Schlafrhythmus Wie werde ich ein Morgenmensch?

Anna Achilles versucht das scheinbar Unmögliche: Sie will vom Morgenmuffel zum Morgenmensch mutieren. Denn eine frühe Sporteinheit hat so einige Vorteile.

Joggen bei Sonnenaufgang
imago/ AFLO

Joggen bei Sonnenaufgang


ZUR PERSON
  • Christine Scholz
    Jahrgang 1987 und Nichte von Achim Achilles. Für den Wunderläufer stellt sie aber keine Konkurrenz dar: Anna ist notorisch trainingsfaul und mindestens so untalentiert wie ihr Onkel. Sie lebt in München und macht zurzeit ein Volontariat beim Bayerischen Rundfunk.
  • Anna auf Facebook

Morgens aufstehen läuft normalerweise so ab: Rrrr. Rrrr. Handywecker, der Rabatz macht. Rrrr. Rrrr. Schlaftrunken wälze ich mich zur Seite. Eine Hand zieht die Bettdecke höher. Die andere patscht auf dem Handydisplay herum, bittet um Aufschub bei der vibrierenden Nervensäge. Jeden Tag derselbe Blödsinn. Ich vertrödele mindestens eine Stunde im Schlummermodus. Zeit, die ich sinnvoller nutzen könnte.

Ab jetzt soll alles anders werden. Schluss mit Schlummern. Schluss mit der Morgengrantigkeit. Ich habe mir etwas vorgenommen, das sich so unmöglich anhört wie Urlaubmachen auf dem Mars, wie die Annäherung Nordkoreas an den Rest der Welt, wie der Sieg von Micha Klotzbier gegen Achim Achilles im Triathlon.

Ich will ein Morgenmensch werden. Alles, was es dafür braucht, ist ein bisschen Disziplin. Oder?

Es gibt diese Menschen, die morgens aufwachen, einfach so, ohne Wecker. Die gut gelaunt aufstehen. Deren ganze Körpermaschinerie sofort losrattert. Schön wär's. Wenn mein Kreislauf hochfährt, macht er einen Umweg über Polen. Mit verpappten Augenlidern stolpere ich gegen Türrahmen. Vorm ersten Kaffee bringe ich kein Wort heraus.

Welcher Schlaftyp wir sind, liegt in den Genen

Chronobiologen schätzen, dass ein Viertel aller Deutschen entweder ausgeprägte Früh- oder Spättypen sind. Der Rest, also die anderen drei Viertel, bewegt sich irgendwo in der Mitte. Viele verändern ihr Schlafverhalten im Laufe ihres Lebens. Teenager sind eher Eulen, Senioren eher Lerchen. Nun die gute Nachricht: Wie wir ticken, hat nichts mit Faulheit oder Disziplinlosigkeit zu tun, sondern liegt in unseren Genen. Das ist aber auch gleichzeitig die schlechte Nachricht: Denn wer in die eine oder andere Richtung extrem veranlagt ist, kann sein Schlafverhalten kaum beeinflussen.

Das wollen wir mal sehen. Ich möchte unbedingt eine Lerche werden. Denn Morgenmensch zu sein, hat viele Vorteile. Da ist schon allein dieses positive Gefühl: Hey, ich habe etwas vor allen anderen geschafft. Nehmen wir als Beispiel Sport. Morgens zu laufen, fühlt sich richtig gut an. Das Frühstück hinterher schmeckt besser, der Weg zur Arbeit fällt leichter. Weil man weiß: Check, Sport für heute erledigt.

Im Sommer bei Hitze hat man gar keine andere Wahl. Da bleiben nur die frühen, kühleren Morgenstunden, um Sport zu treiben. Im Winter ist es ähnlich. Abends verschwindet die Sonne schneller als ich "Laufschuhe anziehen" sagen kann. Als Frau allein im Dunkeln zu laufen, ist blöd.

Soweit die Theorie. Nur: Das Problem liegt in der Horizontalen. Es braucht schon treffliche Gründe, damit mein Körper gutgelaunt sein kuscheliges Schlummerparadies verlässt. Diese Tipps sollen mir das Aufstehen erleichtern.

  • Ich werde ab jetzt jeden Abend um 23 Uhr das Licht ausschalten. Dann bekomme ich acht Stunden Schlaf. Wie viel jeder braucht, ist individuell verschieden. Ganz interessant: Es ist nicht so entscheidend, um welche Uhrzeit man sich schlafen legt, sagt Schlafforscher Jürgen Zulley. Wichtiger für einen guten Schlaf sei es, regelmäßig um dieselbe Uhrzeit ins Bett zu gehen.
  • Das nächste Übel: Bildschirme. Sie machen uns müde statt wach. Deshalb lege ich ab sofort spätestens um 22 Uhr Handy und Laptop zur Seite. Wird schwer mit meiner Netflix-Sucht. Stattdessen werde ich es mal mit einem dieser rechteckigen Blöcke mit umblätterbaren Seiten versuchen. Soll auch beim Einschlafen helfen.
  • Außerdem - und das weiß wirklich jedes Baby: Niemals den Snooze-Button drücken. Das ist der Garant für einen grantigen Morgen. Stattdessen einfach beim ersten Klingeln aufstehen.

Mensch, klingt das einfach. Muss ich nur noch meinen morgenmuffligen Körper davon überzeugen. Ich tu' das alles schließlich nur für ihn.

Wie es Anna Achilles bei dem Experiment ergeht, können Sie auf ihrem Instagram-Channel verfolgen.



insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
enfanterrible 01.09.2017
1. Danke für nichts!
Also ehrlich, was soll denn bitte dieser leerlaufende Informationsteaser? Könnt Ihr, liebe Spiegel-Redaktion, bitte in Zukunft derartige angefangene und nicht beendete Artikel ähnlich kennzeichnen wie Euren SpiegelPlus- und Bento-Krempel? Dann vergeudet man nicht unnötige Zeit mit dem Loslesen...
Dualist 01.09.2017
2. müde statt wach?
Also wenn Bildschirme müde statt wach machen würden, wäre Netflixen genau das Richtige
großwolke 01.09.2017
3. Genetische Ursachen?
Soweit ich mich nach Informationen umgesehen habe, ist die These, dass das frühe/späte Aufstehen angeboren ist, durch nichts bewiesen. Als eine andere mögliche Erklärung, die fast genauso mächtig ist wie die Gene, halte ich viel eher die frühe Prägung im Kindesalter für ausschlaggebend. Allerdings gibt es generell nicht viele belastbare Infos zum Thema, die meisten Studien, die man sich ergooglen kann, sind Befragungen und damit wertlos. Meine Sichtweise: das Thema "Schlafhygiene" umfasst einiges mehr als das rechtzeitige Zubettgehen und geht oft schon Stunden vor der Nacht los mit der regelmäßig rechtzeitigen Einnahme der letzten Mahlzeit des Tages. Bin mal gespannt, wie gut oder auch nicht Frau Achilles mit dem Thema zurecht kommt, aber nach ihren Laufartikeln würde ich fast wetten auf ein "geht irgendwie, ist aber nix für mich", und zwar nach einer Zeit, die wesentlich zu kurz ist, um so eine grundlegende Verhaltensänderung einzustudieren.
lathea 01.09.2017
4. Dazu muss eine Verschiebung im.....
..... Nacht- und Tagesbewusstsein erfolgen und der Körper auf den Tagesrhythmus umgepolt werden. Dies lässt sich allein mit Verhaltensänderungen eigentlich nicht oder nur sehr schwer bewirken. Vielleicht sollte sie sich auch Mal die Gehirnwellen messen lassen, ob sie vom Beta- oder Alpha-Typ sind und den Blutdruck in der Nacht und am Tag sowie an der linken und rechten Hand morgens, mittags und abends vergleichen. Daraus kann man auch teilweise erkennen, ob der Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers mit dem des Bewusstseins übereinstimmt oder ob es Verschiebungen gibt.
cor 01.09.2017
5. Lassen Sie es lieber bleiben
Genau das, was die Autorin vor hat, hab ich schon hinter mir. Mein Tipp: lassen Sie es bleiben, denn es bringt überhaupt nichts. Aber ja, sie werden tatsächlich ein Frühaufsteher - oder eine "Lerche" werden - wenn Sie diese Vorsätze einhalten. Die ersten paar Wochen werden Sie denken, dass Sie es tatsächlich geschafft haben. Kurz danach wird die Ernüchterung kommen, aus dem einfachen Grund, dass Sie nur für eine gewisse Zeit entgegen Ihrem natürlichen Rhythmus leben können. Sie werden immer schlechtere Laune haben und immer weniger Energie. Sie werden immer unproduktiver werden. Die tägliche Arbeit wird Ihnen immer schwerer fallen. Genau so ist es bei mir passiert. Heute bin ich schlauer und lasse mich nicht mehr von irgendwelchen Idioten einreden, dass nur "der frühe Vogel den Wurm fängt". Ich höre auf meinen Körper, gehe spät ins Bett und stehe auch später auf als die meisten anderen. Ich habe mich noch nie so wohl gefühlt wie heute und habe noch nie so viel Erfolg gehabt, sowohl privat als auch beruflich. Daher: Lassen Sie es lieber. Hören Sie auf Ihren Körper und gestalten Sie Ihr Leben lieber nach Ihrem Rhythmus und nicht umgekehrt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.