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Vegetarische Ernährung: So werden Kinder fleischlos glücklich

Von Katrin Neubauer

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Kochen mit Kindern: Auf die Zufuhr bestimmter Stoffe achten

Gehört Fleisch bei Kindern unbedingt auf den Teller? Nein, sagen Experten. Doch eine vegetarische und vor allem vegane Ernährung kann zu gefährlichen Mangelerscheinungen führen. Eltern sollten deshalb besonders auf bestimmte Vitamine und Spurenelemente achten.

Wenn Erwachsene sich gegen Fleisch und Fisch entscheiden, ist das ihre Sache. Aber geht das auch in Ordnung für die Gesundheit ihrer Kinder? Fakt ist, dass in pflanzlicher Kost viel Gutes steckt: Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Gleichzeitig sind gesättigte Fettsäuren und Cholesterin - Ausgangsübel verschiedener Zivilisationskrankheiten - fast gar nicht vertreten. Es mag also kaum wundern, dass Vegetarier seltener an Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhten Blutfettwerten leiden und folglich weniger anfällig für Typ-2-Diabetes und Herzkrankheiten sind.

Wer komplett auf tierische Lebensmittel verzichtet, muss Eiweiß, bestimmte Vitamine und Spurenelemente ausreichend ersetzen. Besonders für die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern sind diese Stoffe wesentlich. Zu den sogenannten kritischen Nährstoffen zählen Vitamin B12, Eisen, Zink und Omega-3-Fettsäuren.

Die wichtigsten Ernährungsstile
"Eine vegetarische Kost mit Milch und Eiern ist auch im Kindesalter kaum problematisch", sagt Martin Claßen, Kindergastroenterologe an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Links der Weser in Bremen. Doch eine rein pflanzliche Ernährung sieht er kritisch: "Kinder haben pro Kilogramm Körpergewicht einen erhöhten Bedarf an Eisen und Vitamin B12. Zu wenig davon kann die kognitive Entwicklung beeinträchtigen."

Nicht nur weglassen, sondern auch ersetzen

Worauf sollten Eltern also achten, die ihre Kinder fleischlos ernähren wollen?

"Vegetarier sein, heißt nicht einfach Fleisch und tierische Produkte wegzulassen, sondern diese durch eine ausgewogene pflanzliche Kost zu ersetzen", sagt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die Ernährungsumstellung sei für Erwachsene wie Kinder ein Gewinn, solange die Versorgung mit bestimmten Nährstoffen sichergestellt sei.

Laut Restemeyer decken Mischkostler ihren Eiweiß- und Energiebedarf durch Fleisch und Wurst - meist im Übermaß. Eine vegetarische Ernährung werde daher als Dauerkost für Kinder sogar empfohlen. Für Vegetarier seien Milchprodukte, Eier, Hülsenfrüchte, Getreide und Nüsse gute Quellen für essentielle Aminosäuren. Diese sorgen im Körper unter anderem für die Bildung von Muskelmasse, Enzymen, Hormonen und Antikörpern.

Problematischer ist jedoch die Versorgung mit verschiedenen Nährstoffen bei Veganern, die etwa ein Zehntel der rund sechs Millionen Vegetarier in Deutschland ausmachen. Insbesondere die Zufuhr von Vitamin B12 (Cobalamin) ist kritisch, da es fast ausschließlich in Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten und in geringeren Mengen in Milchprodukten steckt.

Das Vitamin ist für die Zellteilung sowie für die Blutbildung und Funktion des Nervensystems essentiell. Laut DGE haben in Deutschland bis zu 83 Prozent der Veganer und 65 Prozent der erwachsenen Lacto-Ovo-Vegetarier, die keine Vitamin-B12-Ergänzungsmittel nehmen, einen Cobalamin-Mangel.

Gefährlich wird dieser für Kinder dann, wenn Veganerinnen voll stillen und ihren eigenen Mangel über die Muttermilch weiterreichen: Bei diesen Babys seien irreversible neurologische Störungen, eine verzögerte körperliche Entwicklung sowie eine veränderte Blutbildung festgestellt worden, warnt die DGE. "Bereits im Alter von vier bis sechs Monaten entwickelten Kinder von Veganerinnen, die sich nur drei Jahre rein pflanzlich ernährt hatten, einen Vitamin-B12-Mangel", heißt es. Experten empfehlen Veganern deshalb Vitamin-B12-Präparate zu nehmen oder Lebensmittel zu wählen, die damit angereichert sind.

Pflanzliches Eiweiß genügt

Weniger kritisch ist bei Veganern die Eiweißzufuhr: Zwar hätten einzelne pflanzliche Proteine meist "eine niedrigere biologische Wertigkeit als tierisches Eiweiß", sagt Markus Keller, Leiter der Abteilung Wissenschaft und Forschung des Verbands Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB). Aber wer über den Tag verteilt pflanzliche Proteinträger wie Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse, oder pflanzliche Milchalternativen kombiniere, könne seinen Eiweißbedarf ausreichend decken. Laut Keller kommt ein Proteinmangel in Industrieländern praktisch nicht vor - auch nicht bei vegan ernährten Kindern.

Dafür sollten vegetarische Eltern bei ihrem Nachwuchs auf eine ausreichende Aufnahme der Spurenelemente Zink und Eisen achten. Sie sind vor allem in Vollgetreide, Hülsenfrüchten, Ölsaaten und Nüssen vorhanden. Auch einzelne Gemüse, wie Fenchel und Feldsalat enthalten Eisen. Zwar ist pflanzliches Eisen weniger gut verwertbar als tierisches. In Verbindung mit einem Vitamin-C-haltigen Saft kann es der Körper aber besser aufnehmen.

Anfällig sind Vegetarier zudem für Zinkmangel, weil in pflanzlicher Nahrung viel Phytinsäure enthalten ist. Diese geht mit Zink unlösbare Verbindungen ein, so dass die Aufnahmefähigkeit für das Spurenelement sinkt. Zink übernimmt wichtige Funktionen im Stoffwechsel und Immunsystem. Auch hier raten Experten im Zweifel zu Ergänzungsstoffen.

Um auf Nummer sicher zu gehen, empfehlen Ärzte und Ernährungswissenschaftler, das Blut vegetarisch ernährter Kinder jährlich prüfen zu lassen. Bei einem festgestellten Mangel, so Keller, könnten Nahrungsergänzungsmitteln kurzfristig sinnvoll sein.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 171 Beiträge
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1. optional
osis1980 30.12.2013
Erinnert mich ande Kollegen der nach veganer Fehlernährung und Sport seinen Zusammenbruch hatte. Und es gibt halt essentielle Fettsäuren die ein Lebewesen mit Allesfressergebiss nicht selbst für den Muskelaufbau bilden kann.
2. toll
Hoschi101 30.12.2013
man verzichte auf Fleisch und nehme stattdessen Chemie? Das klingt ja so richtig toll.
3. Doppelmoral
polarwolf14 30.12.2013
'Experten' sagen das also. Ja genau, wie die Klimaexperten, nicht weiter ernst zu nehmen. Mangelerscheinungen bei veganer Ernährung. .. wen wundert das? Um dann (mit einem erlogenen guten Gewissen) Zusatzprodukte zu kaufen. Wie schwach. Der menschliche Körper ist auf Fleisch ausgelegt. u.a . An die Kritiker: Versuchen sie mal einen Löwen/Tiger/ zu vegetarisieren, viel Erfolg.
4. vor allem
rueckenschwimmer 30.12.2013
sollten eltern ihre glaubenssätze nicht auf ihre kinder übertragen. das gilt für den katholizismus, wie für veganer - auch der grad der irrationalität ist bei beiden glaubensrichtungen ähnlich hoch. :) am besten ist der schlussatz: zitat:bei einem festgestellten mangel, so keller, könnten nahrungsergänzungsmittel kurzfristig sinnvoll sein - zitatende - schon fahrlässig. vielleicht sollte man den eltern einfach raten, ihre sprösslinge eben nicht vegan zu ernähren, dann treten auch keine mangelerscheinungen auf.
5. auch Soja ist nicht immer gesund...
spon-facebook-10000140154 30.12.2013
Zitat von sysopCorbisGehört Fleisch bei Kindern unbedingt auf den Teller? Nein, sagen Experten. Doch eine vegetarische und vor allem vegane Ernährung kann zu gefährlichen Mangelerscheinungen führen. Eltern sollten deshalb besonders auf bestimmte Vitamine und Spurenelemente achten. Vegetarismus kann bei Kinder zu Mangelerscheinungen führen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/vegetarismus-kann-bei-kinder-zu-mangelerscheinungen-fuehren-a-938216.html)
besonders bei den sogenannten Fleischersatzprodukten wie Soja sollte man wissen, dass der Markt von den USA mit genmanipuliertem Soja dominiert wird. Was daran so gesund sein soll erschließt sich mir nicht. Aber viele hecheln halt immer dem Trend hinterher und der geht in unserer übersättigten Wohlstandsgesellschaft weg vom Fleisch. Den anderen Ländern - besonders in der 3. Welt -kann das nur recht sein......
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Zur Autorin
  • Katrin Neubauer
    Katrin Neubauer hat in Deutschland und den USA Lateinamerikanistik und Journalismus studiert. Sie arbeitet als freie Redakteurin in Berlin.

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