Versteckte Zusatzstoffe: Erkennen, was im Essen steckt

Von Julia Merlot

Kaum jemand traut mehr den Angaben auf Lebensmittelverpackungen - zu Recht. Mit irreführenden Bezeichnungen versucht die Industrie, künstlich aufgepeppte Lebensmittel als Naturprodukte zu verkaufen. Eine Übersicht der typischen Slogans und ihrer Bedeutung.

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Supermarkteinkauf: Viele Versprechen, viele Siegel

Das Vertrauen in die Lebensmittelindustrie schwindet: Drei Viertel der Verbraucher haben das Gefühl, dass die Angaben auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen oft geschönt sind und nicht dem Inhalt entsprechen. Zu diesem Ergebnis kam eine von den Verbraucherzentralen in Auftrag gegebene, repräsentative Studie. Die Skepsis ist in vielen Fällen berechtigt.

Häufig wirbt die Industrie mit dem, was nicht in ihren Produkten enthalten sein soll. Dabei versucht sie mitunter, dem Verbraucher künstlich aufgepeppte Lebensmittel als gesunde Naturprodukte unterzujubeln. Nur wer die Zutatenliste genau studiert, kann sich vor Mogeleien schützen. Eine Übersicht der typischen Slogans und ihrer Bedeutung:

Frei von Geschmacksverstärkern

Seit Glutamat ins Gerede gekommen ist, werben Lebensmittelhersteller vermehrt mit Aufdrucken wie "ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe" oder "ohne den Zusatzstoff Glutamat". Frei von Glutamat müssen diese Lebensmittel laut Gesetz aber nicht sein.

Statt den Geschmacksverstärker als Zusatzstoff mit E-Nummer anzugeben, mischen die Hersteller Glutamat in Form von Hefeextrakt, Brühe, Sojaprotein oder Tomatenpulver in ihre Produkte. Alternativ versteckt sich der Stoff getarnt als Würze oder Aroma in der Zutatenliste. Namentlich muss er dann nicht mehr genannt werden. Der Verbraucher hat kaum eine Chance, den Zusatz des Geschmacksverstärkers zu erkennen - es sei denn, er achtet in der Zutatenliste auch auf Hefeextrakt und Co.

Frei von Farbstoffen

Die meisten verarbeiteten Lebensmittel werden optisch aufgehübscht. Auch Angaben wie "ohne Farbstoffe", "ohne färbende Zusatzstoffe" oder "ohne künstliche Farbstoffe" können nicht davor schützen, solche Produkte zu kaufen. Die Lebensmittel dürfen trotzdem Zutaten enthalten, die ihre Farbe verändern. Diese müssen allerdings natürlichen Ursprungs sein. So wird etwa Rote-Beete-Saft genutzt, um einen höheren Fruchtgehalt im Kirschjoghurt vorzutäuschen.

Auch Lebensmittel "ohne künstliche Farbstoffe" sind meist - anders als die Bezeichnung vermuten ließe - mit Farben aus dem Labor gefärbt. Als künstliche Farbstoffe betrachten die Hersteller nur Stoffe, die nicht in der Natur vorkommen. Alle anderen Farben gelten als natürlich, auch wenn sie im Labor produziert wurden. Allerdings zeigt der Slogan "ohne künstliche Farbstoffe" meist an, dass keine umstrittenen Azofarbstoffe enthalten sind.

Frei von Aromen

Stark verarbeitete Lebensmittel besitzen selten noch ihre natürliche Farbe. Das liegt auch daran, dass der Geschmack meist nicht von den Rohstoffen stammt, aus denen sie vermeintlich hergestellt wurden. Statt Früchten oder echtem Fleisch nutzt die Industrie mitunter Aromen, zum Teil auch wenn die Lebensmitteln mit dem Aufdruck "ohne Aromen" oder "ohne künstliche Aromen" beworben werden.

Lebensmittel "ohne Aromen" dürfen mit Gewürzextrakten oder Geschmacksverstärkern verfeinert werden. Als künstliche Aromen gelten nur Stoffe, die es in der Natur nicht gibt. Im Labor produzierte Geschmacksstoffe, die auch natürlich vorkommen, sind in Produkten "ohne künstliche Aromen" erlaubt. Dazu zählen beispielsweise Vanillin, das aus dem Holzabfallprodukt Lignin gewonnen wird, aus Zedernholz gewonnenes Himbeeraroma oder Pfirsicharoma aus Schimmelpilzen.

Frei von Konservierungsstoffen

Ohne Konservierungsstoffe kommt heute kaum ein verarbeitetes Lebensmittel aus, das länger als ein paar Tage halten soll. Aufdrucken wie "ohne Konservierungsmittel", "ohne Konservierungsstoffe" und "ohne Zusatz von Konservierungsstoffen" bedeuten lediglich, dass keine von der EU als konservierender Zusatzstoff deklarierte Substanz eingesetzt wurde.

Andere Zusatzstoffe, die ebenfalls konservierende Wirkung haben, wie Säuerungsmittel - beispielsweise Essigsäure (E260) - oder Antioxidationsmittel sind erlaubt. Alternativ verwenden die Hersteller Frucht- oder Gewürzextrakte, Senf, Essig oder Zucker, um die Haltbarkeit zu verlängern. Diese Zutaten können Zusatzstoffe ersetzen. Für welche Variante sich der jeweilige Hersteller entschieden hat, verrät die klein gedruckte Zutatenliste.

Irreführende Phantasienamen

Bei der Produktbezeichnung ist nahezu alles erlaubt. So kann es passieren, dass ein "Eintopf mit Gemüse" praktisch kein Gemüse enthält. Beliebt ist auch "Ziegenkäse", der zum Großteil aus Kuhmilch hergestellt wird oder "Geflügelwurst", die fast zur Hälfte Schweinefleisch enthält. Auch Phantasienamen, die beispielsweise vollen Fruchtgehalt versprechen, sollen zum Kauf locken.

Nur, wer genau hinschaut, stellt fest, dass es sich bei solchen Versprechen in der Regel um Mogelpackungen handelt. Davor schützt die Suche nach der Verkehrsbezeichnung eines Lebensmittels - oft versteckt sie sich kleingedruckt auf der Rückseite -, gemeinsam mit der Zutatenliste. Die Verkehrsbezeichnungen muss auf verpackten Lebensmitteln stehen und soll unabhängig vom Phantasienahmen darüber informieren, was wirklich in der Verpackung steckt.

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insgesamt 74 Beiträge
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1. ... also Frau Aigner schätzt das aber..
KnutHB 08.07.2013
... Nicht so kritisch ein... Und Sie sollte doch wissen wovon sie spricht.... (Ohne Worte).
2. Im Zuge des allgemeinen ...
pk-1 08.07.2013
... Lebensmittelindustriebashings im feinen Passspiel mit Sommerloch und überhöhten Temperaturen im Büro darf jetzt wohl jeder irgendwelchen Unfug in die Welt setzen. Die Autorin scheint noch nie eine Küche von innen gesehen zu haben, ansonsten wäre sie mit dem zusetzen von Säften, Gewürzen, "Senf, Essig oder Zucker" als gängige Praxis vertraut. Vielleicht denkt sie auch, frische Tomaten müssten eigentlich mit dem Zusatz "Vorsicht - enthält Glutamat!" versehen sein. Viel Spaß macht es nicht, so etwas zu kommentieren, nur so viel: "Als künstliche Farbstoffe betrachten die Hersteller nur Stoffe, die nicht in der Natur vorkommen." oder "Als künstliche Aromen gelten nur Stoffe, die es in der Natur nicht gibt." Schlagen Sie doch bitte noch einmal nach, was das Wort "künstlich" bedeutet.
3. Als künstliche Farbstoffe betrachten die Hersteller...
Moonshine42 08.07.2013
Nicht die Hersteller legen fest, was wie auf der Verpackung deklariert werden muss und darf. So lange unser Verbraucherministerium solche Mogeleien erlaubt, wird sich da auch nichts ändern. Die Lobby der Lebensmittelindustrie lässt grüßen.
4. so ist es
cassandros 08.07.2013
Zitat von pk-1... "Als künstliche Farbstoffe betrachten die Hersteller nur Stoffe, die nicht in der Natur vorkommen." oder "Als künstliche Aromen gelten nur Stoffe, die es in der Natur nicht gibt."
Beide Definition sind *ak-ku-rat*. Vollkommen akkurat.
5.
glen13 08.07.2013
Zitat von sysopKaum jemand traut mehr den Angaben auf Lebensmittelverpackungen - zu Recht. Mit irreführenden Bezeichnungen versucht die Industrie, künstlich aufgepeppte Lebensmittel als Naturprodukte zu verkaufen. Eine Übersicht der typischen Slogans und ihrer Bedeutung. Versteckte Zusatzstoffe im Essen erkennen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/versteckte-zusatzstoffe-im-essen-erkennen-a-906992.html)
Dies alles steht seit langer Zeit und sehr ausführlich in allen Zeitungen. Also darf man davon ausgehen, dass unsere 10-Punkte Verbraucherministerin zu mindestens vage davon Kenntnis hat. Warum wohl werden keine Gesetze erlassen, um diese Schummeleien zu beenden? Warum macht sie einfach nicht ihren Job? Welches Arbeitsplatzrettungsargument wird nun hierfür angeführt?
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Zur Autorin
  • Julia Merlot studierte Wissenschaftsjournalismus und begeistert sich für Themen rund um Mensch und Tier. Sie ist Redakteurin im Ressort Wissenschaft von SPIEGEL ONLINE.