Die schlanken Kinder von Seinäjoki

Lesetipp aus unserer Serie #ExpeditionÜberMorgen: Die schlanken Kinder von Seinäjoki - unsere Reporter Janita Hämäläinen und Jörg Römer haben in Finnland ein Vorzeigeprojekt besucht. Die Stadt Seinäjoki hat es geschafft, die Zahl der übergewichtigen Jugendlichen deutlich zu reduzieren. Wir haben uns gefragt: Wie haben sie das gemacht und kann man das Modell auf Deutschland übertragen?

Laut den Ergebnissen der Kinder- und Jugendgesundheitsstudie (KiGGS) sind in Deutschland 15 Prozent der 3- bis 17-Jährigen übergewichtig. Ein Drittel von ihnen leidet sogar unter Adipositas. Die Folgen belasten bereits jetzt unsere Gesundheitssysteme.

Durch ungesunde Nahrungsmittel wie zuckerhaltige Getränke und Fast Food sowie Bewegungsmangel haben in der jungen Altersgruppe Erkrankungen wie Diabetes stark zugenommen.

So war es auch in Finnland: Als die Kurven bei Gewicht immer weiter nach oben gingen und es immer mehr Erwachsene mit Typ-2-Diabetes gab, schlug die staatliche Gesundheitsbehörde in Helsinki Alarm. Sie informierte die Gemeinden, um sie für das Problem zu sensibilisieren.

Die Region Etelä-Pohjanmaa, zu der auch Seinäjoki gehört, war besonders stark betroffen, also setzten sich die Vertreter der örtlichen Institutionen 2013 zusammen und entwickelten ein eigenes Programm. Dass das Ergebnis so ein Erfolg werden würde, hielt damals niemand für möglich, doch selbst die WHO hat inzwischen über Seinäjoki berichtet.

Auch Deutschland hat genug Probleme mit Kindern und Jugendlichen, die immer mehr Zeit sitzend vor dem Computer verbringen oder Fast Food und Limonade lieben. Präventionsprogramme haben es langfristig schwer hierzulande, selbst wenn sie erfolgreich sind. Lange haben sich Krankenkassen auf das Verteilen von Aufklärungsflyern verlassen und sind ihrem Präventionsauftrag mit wenig Elan nachgegangen.

"Nur Infomaterialien zu verteilen, bringt gar nichts", sagt der Kinderarzt Helge Hebestreit. Er hat ein Präventionsprogramm an über 20 Kindergärtenmit 30 Minuten Bewegung pro Tag ausgearbeitet, das 2007 im Raum Würzburg ein Jahr lange getestet wurde. Ziel war es, die Kleinen bereits vor Schuleintritt zu prägen und ihnen möglichst viel Spaß an Bewegung zu vermitteln.

Das gelang. "Die Motorik hat sich durch das Programm messbar verbessert, auch die Aktivität ist gestiegen." Zudem wurden die Eltern mit eingebunden, die Kinder erhielten kleine Bewegungshausaufgaben - etwa das Zähneputzen auf einem Bein. Doch ob Hebestreit wie geplant eine weitere Untersuchung durchführen kann, um einen Langzeiteffekt zu messen, ist unklar, es fehlen bisher die Mittel. "Es hapert an der flächendeckenden Umsetzung", sagt er.