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Tierernährung: "Katzen vegan zu ernähren, lehne ich ab"

Katze: Die Haustiere haben eine viel stärkere Nahrungsprägung als Hunde - deshalb sollten Katzen nicht fleischlos ernährt werden Zur Großansicht
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Katze: Die Haustiere haben eine viel stärkere Nahrungsprägung als Hunde - deshalb sollten Katzen nicht fleischlos ernährt werden

Kann man Hunde und Katzen fleischlos ernähren? Und worauf sollte man dabei achten? Die Fachtierärztin Ellen Kienzle, erklärt, welche Gefahren ein Leben ohne Fleisch für Haustiere birgt - und wie man diese vermeidet.

ZUR PERSON
Ellen Kienzle ist Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik am Lehrstuhl für Tierernährung der Ludwig-Maximilians-Universität München.
SPIEGEL ONLINE: Frau Kienzle, kann man seinen Hund fleischlos ernähren?

Kienzle: Eine ovo-lacto-vegetarische Ernährung beim Hund ist an für sich möglich. Aber ich empfehle jedem Hundehalter dringend, das nur unter fachtierärztlicher Aufsicht zu machen. Es gibt immer wieder Probleme, wenn die Leute die Hundenahrung selbst zusammenstellen. Da ist es eigentlich egal, ob sie rohes Fleisch füttern oder vegetarische Kost - die Leute unterschätzen häufig den hohen Kalziumbedarf. Hunde verwerten Kalzium in der Nahrung viel schlechter als wir.

SPIEGEL ONLINE: Wie äußert sich der Kalziummangel beim Hund?

Kienzle: Er bekommt Skeletterkrankungen zum Beispiel brüchige Knochen, das kann sich innerhalb von zwei Jahren manifestieren. Beim Welpen kann das in wenigen Wochen passieren. Leider kann man einen Kalziummangel im Blutbild nicht rechtzeitig erkennen. Man bemerkt den Mangel also erst, wenn es zu spät ist. Einen besonders hohen Kalziumbedarf haben trächtige Hündinnen und vor allem Welpen, die schnell an Masse zulegen. In solchen Fällen rate ich dringend zu einer fachtierärztlichen Ernährungsberatung.

TIER-ERNÄHRUNGSBERATUNG
Der Lehrstuhl für Tierernährung und Diätetik der Ludwig-Maximilians-Universität München bietet Hunde- und Katzenhaltern eine Ernährungsberatung.
  • Tierbesitzer können einen Fragebogen ausfüllen und erhalten ein Gutachten und Rezept für einen individuellen Ernährungsplan ihres Tieres.
Die Kosten für eine Ernährungsberatung betragen zwischen 60 und 120 Euro zuzüglich Mehrwertsteuern.

SPIEGEL ONLINE: Reicht es dann nicht, einfach mehr Eier und Milchprodukte zu füttern?

Kienzle: Nein, das reicht nicht. Sie müssen extra Kalziumpräparate zufüttern. Kalktabletten aus der Humanmedizin eignen sich dafür übrigens nicht, die sind viel zu niedrig dosiert.

SPIEGEL ONLINE: Können Hundehalter nicht einfach auf vegetarische Fertigfuttermischungen zurückgreifen, um sicherzustellen, dass es dem Hund an nichts mangelt?

Kienzle: Darauf würde ich mich nicht verlassen. Diejenigen vegetarischen Futtermischungen, die es auf dem Markt gibt, kommen in der Regel von Anbietern, denen es an Sachverstand fehlt. Übrigens hat die Stiftung Warentest vor kurzem Katzenfutter getestet und in einem veganen Futter für Hunde und Katzen Hühnerbestandteile gefunden.

SPIEGEL ONLINE: Hunde vegetarisch zu ernähren, ist also möglich. Wie sieht es mit veganer Ernährung aus?

Kienzle: Wenn es unbedingt sein muss, kann man das beim erwachsenen Hund machen - unter den genannten Vorbehalten. Aber bei trächtigen oder Milch gebenden Hündinnen und bei Welpen ist vegane Ernährung nicht in Ordnung.

SPIEGEL ONLINE: Akzeptiert der Hund die Umstellung auf fleischlose Kost denn überhaupt so einfach?

Kienzle: Es kann sein, dass der Hund das neue Futter erst einmal nicht annimmt. Aber in der Regel kann man ihn dazu bringen, indem man ihn hungern lässt. Empfehlen würde ich das nicht. Ob das für einen Veganer ethisch vertretbar ist, muss er selbst wissen.

SPIEGEL ONLINE: Ich habe gehört, dass man bei veganer Ernährung zwei Stoffe unbedingt zufüttern muss: L-Carnitin und Taurin. Stimmt das?

Kienzle: Das kann man so pauschal zwar nicht sagen - es kommt einerseits auf die Hunderasse, andererseits auf die individuelle Ernährung an. Aber bei veganer Ernährung kann es nicht schaden, beide Stoffe zuzufüttern, denn bei einer Unterversorgung drohen dem Tier Herzmuskelerkrankungen.

SPIEGEL ONLINE: Leute, die ihre Hunde vegan ernähren, behaupten immer wieder, dass ihre Tiere davon gesundheitlich profitieren. Können Sie das bestätigen?

Kienzle: So pauschal gesagt halte ich das für sehr fraglich. Das gleiche behaupten übrigens die Rohfleischfütterer auch von ihren Hunden. Wir kennen bei Hunden und Pferden sehr starke Placeboeffekte, einfach weil das Tier mehr Aufmerksamkeit von seinem Halter bekommt. Aber natürlich kann es im Einzelfall immer sein, dass ein Hund mit einer Allergie oder Hautkrankheit beispielsweise von einer Ernährungsumstellung profitiert.

SPIEGEL ONLINE: Kann man Katzen vegan ernähren?

Kienzle: Hunde sind seit etwa 20.000 Jahren domestiziert und haben sich von ihrer Ernährung und ihrem Stoffwechsel an den Menschen angepasst. Hunde sind wesentlich flexibler in ihrer Ernährung als Katzen, die während der Domestizierung ja weiterhin Mäuse gefressen haben - deswegen wurden sie ja vom Menschen gehalten. Der Stoffwechsel der Katze ist außerdem noch nicht so gut erforscht wie der des Hundes. Katzen vegan zu ernähren, lehne ich daher ab, auch eine ovo-lactovegetarische Ernährung ist viel kritischer zu sehen als beim Hund. Es ist zudem schwieriger eine Katze umzustellen, weil sie eine starke Nahrungsprägung hat. Bei ihr funktioniert es nicht, sie hungern zu lassen. Sie würde sterben.

SPIEGEL ONLINE: Wie sehen Sie die vegane Ernährung von fleischfressenden Haustieren generell?

Kienzle: Ich finde es fragwürdig, dass Veganer überhaupt Fleischfresser als Haustiere halten. Das Tier dient ja zu ihrer Unterhaltung, das allein ist schon egoistisch. Dann sollte man wenigstens seine Bedürfnisse respektieren. Es muss ja nicht unbedingt ein fleischfressendes Haustier sein. Man kann ja auch ein Kaninchen oder ein kleines Hausschwein halten. Das sind sehr lustige und liebevolle Gefährten.

Das Interview führte Jens Lubbadeh.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 106 Beiträge
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1. Ein kleines Hausschwein?
twister-at 02.05.2014
Die Dame kennt aber schon die Regelungen für Tierhaltung in Mietwohnungen usw?
2. als Vegetarier No
benjidagecko 02.05.2014
Fuer mich als Vegetarier kommt eine Fleischlose ernährung der Katze die mit mir zusmmenlebt nicht in frage. Ich muss das Tier so akzeptieren wie es ist, wie ich auch andere Menschen akzeptiere. Natuerlich waere es wuenschenswert wenn sie nur an altersschwäche gestorbene Tiere essen wuerde. Wie soll man soviel Verstand von einer Katze erwarten den nichtmal 80% der Menschen aufbringen^^
3. Ernährung von Mensch und Tier
nomade 02.05.2014
Ich habe mich als Siebenjähriger entschieden keine Tiere zu essen, was ich nicht immer 100 %ig durchhalten konnte. Mir scheint es, dass Fleischesser weniger lang leben und mehr Krankheiten haben als Vegetarier. Meinem Hund und meiner Katze verfüttere ich Fleischnahrung mit schlechtem Gewissen gegenüber den Nutztieren und Ihrem qualvollen Ende (Transport in die Schlachthöfe und Behandlung). Die Bemerkung über Haustiere zur Unterhaltung finde ich nicht ganz korrekt. Menschen die ein Tier nur zu ihrer Unterhaltung/Belustigung halten sind keine echten Tierfreunde. Sie werden dieses Tier bei Gelegenheit wieder verkaufen/aussetzen. Ein Tier sollte ein Gefährte sein für den man auch Unangenehmes in Kauf nimmt, den man nicht einfach verlässt, wenn man neue Lebensmöglichkeiten entdeckt.
4. optional
ice-fly 02.05.2014
"Man kann ja auch ein Kaninchen oder ein kleines Hausschwein halten. Das sind sehr lustige und liebevolle Gefährten." Man muss ja nicht erwarten, dass eine Fachexpertin Ahnung ausserhalb ihres Fachgebietes hat, aber dass sie dann auch noch tierschutzrelevante "Tipps" von sich gibt .. wie seriös wird hier eigentlich recherchiert, dass sowas unkommentiert publiziert wird ? Einzelhaltung von Kaninchen ist Tierquälerei, genauso die von Schweinen. Und artgerechte Haltung von Schweinen findet nur im Aussenbereich statt. Wie man auf die Idee kommt, ein "kleines" Hausschwein (100 kg statt Normales Schlachtgewicht, oder wie ?) als Alternativ-Haustier zu Hund und Katz zu empfehlen, ist mir auch schleierhaft. Und was die vegane Ernährung von Hunden angeht : klar empfehlen Tierärzte das, bringt ihnen ja Geld ein, wenn sie regelmässig Blut zapfen und die Schäden auskurieren dürfen. Zum Glück gibt es auch noch seriöse Tierärzte, die verstanden haben, dass der hundische Organismus mit rein pflanzlicher Ernährung zu stark belastet wird und deshalb dem Tier zu liebe abraten.
5. optional
CompressorBoy 02.05.2014
Fleischfressende Haustiere vegan ernähren zu wollen - da kommt mal wieder Einsteins Bonmot zum Tragen, dass die menschliche Dummheit wohl grenzenlos ist...
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