WHO-Prognose zum Übergewicht Dick, dicker, Europäer

Die Europäer werden immer dicker. Ein WHO-Bericht warnt vor einer rasanten Zunahme von Übergewicht - und zeigt, dass Fettpolster in Deutschland vor allem ein männliches Problem sind.

Übergewichtige Frau in Berlin: Immer mehr Normalität, immer weniger Ausnahme
DPA

Übergewichtige Frau in Berlin: Immer mehr Normalität, immer weniger Ausnahme


Schon heute haben viele Europäer nicht nur ein kleines Wohlstandsbäuchlein, sondern krankhaftes Übergewicht. In Zukunft wird sich dieses Problem noch verschärfen, wie Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigen.

In Europa werden demnach 2030 viel mehr Menschen als bisher mit Fettleibigkeit kämpfen. Die Übergewichtskrise erreiche enorme Ausmaße, warnen WHO-Experten auf dem European Congress on Obesity in Prag. Für eine Untersuchung hatten sie mit Forschern des UK Health Forum die Daten zu Übergewicht und Fettleibigkeit von 53 europäischen Ländern ermittelt und für die nächsten Jahre hochgerechnet.

Anteil übergewichtiger Männer
Anteil übergewichtiger Frauen
Besonders dramatisch könnte das Problem demnach Irland treffen: Dort werden bis 2030 nach Annahmen der Gesundheitsexperten fast alle Erwachsenen übergewichtig sein. Doch auch in Ländern wie Schweden, in denen Fettleibigkeit bisher ein geringeres Problem war, soll der Anteil steigen.

Die Entwicklung in der deutschen Bevölkerung wird laut den Prognosen noch relativ sanft ausfallen, wobei die Situation schon heute kritisch ist. Dies betrifft Männer deutlich stärker als Frauen, wie folgende Zahlen zeigen:

  • Übergewicht: Während laut den Prognosen fast jede zweite deutsche Frau im Jahr 2030 übergewichtig sein wird, rechnen die Forscher bei den Männern mit einem Anteil von knapp zwei Dritteln. Was viel klingt, ist heute schon fast Realität: Bereits 2010 waren in Deutschland 44 Prozent der Frauen übergewichtig (2030 sollen es 47 Prozent sein); bei den Männern waren es 2010 bereits 62 Prozent (2030 sollen es 65 Prozent sein).
  • Fettleibigkeit: Während Übergewicht bei einem Body Mass Index (BMI) von 25 beginnt, zählen Menschen ab einem BMI von 30 als fettleibig. Ihr Anteil in Deutschland wird, sollten sich die Schätzungen der WHO bewahrheiten, ebenfalls zunehmen. Die Forscher rechnen für das Jahr 2030 damit, dass fast jeder vierte Mann (24 Prozent) und etwas mehr als jede fünfte Frau (21 Prozent) unter extremen Übergewicht leiden werden. 2010 waren es bei den Männern 17 Prozent und bei den Frauen 15 Prozent.

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Der Trend zu mehr Pfunden verschont laut den WHO-Prognosen kaum ein Land - im Jahr 2030 etwa könnten doppelt so viele Griechen adipös sein wie noch 2010. Und während 2010 nur 14 Prozent aller schwedischen Männer fettleibig waren, sollen es 2030 mehr als ein Viertel sein.

Eine große Ausnahme aber gibt es: In den Niederlanden werden die Menschen den Annahmen zufolge schlanker. Dort soll in 15 Jahren nur noch weniger als die Hälfte der Männer übergewichtig sein (2010 waren es 54 Prozent), nur noch 8 Prozent adipös (2010 waren es 10 Prozent). Bei den Niederländerinnen werden demnach statt 13 Prozent im Jahr 2010 nur noch neun Prozent mit Fettleibigkeit kämpfen.

Noch handelt es sich bei den Zahlen nur um Schätzungen, die deshalb mit Vorsicht zu interpretieren sind. Dennoch sollte schon jetzt alles daran gesetzt werden, dem Trend zum Übergewicht entgegenzuwirken, sagte Laura Webber vom britischen Gesundheitsforum. "Regierungen müssen mehr tun, um das Marketing für ungesundes Essen zu begrenzen und gesundes Essen erschwinglicher zu machen."

irb/dpa

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insgesamt 241 Beiträge
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Seite 1
hrboedefeld 06.05.2015
1. tragisch
ich hatte bisher Hoffnung das der Fitness-Trend durchschlägt! Sieht wohl eher schlecht aus scheinbar :/
kj.az, 06.05.2015
2. Vorbild Amerika
Warum sollen die Europaeer dem grossen Vorbild Amerika nicht auch in Sachen Fettleibigkeit folgen ? Gelehrige Schueler. So muss es sein !
roland.vanhelven 06.05.2015
3. ganz einfach
jaja, fitness produkte, die nur aus zucker und fett bestehen. irrefuehrende werbung. diese industrie investiert millarden, um eine kennzeichnungspflicht zu vermeiden. die gesetze dafuer werden im bundesrat durchgedrueckt. tolle demokratie. warum gibt es keine gesunden kinderriegel ? warum sind alle nahrungsmittel, die man in der werbung sieht, grenzwertig im sinne von zusatzstoffen ? dazu genetisch veraendert, nicht organisch, mit fructosesirup, der kein "satt" signal ausloest. usw. usw...
lama felix 06.05.2015
4. Uebergewicht ?
Man muesste erst einmal wissen, wer festlegt, was "normal" ist. Ein muskuloeser Sportler ist demnach auch uebergewichtig, weil er dem Jahrhundert alten Quatsch nicht Rechnung traegt: Zentimeterangabe, alles, was ueber 100 cm liegt soll dann das Normalgewicht der Person darstellen ?? Der Fettanteil im Koerper eines Menschen ist ausschlaggebend, nicht das Gewicht selbst. Bin gespannt, wann das mal hier jemand richtig stellt ??
quark@mailinator.com 06.05.2015
5.
Ich hab es schon anderswo geschrieben - was schön wäre, wäre eine Änderung des Berufsbildes - eine Mischung aus körperlicher und geistiger Tätigkeit. Natürlich ist das nicht in jeder Firma usw. möglich. Aber in vielen Firmen, die beide Arten der Beschäftigung haben (Baufirmen, Post, ...) böte es sich an, den Bürokräften die Möglichkeit zu geben, einen Tag in der Woche physisch zu arbeiten und z.B. älteren Arbeitern dafür einen Teil der Arbeit im Büro zu ermöglichen - soweit der Wunsch besteht. Auf den ersten Blick mag das wie ökonomischer Unfug wirken, aber bessere Gesundheit und erweiterte soziale Kontakte könnten sich als effizienzsteigernd auswirken. Auf Dauer muß einfach während der Arbeitszeit mehr physische Belastung her, egal wie. Das ewige Sitzen bringt einen um und nach der Arbeit ist ja nun auch noch was zu tun.
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