Bei Schnupfen schnell Vitamin C einschmeißen? Als Raucher prophylaktisch Vitamin A und Betacarotin schlucken? Noch immer haben Vitaminpräparate das Image "viel hilft viel". Zu Unrecht, wie eine aktuelle Studie erneut belegt: Demnach können Multivitaminpillen Männer auch nach jahrelangem Konsum nicht vor schweren Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Schlaganfällen oder Herzinfarkten schützen.
An der sogenannten Physicians Health Study II nahmen knapp 15.000 zufällig ausgewählte US-Ärzte im Alter von 50 Jahren und älter teil. Sie wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: Die erste Gruppe schluckte mehr als zehn Jahre lang täglich ein Multivitaminpräparat mit den Vitaminen E, C und Betacarotin und nahm damit mehr als 100 Prozent der empfohlenen Tagesdosis für diese Vitamine zu sich. Die zweite Gruppe bekam über den selben Zeitraum täglich nur ein Placebo-Präparat, ein Scheinmedikament ohne Wirkstoffe. Weder Ärzte noch Probanden wussten dabei, wer welche Pillen bekam - dieses Verfahren nennt man bei wissenschaftlichen Studien Doppelverblindung.
Vitamine ohne Einfluss auf die Lebensdauer
Durchschnittlich 11,2 Jahre lang befragten Wissenschaftler von der Harvard Medical School die Teilnehmer regelmäßig zu ihrem Gesundheitszustand. Ziel der Studie war es zu überprüfen, ob sich die Einnahme der Vitaminpillen auf die Häufigkeit von Schlaganfällen, Herzinfarkten und anderen - teilweise tödlichen - Herz-Kreislauf-Krankheiten auswirkt.
Das Ergebnis: Die Teilnehmer der Vitamin-Gruppe hatten bezüglich des Auftretens von Herz-Kreislauf-Krankheiten keinen Vorteil gegenüber der Placebo-Gruppe. In beiden Gruppen kam es gleich häufig zu Herzinfarkten, Schlaganfällen, Hirnblutungen, Herzversagen oder anderen Symptome wie etwa Angina Pectoris. Auch auf die gesamte Lebensdauer gesehen blieben die Vitamine ohne Einfluss.
Damit reiht sich die in der Fachzeitschrift "The Journal of the American Medical Association" publizierte Studie in eine wachsende Anzahl von Untersuchungen ein, die eine angenommene positive Wirkung von ergänzend eingenommenen Vitaminen widerlegen. Inzwischen mehren sich sogar Untersuchungen, die zeigen, dass manche Supplemente schwere Krankheiten fördern können. 2011 etwa erschien ebenfalls eine Studie im "Journal of the American Medical Association", deren Ergebnis schockierte: Männer, die regelmäßig Vitamin-E-Präparate einnehmen, leiden demnach häufiger unter Prostatakrebs.
Das Gros der Experten ist sich indes einig: Wer sich gesund und vollwertig ernährt, hat zusätzliche Vitamin- und Mineralpräparate nur in seltenen Ausnahmefällen nötig. Doch längst nicht jedem ist bewusst, welche Vitamine in welchen Nahrungsmitteln stecken und wie hoch die tägliche Dosis sein sollte. Wenn Ihnen das auch so geht, testen Sie Ihr Wissen in unserem SPIEGEL-ONLINE-Ernährungs-Quiz .
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