Vegetarische und vegane Ernährung Wurst-Ersatz enthält viel Salz

Sind vegane oder vegetarische Produkte gesünder? Verbraucherschützer wecken Zweifel: In einigen Lebensmitteln fanden sie viel Salz und mehr Zusatzstoffe als in Wurst und Fleisch.

Vegane Lebensmittel im Supermarkt
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Vegane Lebensmittel im Supermarkt


Die Kennzeichnung verwirrt, und gesund sind sie nicht unbedingt: Viele vegetarische und vegane Ersatzprodukte weisen nach Angaben von Verbraucherschützern Mängel auf. Bundesweit haben die Verbraucherzentralen für eine Untersuchung rund 100 Fleisch- und Wurstersatzprodukte sowie rund 30 Milchalternativen geprüft.

Viele Verbraucher kauften Getreidebratlinge oder Sojaeis vermutlich in der Hoffnung, dass sie gesünder als herkömmliche Produkte sind, berichtet die Verbraucherzentrale Hamburg. Bei den Nährwerten zeigten sich aber große Unterschiede:

  • So seien Ersatzprodukte für Wurst und Fleisch zwar durchschnittlich kalorienärmer und enthalten weniger gesättigte Fette.
  • Dafür enthalten jedoch 80 Prozent der Lebensmittel zu viel Salz.
  • Außerdem enthalten einige Ersatzprodukte bis zu acht Zusatzstoffe - und damit zum Teil mehr als das Originalprodukt.

Als Grundlage für die Bewertung dienten den Verbraucherschützern die Grenzwerte der Lebensmittelampel. Danach gilt ein Salzgehalt bis 0,3 Gramm pro 100 Gramm Lebensmittel als gering, 0,3 bis 1,5 als mittel und mehr als 1,5 Gramm als zu hoch. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt als Orientierungswert, nicht mehr als 6 Gramm Salz pro Tag aufzunehmen - das sind in etwa ein Teelöffel. Ob ein geringer Salzkonsum hilft, das Risiko von Herzkreislaufkrankheiten zu senken, ist unter Forschern umstritten.

Ersatzprodukte für Quark und Frischkäse ähneln dem Original

Zu einem besseren Ergebnis kam die Verbraucherzentrale in ihrer Bewertung beim veganen Ersatz für Milch und Milchprodukte. So hatte Quarkersatz im Test überwiegend ähnliche Nährwerte wie das Original mit zwei oder fünf Gramm Fett pro 100 Gramm. Lediglich ein untersuchtes Produkt auf der Basis von Kokosfett hatte mit 19 Prozent einen deutlich höheren Fettanteil.

Auch Frischkäse-Ersatzprodukte haben ähnliche Nährwerte wie vergleichbare Produkte auf Milchbasis.

Bei Joghurt schwankt der Nährwert mitunter stark. Joghurts auf Sojabasis enthalten meist ähnlich viel und Fett wie ein fettarmer Joghurt (etwa 2,3 Prozent), sind aber nicht ganz so stark gezuckert, berichtet die Verbraucherzentrale. Auch der Gehalt an gesättigten Fettsäuren ist generell geringer. Insgesamt kommen Original und veganer Ersatz auf einen ähnlichen Kalorienwert.

Dagegen liefern Joghurt-Alternativen auf Kokos- oder Lupinenbasis deutlich mehr Energie. So liegt der natürliche Fettgehalt von Joghurt bei 3,8 Prozent. Der Joghurt auf Kokosbasis lag im Test dagegen bei 11,5 Prozent.

Unübersichtliche Kennzeichnung

Beim Eis kann sich der Griff zum veganen Ersatz dagegen lohnen, wenn man Kalorien sparen möchte. Varianten aus Soja und Lupinen enthalten etwa 50 Prozent weniger Fett als ein klassisches Vanilleeis, ansonsten unterscheiden sich die Nährwerte kaum. Veganes Schokoeis aus Soja hat dagegen ähnlich viele Kalorien wie die Milcheisversion.

Neben teils unerwarteten Nährwertgehalten von Ersatzprodukten kritisieren die Verbraucherschützer auch die Kennzeichnung vieler Produkte. Nur etwa die Hälfte der getesteten Produkte sei klar als "vegetarisch" oder "vegan" benannt worden, so die Verbraucherzentrale. Stattdessen tauchten immer wieder nicht definierte Begriffe wie "pflanzlich" und "veggie" auf. Auch bei veganen und vegetarischen Produkten lohnt sich demnach der genaue Blick auf die Zutatenliste.

Auch die Vielfalt verwendeter Siegel fanden die Verbraucherzentralen verwirrend: Von den rund 130 getesteten Produkten trugen 31 das Vegetarisch- und 47 das Vegan-Siegel der Initiative ProVeg (ehemals Vegetarierbund Deutschland). Die Vegan-Blume der Vegan Society war auf 20 Produkten zu finden, hinzu kamen mehr als 15 weitere Symbole.

jme/dpa



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