Umfrage Dicke werden in Deutschland ausgegrenzt

Wer stark übergewichtig ist, leidet nicht nur unter den überzähligen Pfunden, sondern auch unter Stigmatisierung. Eine repräsentative Umfrage zeigt, wie viele Menschen über Dicke denken.

DPA


Fettleibigkeit macht nicht nur krank, sondern einer Umfrage zufolge auch einsam. Nach einer repräsentativen Forsa-Befragung im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit werden fettleibige Menschen in Deutschland häufig stigmatisiert und ausgegrenzt. 71 Prozent der Bevölkerung finden stark Übergewichtige demnach unästhetisch. Die Mehrheit der Befragten glaubt zudem, dass Fettleibige zu faul zum Abnehmen seien.

In Deutschland sind dem Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin zufolge zwei Drittel der Männer (67 Prozent) und die Hälfte der Frauen (53 Prozent) übergewichtig, jeder vierte Erwachsene zwischen 18 und 79 ist fettleibig (das entspricht einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 und mehr). Der Anteil der Patienten mit extremer Adipositas (BMI 40 und darüber) hat sich dem "XXL-Report" der DAK-Gesundheit zufolge zwischen 1999 und 2013 mehr als verdoppelt.

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Adipositas ist eine Volkskrankheit, die durch unterschiedliche Faktoren hervorgerufen wird. Fettleibigkeit kann Auslöser für zahlreiche Begleiterkrankungen sein, chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Krankheiten können folgen. Übergewicht und Adipositas sind der Krankenkasse zufolge daher ein erheblicher Kostenfaktor im Gesundheits- und Sozialsystem.

Wenn es um Gründe für das starke Übergewicht geht, sehen viele Menschen die Schuld bei den Betroffenen selbst, ergab die Umfrage. Fast jeder Zweite (47 Prozent) meint, dass Bewegungsmangel und übermäßiges Sitzen schuld daran seien. Ein Drittel (33 Prozent) schiebt es auf falsche oder ungesunde Ernährung. Gesundheitliche Gründe wie Stoffwechselstörungen oder genetische Dispositionen scheinen laut DAK dagegen gar keine Rolle zu spielen.

"Adipöse Menschen haben in unserer Gesellschaft ein schweres Los, sie kämpfen gegen Pfunde und Vorurteile", erklärte DAK-Vorstand Thomas Bodmer. Nicht selten haben stark Übergewichtige das Gefühl, gegen ihre überzähligen Kilos nicht mehr anzukommen. Dabei haben Untersuchungen gezeigt, dass das Ziel nicht unbedingt Normalgewicht sein muss: Wer stark übergewichtig ist, und es schafft, fünf Prozent abzuspecken, erweist seiner Gesundheit einer US-Studie zufolge bereits einen großen Dienst, denn das Risiko für Diabetes und koronare Herzerkrankungen sinkt.

BBC-Dokumentation

hei/dpa/AFP

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