Überflüssige Lauf-Ausrüstung Was Jogger nicht brauchen

Zum Joggen braucht man nur Schuhe, Hose, Shirt. Alles andere ist für Dauerläufer und ambitionierte Sportler. Der Gelegenheitsläufer muss sich nicht gleich kleiden wie ein Vollprofi. Worauf man zu Beginn gut verzichten kann.

Lauf-App für das Smartphone: Erst abgehen, dann downloaden
Corbis

Lauf-App für das Smartphone: Erst abgehen, dann downloaden


1. GPS-Uhr

Kleider machen Leute, und GPS-Uhren machen Läufer, schon klar. Wer nicht am Armgelenk rumfummelt, kann nicht mitreden. Aber es gibt dann doch einen Unterschied zwischen Ironman Hawaii und Volkspark Friedrichshain. GPS-Uhren sind nützlich und manchmal auch cool. Aber es kommt darauf an, was man vorhat.

Muss ich wirklich die halbe Stunde leichtes Traben mit Freunden mitten in der Stadt per GPS aufzeichnen? Muss ich alle drei Sekunden meine Herzfrequenz checken? Muss ich nicht. Statt Laufen nach Zahlen lieber Laufen nach Laune.

2. Kompressionsstrümpfe

Diese engen Strümpfe waren einst verpönt, doch seit Marathonis meinen, damit länger laufen zu können, trägt man die Waden vermehrt verdeckt. Hier gibt es kein pauschales Falsch oder Richtig. Die Wissenschaft ist noch uneins ob der leistungssteigernden oder regenerierenden Wirkung für Sportler, aber entscheidend ist eh das subjektive Gefühl. Wenn man meint, dass es hilft, hilft es auch.

Aber auch hier gilt: Man muss es nicht übertreiben. Wer ab und zu um den Block rennt oder eine Runde im Wald dreht, braucht keine 40-Euro-Funktionssocken.

3. Trinkgurt

Der Klassiker der überflüssigen Lauf-Accessoires: Es soll ja Leute geben, die bei ihrer Laufrunde um die Aschebahn so viele Trink-Patronen im Halfter haben, dass sie sich locker einen Cocktail mixen könnten. Der Getränkegürtel ist im wahrsten Sinne des Wortes: überflüssig. Hässlich noch dazu.

Hier gibts nur eins: bitte keinen Trinkgurt, wenn keine Wüste oder Berge in der Nähe sind. Und selbst dann nicht. Neueste Studien haben im Übrigen ergeben, dass man als Mensch in der Lage ist, eine Stunde lang ohne Trinken zu überleben.

4. Spezielle Trinkflasche

Lauf-Anfänger haben oft das Gefühl, dass sie eine neue Trinkflasche bräuchten, weil sie ja bald mit dem Joggen anfangen. So eine durchsichtige Plastikflasche in "O"-Form, wo die Hand bequem reinpasst. Oder rutschfest, mit Noppen.

Ganz praktisch sind auch die Sicherheitsverschlüsse, wo man mit Zähnen erst fest zubeißt, dann ruckartig zieht und danach stark saugt - nur um festzustellen, dass das Trinken anstrengender ist als das Laufen selbst. Eine stinknormale Wasserflasche tut's auch.

5. Jogginganzug

Es gab mal eine Zeit, als die Jogginghose noch zum Joggen da war. Heute tragen diese dicken, beuligen Baumwollhosen nur Traceure, also Leute, die Parkour betreiben. Sonst ist die Jogginghose zu allem gut, was nichts mit Sport zu tun hat. Sie braucht einen neuen Namen: Home-, Heim-, Chill-, Wellness-, Couch-Potato-, Lounge-Hose.

Wer eine hat, kann natürlich damit laufen gehen. Aber wer joggen will, kann sich den Kauf einer klassischen Jogginghose sparen. Lieber in eine Shorts investieren.

6. Running App

Jede Lauf-App verspricht, wie einfach es ist, mit dieser App seine Läufe aufzuzeichnen. Wie motivierend, vernetzend und spaßig. Kann alles sein.

Noch einfacher ist, es den digitalen Schnick-Schnack außen vor zu lassen und zunächst gepflegt analog loszulaufen. Merke: erst abgehen, dann downloaden.

7. Smartphone

Wann sind Sie das letzte Mal ohne Smartphone aus dem Haus gegangen? Hm, lange her? Dann wären Sie ja nicht erreichbar, stimmts? Dann könnten Sie Ihre Facebook-Timeline gar nicht checken. Nicht instagrammen, keine Nachrichten empfangen oder lesen. Nicht mal Musik hören, E-Books lesen oder Regenradar für die nächsten Minuten abrufen. Das geht dann alles nicht.

Sehen Sie, und genau deswegen ist es ein Wonne, das Handy zu Hause zu lassen, wenn Sie joggen gehen. Genießen Sie die digitale Stille.

8. Schweißband

Noch so ein Relikt der Achtziger. Hat durchaus das Zeug zum Fashion-Comeback, aber fürs Joggen vernachlässigenswert. Im Übrigen hat der Schweiß eine kühlende Funktion, wenn man ihn auf der Haut lässt und er dann verdunstet. Daher ist es gar nicht so klug, ihn gleich abwischen zu wollen. Das Schweißband wird erst dann wieder interessant, wenn es eine Tasche für den Schlüssel hat.

9. Warnweste

Warnwesten können sehr hilfreich sein - bei Unfällen oder Straßenarbeiten. Als Läufer muss man nicht mit neongelbem Umhang durch die Straßen rennen. Selbst Laufbekleidung vom Discounter haben mittlerweile integrierte Reflektoren.

10. Gewichtsmanschetten

Ab und zu sieht man sie noch: Menschen, die mit Gewichte um die Knöchel geschnallt oder mit kleinen Hanteln in der Hand joggen.

Das ist großer Quatsch. Wer glaubt, dass er damit Lauf- und Krafttraining vereint, liegt falsch. Die Gelenke werden überlastet, der Laufstil versaut und mehr Kraft hat man später auch nicht. Höchstens mehr Schmerzen.

von Frank Joung



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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
sikasuu 29.01.2016
1. Neueste Studien haben im Übrigen ergeben, dass man als Mensch in der Lage ist...
, eine Stunde lang ohne Trinken zu überleben. # Das glaube ich nicht! :-) . Nach Augenschein im Alltag, an UNIs, Schulen und anderen Treffpunkten von jungen Menschen, muss es in den letzten Jahrzehnten einen Evulotiossprung beim Menschen gegeben haben der eine Fortbewegung von > 5m vom Wasserhahn ohne Trinkflasche und ein gehen ohne Smart-XYZ Phone nicht mehr zulässt. . Wie sind sonst die Millionen von Trinkflaschenbehangenen, aufs Smartphone starrenden Menschen die mir und vielen Anderen täglich begegnen zu erklären:-)) . Da fehlen noch genaue wiss. Daten!
Cäsarenwächter 29.01.2016
2. Volltreffer!
Selten lese ich Beiträge dieser Art, bei denen die Vernunft und Logik dominieren! Es geht ums Laufen. Für das Laufen brauchte der Steinzeitmensch keine extras. Wir besitzen aber nach wie vor den Körper eines Steinzeitmenschen. Daher halte ich den sportlichen Schnickschnack, den der Autor aufgezählt hat, für überflüssig. Es gibt sicherlich Ausnahmen, die die Mitnahme eines Smartphones rechtfertigen könnten, und zwar in den diesen Fällen: -Lauf in einer neuen und unbekannten Umgebung -Lauf in einer Wildnis -Lauf in den Bergen Für diese Fälle gilt: Sicherheit geht vor. Im Einzelnen: a.Kompressionsstrümpfe: Überfüssig. Eher was für modisch Bewusste, die sich optisch von den anderen Läufern absetzen wollen, zB bei jungen Damen. Sieht hübsch aus. Damit erschöpft sich die Funktion. Es sei denn, der Arzt... b.Laufgurt: Gehts noch?! Dann lieber einen Laufrucksack für den Rücken, der ohnehin während des Laufens nicht belastet wird. Den Laufrucksack kann man Getränke, Taschentücher etc. bestücken. c.Jogginganzug: Vorsicht im Winter! Wer glaubt, dass der Lauf in einer Short bei Minusgraden gut sei, der irrt sich. Es mag zwar cool aussehen, aber es trägt nicht für die Gesundheit bei. Im Gegenteil: Laufen in kurzen Hosen bei Kälte ist schlecht für Sehnen, Gelenke und Bänder. d.Warnweste: Ich sehe immer wieder Läufer mit albernen Anzügen. Dabei reichen die Reflektoren der Laufbekleidung völlig aus. Der Rest ist Übertreibung und Panik der Läufer überfahren zu werden. Manche laufen gar mit Stirnlampen. Im Wald mag das Sinn machen, aber nicht auf beleuchteten und asphaltierten Flächen. Lächerlich! e.Smartphone/MP3-Player: Noch nie beim Laufen benutzt, um mir Musik anzuhören. Wozu? Wozu hat Gott Gehirne verteilt? Genau: Die Musik kann man auch Offline über das Gedächtnis sich anhören. Tipp: Kurz vor dem Laufen sich die motivierendsten Songs anhören und einige Sequenzen sich merken. Der Rest läuft im Gedächtnis von selbst, ohne dass sich ein Ohrwurm draus entwickelt. f.Getränke: Richtig! Man kann auch 1 Std. ohne Flüssigkeit auskommen. Habe ich auch jahrelang durchgehalten, ohne dass ich im nächsten Graben verdurstet aufgefunden wurde. Aber bei älteren Leuten ist trotzdem Vorsicht geboten. Mein Tipp: Die Getränkeflasche an einem geheimen Ort (zB unter Laub) lagern und wenn man daran vorbeiläuft trinkt man ein paar Schlucke und legt sie wieder zurück/ nimmt sie mit bis nach Hause. So was macht eher Sinn bei runden/linearen Laufstrecken, wo man zwei Mal an derselben Stelle (mit Wasserversteck) vorbeiläuft. Die wichtigste Botschaft: Lass dich nicht verrückt machen von vermeintlichen Lauffreunden und modischen Gadgets. Höre auf die innere Vernunft, die dir sagt, was wichtig ist.
taglöhner 29.01.2016
3. Nippes
Also Pulsuhr will ich schon jedem empfehlen. Der Rest ist in der Tat obsolet. Und bittebitte keine 700 000 lx Stirnlampen, die entgegenkommende, gesund Dämmerungssehende, erst mal in die Hocke zwingen.
dimaco 29.01.2016
4. Smartphoneapp ..
.. brauch ich auf jeden Fall ;) Wie sonst könnte ich die Stravaristen über meinen Lauf informieren ;) Den Rest brauch ich nicht wirklich, normal reichen ein Paar Laufschuhe, aber ich laufe ja nicht, sondern ich fahre Rad täglich ca. 35km und da ist Gps-Bikecomputer mit Stravaupload immer dabei. Da brauch ich nur die Leistungsdaten des Powermeters und die Zeit
ingenieur-aus-überzeugung 29.01.2016
5. Warum?
Warum lasst Ihr uns nicht unseren Spaß? Ich bin voll verkabelt. Runtastic. Stirnlampe. iPhone. Herzfrequenzzähler usw. Mir macht es Spaß am Ende des Laufs zu sehn wie mein Pace während der 2km Steigung war, wie sich mein Puls verhalten hat. Lasst mich doch einfach.
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