990 29.11.2016
1. perfekte werbung
kaum habe ich den überaus interessanten Artikel gelesen, sehe ich die Werbung darunter und die erste Werbung ist von Nestlé. Naja man sollte sich fragen wieso sie diese wochenzeitungen verkaufen ind dieses online Nachrichtenportal betreiben. Liegt es am geld oder wollen sie leser möglichst gut neutral und ehrlich informieren?
freshtri 30.11.2016
2. Liegt an Dir;-)
Bei mir ist die erste Werbung, Bio Proteine:-) da ich das als letztes bestellt habe;-) Was hast Du denn von Nestlé gekauft oder angesehen?
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