Fleischkonsum Nur vier Prozent der Menschen in Deutschland leben vegetarisch

Die meisten Menschen in Deutschland essen deutlich mehr Fleisch, als ihrer Gesundheit guttut. Das zeigt eine Studie des Robert Koch-Instituts. Vegetarier gibt es nur wenige.

Vegetarische Lebensmittel
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Vegetarische Lebensmittel


Gut vier von hundert Erwachsenen in Deutschland ernähren sich gewöhnlich vegetarisch, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI). Demnach neigen Frauen eher dazu, auf Fleisch zu verzichten. Unter ihnen sind 6,1 Prozent Vegetarierinnen, bei den Männern sind es lediglich 2,5 Prozent.

"Die Möglichkeiten, sich ausgewogen vegetarisch zu ernähren, haben sich in Deutschland in den letzten Jahren deutlich verbessert", schreiben die Studienautoren. "Vegetarierinnen und Vegetarier sind heute mehr als eine idealistische Minderheit."

Die 18- bis 29-Jährigen als Vorreiter

Für die Auswertung nutzten die RKI-Forscher Daten von 6933 Menschen, deren Essverhalten zwischen 2008 und 2011 analysiert worden war. Dabei wurde jeweils über vier Wochen erfasst, welche Lebensmittel die Teilnehmer wie häufig und in welchen Mengen verzehrten.

Am größten ist der Anteil der Vegetarier demnach in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen. Bei ihnen verzichtet fast jede zehnte Frau (9,2 Prozent) auf Fleisch, bei den Männern in der Altersgruppe ist es immerhin jeder 20. (5 Prozent). Das Ergebnis deckt sich mit einer bento-Umfrage aus dem Jahr 2015, laut der sich sieben Prozent der 18- bis 30-Jährigen als Vegetarier bezeichnen.

Auch mit zunehmendem Bildungsstand steigt der RKI-Studie zufolge der Anteil der Vegetarier. "Gleiches gilt für Personen, die in Großstädten leben und für Menschen, die mehr als vier Stunden pro Woche Sport treiben", schreiben die Forscher im "Journal of Health Monitoring". Vegetarier konsumieren demnach auch weniger kalorienreduzierte Getränke, Bier und Wein sowie mehr Tee, Obst und Gemüse.

Deutschland: Die meisten essen noch zu viel Fleisch

Der durchschnittliche Fleischkonsum in Deutschland liegt erheblich über der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Aus gesundheitlicher Sicht sollte man sich in der Woche eigentlich mit 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst begnügen, was rund 16 bis 31 Kilogramm pro Jahr entspricht. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Fleischwarenindustrie isst der durchschnittliche Deutsche aber gut 60 Kilo Fleisch pro Jahr.

Ein häufigerer Verzicht auf Fleisch würde auch die Umwelt schonen und die Massentierhaltung reduzieren, schreiben die Forscher. "Diese positiven Effekte würden weiter verstärkt, wenn neben der relativ kleinen Gruppe der Menschen, die ganz auf Fleisch verzichten, eine insgesamt größere Bevölkerungsgruppe ihren Fleischkonsum reduzieren würde."

irb/dpa



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