Demenzrisiko: Fettleibigkeit macht Gehirn auf Dauer träge

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Übergewichtig: Überflüssige Pfunde erhöhen auch das Risiko für kognitive Veränderungen

Wer zu dick ist, neigt eher zu Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch auch Übergewichtige, die ansonsten gesund sind, haben schlechtere Prognosen. Eine aktuelle Studie zeigt: Übergewicht ist vermutlich schlecht fürs Gehirn.

Fettleibigkeit erhöht einer neuen Studie zufolge das Risiko für Störungen des Gehirns und in der Folge vermutlich auch für eine Demenz. Dass Übergewicht schlecht für das Gehirn ist, hatten Forscher schon länger vermutet - bisher schoben sie das aber auf Begleitkrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und andere sogenannte metabolische Veränderungen wie etwa erhöhte Blutfettwerte und Blutzuckerspiegel.

Die aktuelle Untersuchung zeigt jedoch: Selbst dicke Menschen, die ansonsten gesund sind, sind vergleichsweise anfällig für kognitive Störungen, wie Wissenschaftler im Journal "Neurology" berichten.

Für die Studie werteten Forscher um Archana Singh-Manoux vom französischen Forschungsinstitut Inserm Daten von 6401 Beamten aus Großbritannien aus, die an der sogenannten Whitehall-II-Studie teilgenommen hatten. Beim Start im Jahr 1985 und während der folgenden zehn Jahre absolvierten die Testpersonen größtenteils drei Untersuchungen zu Gedächtnisleistungen und anderen kognitiven Eigenschaften (65,8 Prozent machten drei der Tests, 22,5 zwei und 11,7 einen). Dabei wurden Punkte vergeben für logisches Denken, Satzbau, Gedächtnis, und Sprachkompetenz. Zu Beginn der Untersuchung waren die Probanden im Durchschnitt 50 Jahre alt. Die Wissenschaftler bezogen desweiteren den Body-Mass-Index (BMI) sowie verschiedene Risikofaktoren der Teilnehmer in ihre Analysen ein.

"Es gibt keine gesunde Fettleibigkeit"

"Während der zehn Jahre der Studie fielen die Punktzahlen der Tests bei Fettleibigen und Menschen mit krankhaft erhöhten metabolischen Werten um 22,5 Prozent schneller als bei denen mit Normalgewicht und ohne Herz-Kreislauf-Krankheiten", heißt es in einer Mitteilung der American Academy of Neurology. Doch auch in der Gruppe der metabolisch Gesunden gab es Unterschiede in der Gesamtwertung der Tests zwischen Normal- und Übergewichtigen.

Die Aussagekraft der Untersuchung wird dadurch eingeschränkt, dass es sich lediglich um eine Beobachtungsstudie handelt. Die Probanden waren zudem nicht repräsentativ für die britische Bevölkerung ausgewählt worden, noch gab es die Möglichkeit einer Analyse mit Kontrollgruppen.

Dennoch bekräftigt die Studie, was Wissenschaftler seit längerer Zeit vermuten: Dass Übergewicht auch dann schädlich ist, wenn die Betroffenen ansonsten gesund sind und noch nicht unter Herz-Kreislauf-Problemen oder Diabetes haben.

"Es gibt keine gesunde Fettleibigkeit", sagt Günther Deuschl, Leiter der Klinik für Neurologie an der Uniklinik Kiel. Er betont, die Testpersonen hätten zwar noch keine Demenz - die kognitiven Auffälligkeiten führten aber wohl auf Dauer zu einer Demenz.

Über die Ursachen, den Zusammenhang von Übergewicht und kognitiven Störungen, könne man nur spekulieren, so der Experte. Deuschl nennt aber zwei der wichtigsten Mutmaßungen von Forschern: "Es könnten gefäßabhängige Störungen sein, Fett lagert sich in den Gefäßen ab und verengt sie." Eine andere Theorie sei, dass das Fettgewebe Hormone aussende, die das Gehirn beeinflussten.

Der Neurologe betont aber, dass auch extrem niedriges Gewicht ungesund sei: "Der Mensch lebt am längsten und bleibt dabei geistig und körperlich gesund, wenn er Normalgewicht hat. Regelmäßige sportliche Aktivität und ein aktives geistiges und soziales Leben sind beste Vorsorgemaßnahme gegen die Demenz."

hei/dpa

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insgesamt 46 Beiträge
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1. Schlecht für das Geheirn
kenterziege 21.08.2012
Zitat von sysopWer zu dick ist, neigt eher zu Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch auch Übergewichtige, die ansonsten gesund sind, haben schlechtere Prognosen. Eine aktuelle Studie zeigt: Übergewicht ist vermutlich schlecht fürs Gehirn. Übergewicht: Fettleibigkeit erhöht Risiko für Störungen im Gehirn - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/0,1518,851156,00.html)
Ja - Übergewichtigkeit ist schlecht für mein Gehirn, obgleich ich mit >70 sehr schlank bin! Aber der Anblick von adipösen Leibern macht mich besonders jetzt im Sommer krank. Interessant ist, daß bereits jung Mädchen ungeniert ihre Pfunde präsentieren! Davon bekommt man(n) ein Augenleiden!
2. Stoppt die Hetze gegen Dicke!
Vindo 21.08.2012
Ich habe trotz täglichem Sport und gemüsereichem Essen 77 Kilo bei 167 cm. Laut Weight Watchers müsste ich 65 Kilo haben. Ich lese leidenschaftlich gerne die Romane Goethes, die andere im Internet als schwierig bezeichnen. Mir hingegen fällt diese Lektüre ganz leicht, also habe ich wohl keine Demenz. Weniger essen könnte ich nur durch ständigen Hunger. Durch die Behauptung, Dicksein führe zur Demenz, können jetzt alle, die ihre Hungergefühle nicht ändern können, noch mehr als bisher terrorisiert werden.
3.
obertrulla 21.08.2012
Zitat von kenterziegeJa - Übergewichtigkeit ist schlecht für mein Gehirn, obgleich ich mit >70 sehr schlank bin! Aber der Anblick von adipösen Leibern macht mich besonders jetzt im Sommer krank. Interessant ist, daß bereits jung Mädchen ungeniert ihre Pfunde präsentieren! Davon bekommt man(n) ein Augenleiden!
Männer nicht oder ist das ok für Sie und Sie leiden nicht darunter? Niveaulimbo vom Feinsten...
4. Es geht um Fettleibigkeit...
ice2go 21.08.2012
@Vindo: ... nicht um eine kurvige Figur! Als ein "normales Gewicht" bei ihrer grosse wird mit 52-70 kg angegeben. Fettleibigkeit wuerde ab 85 kg anfangen. Und es geht hier nicht um hetze gegen Dicke. Dicksein ist einfach nicht gesund fuer den Körper besonders nicht mit massivem Uebergewicht ueber viele Jahre oder Jahrzehnte hinweg. Und wenn wir anfangen wie die Amerikaner uns dicke/fette Kinder gross zu ziehen sollten sich vor allem auch Eltern gedanken machen, was sie ihren Kindern als gesundes Essverhalten vorleben und beibringen.
5. Julius Cäsar wußte das schon
albert schulz 21.08.2012
Laßt wohlbeleibte Männer um mich sein.
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Diabetes mellitus
Honigsüßer Durchfluss
Der Diabetes mellitus (wörtlich aus dem Griechischen: "honigsüßer Durchfluss"), umgangssprachlich Zuckerkrankheit genannt, ist eine chronische Stoffwechselstörung. Der Name bezieht sich auf den zuckerhaltigen Urin, an dessen Süße die Krankheit in der Antike erkannt wurde. Heute gilt Diabetes als Überbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die durch zu hohe Blutzuckerwerte, die Hyperglykämie, gekennzeichnet sind. Der Grund dafür ist, dass Traubenzucker (Glukose) wegen eines Insulinmangels nicht mehr in die Zellen aufgenommen werden kann und sich im Blut anreichert.
Typ-1-Diabetes
Beim Typ-1-Diabetes, von dem fünf bis zehn Prozent aller Zuckerkranken betroffen sind, zerstört das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Die Symptome des fortschreitenden Insulinmangels beginnen meist in der Kindheit oder der Jugend: Die Blutzuckerkonzentration steigt extrem an, es kommt zu starkem Wasser- und Nährstoffverlust, was ständigen Durst und häufiges Erbrechen zur Folge hat. Auch eine schnelle Gewichtsabnahme gehört zu den Symptomen. Als Therapie müssen die Diabetiker sich Insulin selbst spritzen. Als Ursache von Typ-1-Diabetes werden genetische Veränderungen vermutet.
Typ-2-Diabetes
Der Typ-2-Diabetes wurde früher als Altersdiabetes bezeichnet. Im Zuge wachsender Zahlen übergewichtiger Menschen insbesondere in den Industrieländern erkranken aber immer öfter auch junge Menschen und inzwischen sogar Kinder am Typ-2-Diabetes. Falsche Ernährung gilt als die Hauptursache der Krankheit: Die großen Mengen von Zucker, die dem Körper zugeführt werden, kann die Bauchspeicheldrüse in jungen Jahren noch durch eine verstärkte Insulinproduktion wettmachen. Im Laufe der Zeit versiegt aber die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse und auch die Zellen werden unempfindlicher für das Insulin, so dass die Glukose immer schlechter abgebaut wird und sich im Blut anreichert.

Im Unterschied zum Typ 1 gibt es beim Typ-2-Diabetes lange keine eindeutigen Symptome wie etwa verstärktes Wasserlassen oder Durstgefühl, sondern eher unspezifische Anzeichen wie ein ständiges Hungergefühl, Gewichtszunahme, Niedergeschlagenheit und Müdigkeit. Typ-2-Diabetes kann anfangs durch gesündere Ernährung, mehr Bewegung und Abnehmen bekämpft werden. Gelingt das nicht, sind später Medikamente zur Regulierung des Blutzuckers und auch eine Insulintherapie notwendig.
Verbreitung
Diabetes gehört schon heute zu den größten Volkskrankheiten und wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich dramatisch ausbreiten. Schätzungen zufolge gibt es weltweit mehr als 150 Millionen Zuckerkranke, Tendenz stark steigend.

In Deutschland lebten laut Einschätzungen der DEGS Gesundheitsstudie des Robert Koch-Instituts 7,2 Prozent der Bevölkerung zwischen 18 und 79 Jahren mit Diabetes, demnach sind 4,6 Millionen Personen betroffen. Bei den 70- bis 79-Jährigen ist mehr als jeder Fünfte an Diabetes erkrankt (21,9 Prozent). Die Zahl der Erkrankungen ist zwischen 1997 und 2010 um 38 Prozent angestiegen, davon sind nur 14 Prozent durch die Alterung der Bevölkerung zu erklären.