Übergewicht Europa, deine dicken Kinder

Eine EU-Studie hat Tausende Kinder mehr als ein Jahrzehnt lang begleitet, darunter auch eine Gruppe aus Deutschland. Die Forscher wollten herausfinden, was übergewichtig macht. Die zehn wichtigsten Erkenntnisse.

Zwölfjähriger mit Übergewicht
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Zwölfjähriger mit Übergewicht

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Nicht nur die Erwachsenen sind zu dick, auch bei Kindern rollt sich immer häufiger der Speck auf der Hüfte. "Die Häufigkeiten von Fettleibigkeit und Übergewicht bei europäischen Kindern verharren auf einem beispiellosen Niveau", schreiben Forscher in einer aktuellen, von der EU-Kommission finanzierten Studie. Ihre Untersuchung soll helfen, das zu ändern.

Dafür beobachteten die Wissenschaftler in den vergangenen zehn Jahren die Entwicklung von zeitweise mehr als 16.000 Kindern und ihren Familien. Die Teilnehmer stammten aus acht europäischen Ländern - darunter auch eine Gruppe aus Deutschland. Die Ergebnisse zeigen, wie Schlaf, Psyche und Bildung schon das Gewicht der Kleinsten beeinflussen - und dass eine noch so gesundheitsbewusste Erziehung von Werbung und sozialem Umfeld schnell untergraben werden kann.

Die zehn wichtigsten Punkte im Überblick:

1. Dicht, dichter, Kinderessen: Ob ein Essen dick macht oder nicht, hängt auch mit seiner Energiedichte zusammen. Die Kernfrage: Wie viele Kalorien liefern 100 Gramm Essen dem Körper? Das Durchschnittsessen der europäischen Kinder, also alles von Süßigkeiten über Äpfel bis hin zu den Nudeln beim Mittagessen zusammen genommen, kam auf 200 Kilokalorien pro 100 Gramm. Zu viel, sagen die Forscher.

Zum Vergleich: Der gemessene Wert entspricht etwa den Kalorien von Fertigpommes aus dem Backofen. Deutlich besser wäre, wenn das Durchschnittsessen nur auf die Energiedichte von Salat aus gekochten Kartoffeln käme (140 Kilokalorien pro 100 Gramm), so die Forscher. Immerhin: Von frittierten Pommes mit 340 Kilokalorien pro 100 Gramm ist das Gemessene noch weit entfernt.

Schokolade bis Tomaten: So viel bekommt man jeweils für 100 Kilokalorien
Valeria Maria Pala

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2. Wie die Mutter, so das Kind: Eltern haben einen enormen Einfluss auf die Ernährungsgewohnheiten ihrer Kinder - ob in die gesunde oder in die ungesunde Richtung. Essen Mutter und Vater viel Zucker, gewöhnt sich der Nachwuchs doppelt so häufig ebenfalls eine zuckerreiche Ernährung an. Einleuchtend: Der Effekt ist umso stärker, je mehr Mahlzeiten die Familie gemeinsam einnimmt. So ähneln sich meist auch die Figuren verschiedener Familienmitglieder - wobei die Kinder deutlich mehr nach ihrer Mutter kommen als nach ihrem Vater.

3. Kinder kopieren ihre Freunde - aber nur in eine Richtung: Das Körpergewicht von Kindern und Teenagern hängt auch von dem ihrer Freunde ab. Wenn diese mehr Fastfood, mehr Süßigkeiten, mehr Chips essen, wollen das auch gesundheitsbewusst erzogene Sprösslinge. Leider beobachteten die Forscher den Effekt umgekehrt nicht, Begeisterung für eine gesunde Ernährung ist also offenbar nicht ansteckend.

4. Fernsehwerbung ist für die Kleinen unwiderstehlich: Selbst wenn sie erklären, Süßes eigentlich nicht so zu mögen -, von Fernsehwerbung lassen sich Kinder und Teenager umstimmen. Mindestens 80 Prozent erkundigen sich zumindest manchmal nach Lebensmitteln, die sie in einer Fernsehwerbung gesehen haben, erklären die Forscher. Kinder, die Werbung im Fernsehen sahen, konsumierten im Schnitt deutlich mehr gesüßte Getränke. Dabei war egal, ob Mutter und Vater eigentlich von Limo und Co. abrieten.

5. Übergewicht ist schon bei Kindern mit der Psyche verknüpft: Was Erwachsene als Frustessen kennen, scheint es auch bei Kindern und Jugendlichen schon zu geben. Kinder, die zum Beispiel Probleme mit Freunden oder innerhalb einer Gruppe hatten, entwickelten in der Untersuchung häufiger Übergewicht. Andererseits hatten übergewichtige Kinder aber auch ein größeres Risiko, dass ihr Wohlergehen litt - vor allem aufgrund eines geringeren Selbstwertgefühls, emotionaler Schwierigkeiten und aufgrund von Problemen mit Familien und Freunden.

6. Die meisten Kinder schlafen zu wenig, das ist vor allem bei Grundschulkindern bedenklich: Nur ein Drittel der Kinder und Jugendlichen schlief so lange, wie es Experten empfehlen. Das könne vor allem bei Grundschulkindern das Risiko für Übergewicht steigern, warnen die Forscher. Hinweise sprechen dafür, dass sich der Schlaf auf den Stoffwechsel und damit auch auf appetitregulierende Hormone auswirkt. Kurzschläfer ernährten sich in der Studie aber auch ungesünder, aßen weniger Gemüse und dafür mehr Zucker und Fett. Außerdem könnte Schlafmangel träge machen und damit an Bewegung hindern, so die Forscher.

So lange sollten Kinder schlafen

Alter Empfohlene Schlafdauer
Neugeborene 16 bis 18 Stunden
Kinder unter sechs 11 bis 12 Stunden
Grundschulkinder Mindestens 10 Stunden
Teenager 9 bis 10 Stunden

Quelle: National Heart, Lung and Blood Institute

7. Andere Kinder verändern die Wahrnehmung der Eltern: Wie Eltern das Gewicht ihres Kindes einschätzen, hängt davon ab, wie dick andere Kinder in ihrem Umfeld so sind. Dominieren in der Schule eher übergewichtige Kinder, schätzen Eltern ihr eigenes Kind tendenziell dünner ein, als es ist. Andersherum denken sie jedoch auch, dass ihr Kind dicker ist, wenn es von schlanken Kindern umgeben ist.

8. Kinder mit wenig gebildeten Eltern haben einen Nachteil - der sich im Laufe ihrer Kindheit auch noch potenziert: Kindern aus benachteiligten Familien sind deutlich häufiger übergewichtig. Dazu zählten die Forscher den Nachwuchs von Eltern, die eine schlechte Bildung hatten. Diese Unterschiede werden stärker, wenn die Kinder älter werden.

Die folgende Grafik zeigt den Zusammenhang der Bildung der Eltern mit dem Gewicht der Kinder:

9. Fast allen Kindern mangelt es an Bewegung: Eigentlich sollten Kinder mindestens eine Stunde am Tag aktiv sein. Das erreichten aber nur zwei Prozent der Kinder und Jugendlichen in den acht untersuchten Ländern. Mädchen bewegten sich grundsätzlich weniger als Jungs, Teenager weniger als Kinder. Während die Kinder im Alter von fünf bis sieben nur 40 Prozent ihrer Lebenszeit sitzend verbrachten, waren es bei den 14- bis 16-Jährigen schon 60 Prozent.

10. Mittelmeerdiät im Norden: Die mediterrane Kost gilt als äußerst gesund, sie ist reich an Gemüse, Früchten, Nüssen, Getreide und Fisch. Dafür kommen wenig Milchprodukte und Fleisch auf den Tisch. Ursprünglich nur im Mittelmeerraum verbreitet, stießen die Forscher bei vielen Familien in Göteborg (Schweden) und Bremen (Deutschland) auf die Ernährungsform. Das ist eine gute Nachricht zum Schluss. Die Mittelmeerdiät senkt unter anderem das Risiko fürs Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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domicic 09.02.2017
1. Blablabla..
In meiner Kindheit in den 1980er aßen wir wahrscheinlich noch viel ungesunder, wollten immer zum McD, gaben das Taschengeld im Tante Emma Laden für Saure Zungen, Colaflaschen und anderen Schrott aus, aßen haufenweise Negerküsse (lebe schon lange nicht mehr in Deutschland und weiss nicht wie nun die politisch korrekte Schreibweise von Negerküsse ist) und wir waren bis zur 5. Klasse alle magersüchtig. Warum weil wir Punkt 9. praktizierten, nach der Grundschule ging's nach draußen und man blieb bis 18:30 Uhr draußen. Auf dem Bolzplatz Fußballspielen, an der erstbesten Wand Tennis (BB sei's Dank) und so weiter. Dann kam die Zeit für Amiga 500 und der Speckbauch fing an zu wachsen...
ford_mustang 09.02.2017
2. bildungsferne Eltern haben dickere Kinder?
Klar, weil mit Hartz4 gesundes Essen nicht durchgängig finanzierbar ist. Fettwurst ist billiger als Diätnahrung. Außerdem oftmals sind dort Süsskram oftmals der einzige "Luxus". In der Schule meines Sohnes, wird Mittagessen angeboten, mit dem ein Anbieter scheinbar das schnelle Geld machen will. Erst letztens Preiserhöhung um gesünderes Essen anzubieten. Trotzdem sehr oft Nudeln, mit irgendeiner Soße. Nebenher betreibt der Anbieter ein "Bistro", mit Hot Dogs, Pizza, usw.. Soviel zu gesundem Essen in der Schule!
koves 09.02.2017
3. Auch eine Frage des Steuersystems
In diesem Zusammenhang muss man sich einfach die Frage Stellen, wie gerecht das deutsche/ europäische Steuersystem ist. Es werden Löhne viel zu hoch hoch besteuert. Dabei sollten eigentlich stattdessen Ressourcen oder sädliche Nahrungs- und Genussmittel wie Zucker und Alkohol oder auch Finanzgeschäfte, die überwiegend der Spekulation dienen drastisch höher besteuert werden. Lobby sei Dank, passiert dieses aber nicht.
brooklyner 09.02.2017
4.
Da es den Lobbyisten gelungen ist, den furchtbaren Mist namens Corn Syrup nun in der EU zugelassen zu bekommen und diesen hinter dutzenden harmlos-kryptisch klingenden Namen auf den Etiketten zu verbergen, wird sich die Fettleibigkeit in Europa der in den USA und Mexiko annähern.
matti99 09.02.2017
5. Bewegungsmangel als eine Ursache ....
und dann sollte man einmal diese Erkenntnis vergleichen mit dem micro-regionalen Sportangeboten, dem mangelnden Schulsport, weil die Sporthallen fehlen, weil Schul-Sportplätze aufgelöst und zum Bauland werden (weil man dieses Geld dringend zur Minunsdeckung im Gemeindehaushalt benötigt) (und damit weitere Wege für die Erreichbarkeit von Sportstätten Schulkinder errichtet werden,) weil ein Schul-Schwimmunterricht nicht stattfinden kann wg. maroder Becken, weil die Kommunalpolitik wg. Geldmangels lieber nichts investiert in grundständige Pflege- und Unterhaltung von Sport- und Schwimm-Hallen (Leuchtturmprojekte sind ja für Pressebilder viel schöner), weil Sportnoten minderwertig sind für die Schulabschlussnoten, weil die Schulzeitverkürzung (G8) den Platz für außerschulischen Freizeitsport einschränkt, weil Bundesjugendspiele nicht mehr zum festen Zielpunkt eines Schuljahres gehören, weillll .... Viele Kommunalpolitiker sollten einmal in einige Nachbarländer (zB. Niederlande, Dänemark) zur Weiterbildung fahren, die vielen gepflegten Sportanlagen, die man dort in den Gemeinden antreffen kann, die vielen Einwohner die dies auch nutzen ....
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