Unterschätzte Laufsocke Strumpf ist Trumpf

Laufschuhe stehen im Rampenlicht, die Laufsocke spielt nur eine Nebenrolle. Michael Meier, Manager eines Sockenherstellers, über unangenehme Gerüche und schmerzende Achillesfersen.

Läuferin mit passender Fußbekleidung: "Es ist wichtig, dass die Socken optimal sitzen"
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Läuferin mit passender Fußbekleidung: "Es ist wichtig, dass die Socken optimal sitzen"


Zur Person
Michael Meier, ist studierter Betriebswirt und seit 1997 Product Manager beim Sockenhersteller Falke - Ergonomic Sport System.
SPIEGEL ONLINE: Herr Meier, fast jedem Sportler ist es wichtig, was er für Schuhe trägt, aber bei der Auswahl der Socken sind die meisten nachlässig.

Michael Meier: Das stimmt. Es ist aber abhängig von der Sportart. Skifahrer etwa legen großen Wert auf gute Strümpfe. Wenn man acht, neun Stunden in Skischuhen steckt, kalte Füße bekommt oder Schienbeinschmerzen aushalten muss, denkt man eher über die Fußbekleidung nach. Läufer dagegen achten zwar extrem auf ihre Laufschuhe, laufen aber oft in herkömmlichen Baumwollsocken. Die meisten Läufer haben ein geringeres Problembewusstsein, aber auch sie können mit den richtigen Socken ein deutliches Plus an Komfort erleben.

SPIEGEL ONLINE: Wie finde ich die richtige Laufsocke?

Meier: Ähnlich wie beim Schuh muss ich bedenken, wofür ich die Socken brauche. Socken haben unterschiedliche Polsterstärken. Bin ich wettkampforientierter Läufer, benötige ich dünne Socken. Da haben sie direkten Schuhkontakt und gute Kraftübertragung. Gepolsterte Socken dämpfen zwar, dadurch kann aber auch ein Teil der Energie verloren gehen. Aber ob man dünnere oder dickere Socken wählt, ist Geschmacksache.

SPIEGEL ONLINE: Warum gibt es bei Socken immer nur Größen in Sprüngen: 39 bis 42 oder 43 bis 46. Ist das überhaupt zeitgemäß?

Meier: Nein, das ist nicht mehr zeitgemäß. Wir bieten Socken in Zweiersprüngen an und nicht in Dreier- oder Vierersprüngen. Das hat den Vorteil, dass die Socken besser passen, weniger Falten werfen und nicht rutschen. Das Problem ist aber tatsächlich, dass die meisten Menschen ihre Laufsocken zu groß kaufen.

SPIEGEL ONLINE: Wie kommt das?

Meier: Sie orientieren sich an der Größe ihrer Laufschuhe, die ja ein bis zwei Nummern größer sind als bei normalen Schuhen. Wenn ich Laufschuhe in 44 habe, reicht womöglich eine Socke in 42. Sockengrößen richten sich nach der Fußgröße und nicht nach der Größe der Laufschuhe.

SPIEGEL ONLINE: Bei einigen Sockenherstellern gibt es eine rechte und eine linken Socke. Ist das wirklich notwendig?

Meier: Ja, das macht Sinn. Denn gerade bei Sportsocken ist es wichtig, dass die Socken optimal sitzen. In der Regel ist der Fuß an der Innenseite, dort, wo der große Zeh liegt, am Längsten. Der traditionelle Strumpf ist aber vorne rund und hat die längste Stelle in der Mitte vom Fuß. Beim Laufen kann es also passieren, dass die Socke Falten am kleinen Zeh wirft. Das gibt Druckstellen - und das wiederum führt womöglich zu Blasen. Da ist es besser, wenn die Socke so geformt ist wie der Fuß. Außerdem können so gezielt Polsterungen an den Belastungszonen - die immer außen am Fuß sitzen - eingearbeitet werden.

SPIEGEL ONLINE: Bräuchte man dann nicht idealerweise Zehensocken?

Meier: Nur, wenn ich Zehenschuhe habe. Ich finde, es ist eine ziemliche Fummelei, die Zehensocken anzuziehen. Manchmal bilden sich zwischen den Zehen Knübbelchen, die stören. Für Laufschuhe machen sie keinen Sinn.

SPIEGEL ONLINE: Welches Material hält meinen Fuß trocken und warm?

Meier: Früher hat man gesagt: Zieh eine Polyestersocke an und eine Baumwollsocke drüber. Mittlerweile ist das überholt, weil man zwei Materialien in einer Socke verarbeiten kann. Zwei Socken übereinander verrutschen auch leicht. Das Problem ist Folgendes: Der Fuß schwitzt an der Fußsohle am stärksten, weil es so gut wie keine Laufschuhe gibt, die an der Sohle atmungsaktiv sind. Hier entsteht der meiste Schweiß. Man braucht also ein Material, was hydrophob ist, also keine Feuchtigkeit aufnimmt. Wir verarbeiten Kunststofffasern wie Polypropylen in der Socke und stricken ein zweites Material - Baumwolle - darüber. Dadurch wird der Schweiß an der Fußsohle aufgenommen und über die Baumwolle nach oben transportiert in den Bereich, wo der Schuh atmungsaktiv ist.

SPIEGEL ONLINE: Wie verhindert man, dass Socken unangenehm riechen?

Meier: Kunststoffasern neigen eher zu Geruchsentwicklung. Das liegt an der chemischen Zusammensetzung und lässt sich nicht vermeiden. Der Strumpf beginnt recht schnell unangenehm zu riechen. Manche Hersteller stricken Silber in die Socke. Das hemmt das Bakterienwachstum und ist gut für den Geruch, aber leider schlecht fürs Grundwasser, weil sich Silber rauswäscht. Dann entfaltet das Silber seine antibakterielle Wirkung auch im Ökosystem, obwohl es Bakterien im Wasser gibt, die eine wichtige Funktion haben. Daher arbeiten wir mit Naturfasern wie Baumwolle und Wolle die sich auch positiv auf die Geruchsentwicklung auswirken.

SPIEGEL ONLINE: Welche Trends gibt es auf dem Sockenmarkt zurzeit?

Meier: Für die Sockenhersteller sind die Schuhtrends wichtig. Was wir derzeit sehen, ist: Die Kunden wollen dünne Socken, vielleicht, weil die Schuhe immer bequemer und besser werden. Auch optisch gibt es einen klaren Trend hin zu kurzen Sneakersocken, die man kaum sieht, sogenannten "Invisibles".

SPIEGEL ONLINE: Bei Läufern sind Kompressionsstrümpfe sehr beliebt. Wird es vermehrt Socken geben, die als Aufgabe haben, Beschwerden zu lindern?

Meier: Kann gut sein. Wir sehen seit Jahren, dass immer mehr Läufer Probleme mit der Achillesferse haben, sicherlich bedingt durch den Natural Running Trend und Schuhe mit geringer Sprengung. Wir haben eine Socke für diese Läufer entwickelt und Silikonnoppen in die Achillesfersen-Zone eingearbeitet, die das umliegende Gewebe beim Laufen massiert und so die Achillessehne durchblutet. Dadurch wird der Abtransport von Entzündungsstoffen verbessert. In Tests mit 90 Lauf-Probanden haben rund 80 Prozent eine spürbare Verbesserung bemerkt. Ich selber kann das nicht beurteilen. Ich habe keine Probleme - und die Socken sind nur was für Läufer mit Beschwerden. Sonst werden Sie keinen Spaß damit haben. Generell gilt leider oft die allgemeine Meinung: Socken sind immer dann am besten, wenn man sie nicht sieht und nicht spürt.

Das Interview führte Frank Joung.

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
taglöhner 12.02.2016
1. Quantensprung
Keine Socken, auch nicht Falke, keine Schmerzen mehr. Marathon.
d-c-r 12.02.2016
2. Der letzte Satz...
hat mich gerettet. Also wie bisher einfach abends zum Laufen die Bürosocken dranlassen.
nym3tharo 12.02.2016
3. Ergänzungstipp: Hausschuhsocken
Seit Erwerb eines kl. Trampolins benutze ich sie endlich, nicht nur dafür. An den Sohlen haben sie rutschsichere Noppen, sodass sie auch für andere Fitness-Übungen gut geeignet sind... Das Laufen darin - nur zuhause - kommt dem Barfußlaufen recht nahe, ist somit förderlicher für die Füße als Pantoffeln... Das Interview ist interessant - Danke dafür!
Susi Sorglos 12.02.2016
4. Klingt ja überzeugend.
Leider habe ich in den letzten 25 Jahren keinen Strumpf dieser Firma erleben dürfen, der für humanoide Füße gefertigt wurde und länger als 1 x Tragen lebte. Ist der Bericht vielleicht paid content ? So als Reanimation eines sauerländischen Betriebes ?
curulin 12.02.2016
5.
Ein Product Manager bei einem großen deutschen Sockenhersteller empfiehlt also Socken. Zufälle gibt's...
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