Ernährungsexpertin über Kekse, Braten, Glühwein "Eine der schlimmsten Sünden ist der Weihnachtsteller"

Zur Weihnachtszeit hauen viele ordentlich rein. Was macht das mit unserem Körper? Welche Tücken lassen sich vermeiden und was ist die größte Kalorienbombe? Eine Ernährungsexpertin klärt auf.

Weihnachtsteller
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SPIEGEL ONLINE: Ich habe heute schon einen Schokoladenweihnachtsmann verputzt, ein Dutzend Kekse gefuttert und gehe später noch auf den Weihnachtsmarkt zum Glühwein trinken. Welche Auswirkungen hat das auf meinen Körper?

Gahl: Wenn das Ihr tägliches Pensum ist, werden Sie sicher zunehmen, weil Sie mehr Kalorien zu sich nehmen, als Sie brauchen. So geht es vielen. In der Weihnachtszeit bewegen wir uns oft weniger, vielleicht weil es draußen kalt ist oder wir es uns zu Hause mit Familie oder Freunden gemütlich machen. Gleichzeitig schlemmen wir ordentlich. Die überschüssigen Kalorien speichert unser Körper in Fett, um für den Notfall vorzusorgen. Darauf ist er programmiert.

  • DGE/ Christian Augustin
    Antje Gahl, 51 Jahre, ist Ökotrophologin und arbeitet bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

SPIEGEL ONLINE: Wie sehr schadet das Schlemmen zur Weihnachtszeit der Gesundheit?

Gahl: In der Regel kommt der Körper gut damit klar, außer man übertreibt maßlos und verdirbt sich dadurch beispielsweise den Magen. Dass die Hälfte der Menschen in Deutschland übergewichtig ist, liegt aber nicht an der Weihnachtszeit, sondern an den gut 330 anderen Tagen im Jahr. Wer sich den Rest des Jahres ausgewogen ernährt, kann also zu Weihnachten schon mal schlemmen.

SPIEGEL ONLINE: Was ist die schlimmste Kalorienbombe?

Gahl: Ein Essen mit Gans, Rotkohl und Knödel hat je nach Zubereitung mindestens 800 Kilokalorien, vor allem wegen der fettigen Haut. Das klingt viel, aber sowas isst man nicht mal eben nebenbei oder jeden Tag. Tückisch sind meist die Süßigkeiten. 100 Gramm Vanillekipferl haben etwa 500 Kilokalorien, aber machen kaum satt. Im Gegenteil, wer dauernd nascht, bei dem steigt und sinkt der Insulinspiegel häufig und derjenige bekommt umso schneller wieder Hunger.

SPIEGEL ONLINE: Welche Tücken gibt es noch und wie lassen sie sich vermeiden?

Gahl: Eine der schlimmsten Sünden ist der Weihnachtsteller. Weil wir im Vorbeigehen zugreifen und dadurch deutlich mehr Süßigkeiten essen, als wir eigentlich wollen und es sonst tun würden. Aber ehrlich: Jeder liebt Weihnachtsteller. Ich habe auch einen. Ich habe auf meinen aber nicht nur Plätzchen und Schokolade gelegt, sondern auch Mandarinen und Nüsse. Außerdem ist er klein und kommt erst zum 2. Advent auf den Tisch.

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SPIEGEL ONLINE: Kann man sich tagsüber Kalorien ansparen, um abends richtig reinzuhauen?

Gahl: Das geht. Am Ende des Tages zählt vor allem die Kalorienbilanz. Wann ich die aufgenommen habe, ist zweitrangig. Ich rate aber davon ab, den ganzen Tag zu hungern, um dann abends das große Weihnachtsmenü zu verschlingen. Denn wer Heißhunger hat, isst umso mehr. Ganz weglassen würde ich Frühstück und Mittag deshalb nicht, aber vielleicht morgens nur einen Joghurt und mittags einen Salat essen.

SPIEGEL ONLINE: Reicht es denn, wenn ich zur Ente Gemüse esse?

Gahl: Das ist schon mal ein guter Anfang. Wer Kalorien sparen will, sollte lieber den Knödel als den Rotkohl weglassen. Statt Krabbencocktail kann man vorweg auch mal einen Feld- oder Endiviensalat servieren. Die haben gerade Saison. Es muss ja auch nicht immer Ente sein. Fischfilet oder ein Rindersteak sind gute Alternativen und haben oft wenige Kalorien.

SPIEGEL ONLINE: Wie werde ich die überflüssigen Pfunde nach Weihnachten wieder los?

Gahl: Eine Crash-Diät ist keine gute Idee. Der Körper schaltet dann in den Notfallmodus und setzt bei der nächsten Gelegenheit umso mehr Fett an - der berühmte Jojo-Effekt. Wer täglich auf etwa 500 Kilokalorien verzichtet, kann pro Woche ein halbes bis ein Kilo verlieren. Das ist allerdings nur ein Durchschnittswert und schwankt stark von Mensch zu Mensch. Dennoch, wer es diszipliniert angeht, kann in vier bis acht Wochen so wieder sein Ausgangsgewicht erreichen. Das genussvolle Essen zu Weihnachten treibt einen also nicht ins dauerhafte Übergewicht.

Im Video: Diäten - Welche Methode hilft wirklich?

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Seite 1
j.wagner.uk 18.12.2018
1. Falsche Angabe
Es ist schlimm, dass immer noch der Mythos vom Notfallprogramm und Jo-Jo Effekt verbreitet werden. Dies ist inzwischen wissenschaftlich widerlegt. Auch eine schnell Abnahme hat sich nach neuesten Studien als positiv herausgestellt, denn dabei wird an der Organen angelagertes Fett besser abgebaut.
gartenkram 18.12.2018
2. Auf gar keinen Fall
würde ich jemals Kalorienzählen, gleich aus welchem Grund. Wenn ich um die Weihnachtszeit herum esse, was mir gefällt und ansonsten nicht im Fett bade, dann wird das schon reichen. STändig gibt es neue Ernährungsratschläge, mal so, mal so, dann wieder noch ganz anders. Überflüssig wie ein Kropf ... ich habe diverse Verwandte, die äusserst langlebig sind und waren (85-knapp 100) und immer gegessen haben, wonach ihnen war. Ich werde nie in meinem Leben anfangen, Essen abzuwiegen, Pläne aufzustellen wann wo was wie zu essen ist und zählen, ob ich genug getrunken habe. Was für ein Quatsch.
SusiWombat 18.12.2018
3. Was das "mit mir macht"?
Es macht mich glücklich. Ich koche gerne, ich liebe Backen und an den Feiertagen wird das dann gekrönt von einer netten Runde Menschen am Tisch, die mir etwas bedeuten. Meine Plätzchen sind übrigens sehr "gesund" - sie sind mit all den verbundenen Kindheitserinnerungen ein echter Seelenschmeichler.
jupp78 18.12.2018
4.
Zitat von j.wagner.ukEs ist schlimm, dass immer noch der Mythos vom Notfallprogramm und Jo-Jo Effekt verbreitet werden. Dies ist inzwischen wissenschaftlich widerlegt. Auch eine schnell Abnahme hat sich nach neuesten Studien als positiv herausgestellt, denn dabei wird an der Organen angelagertes Fett besser abgebaut.
Ganz so falsch sind diese Geschichten nicht, darum ist ein schnelles Abnehmen nach Weihnachten auch eine recht gute Idee. Der Körper baut +/- 2kg recht schnell und einfach auf, aber genauso auch wieder ab. Diese Art Jo-Jo funktioniert in beide Richtungen. Und dass der Körper den Grundumsatz bei geringer Kalorienzufuhr herunter schraubt, ist absolut erwiesen und kann jeder bei sich selbst auch feststellen. Einfach mal wenig essen und man merkt schnell, wie die Hände, Füße, Nase etc. schneller kalt sind, einfach weil der Körper weniger umsetzt. Aber um diesen Effekt wird man im Zweifel nicht herum kommen, der ist genauso gegeben, wenn man nur moderat weniger Energie zuführt als man verbraucht.
hileute 18.12.2018
5. Das Essen zur Weihnachtszeit ungesund ist
habe ich auch ohne Ernährungsberatung gewusst. Aber Weihnachten Kalorien zählen macht auch kein Spaß, darum muss ich sagen daß ich an Weihnachten da nicht drauf achten, sonst probier ich schon in etwa die passende Menge habe
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