Im Körper eines Fußballers Innere Organe

Die Muskeln, das Hirn, die Lunge, alle bringen Höchstleistungen, während die Spieler grätschen und stürmen. Und die inneren Organe, der Darm, die Blase? Wechseln in den Energiesparmodus.

Muss sich der Körper extrem anstrengen, schickt er fast alles Blut zu den Muskeln. Die Durchblutung der inneren Organe sinkt.
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Muss sich der Körper extrem anstrengen, schickt er fast alles Blut zu den Muskeln. Die Durchblutung der inneren Organe sinkt.

Von und (Grafiken)




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Gut zu wissen

Kampf oder Flucht?

So komplex unser Nervensystem auch ist, es lässt sich leicht in zwei einfache Zustände einteilen: Den Ruhezustand, in dem der Parasympatikus regiert, die Atmung entspannt und der Stoffwechsel Reserven anlegt. Und die Kampf-oder-Flucht-Reaktion, bei der der Sympatikus die Herrschaft über das Nervensystem übernimmt. Er konzentriert einen Großteil der Energie auf die Muskeln - und vieles, was sich im Bauchraum befindet, wechselt in den Energiesparmodus.


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Im Spiel

Verdauungspause

Pipi? Später! Der Sympatikus bremst die Harnausscheidung, schließlich schwitzt der Fußballer schon wichtige Flüssigkeit aus, um seine Körpertemperatur im Lot zu halten. Durch die brasilianische Schwüle steigt diese auch ohne starke Anstrengung an, hinzu kommt die Hitze der arbeitenden Skelettmuskeln: Durch die Bewegung kann ihre Temperatur von 34 Grad auf bis zu 41 Grad in die Höhe klettern.

Daneben klaubt der Körper seine Flüssigkeit zusammen, um sich auf eine eventuell drohende Blutung vorzubereiten - wer weiß schon, was passieren wird? Eine Platzwunde, wie sie Thomas Müller im Spiel gegen Ghana davontrug, ist in dieser Planung wohl das kleinere Übel. Auch die Verdauung und der Sexualtrieb stocken mit dem Sympathikus. Auf der Flucht sollte auch die schönste Frau nicht ablenken. Genausowenig wie beim Weg zum Tor.


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Nach dem Spiel

Schutz fürs Immunsystem

Ruhe bitte! Der Blutdruck sinkt, die Verdauung nimmt wieder ihre Arbeit auf und die Muskeln bekommen einen Teil des Blutes abgezwackt. Pausen wie diese sind extrem wichtig. Wer sehr lange nur seinen Sympathikus fordert und Dauerstress erlebt, schadet seiner Verdauung, unterdrückt sein Immunsystem und riskiert dadurch Infekte. Das kann auch Profifußballer treffen.

Es sei denkbar, dass bei unzureichender Regeneration und weiteren ungünstigen Faktoren wie Schlafdefizit, Reisestrapazen und Wettkampfstress ein erhöhtes Infektionsrisiko bestehe, schrieb der Mannschaftsarzt der Nationalelf, Wilfried Kindermann, 2006 im Deutschen Ärzteblatt. Vielleicht war auch der Stress ein Grund für die Erkältungswelle im deutschen Camp. Vor dem Viertelfinale der deutschen Elf gegen Frankreich mussten gleich sieben deutsche Spieler mit einer Schniefnase und anderen Erkältungsproblemen das Bett hüten.



Hauptquellen: "Sportphysiologie" von Horst de Merées, erschienen im Sportverlag Strauß; "Sportmedizin" von Peter Markworth, erschienen bei der Nikol Verlagsgemeinschaft und "Anatomie und Physiologie" von Gerald Tortora und Bryan Derrickson, erschienen bei Wiley-VCH.




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