Winterhoch "Cooper": Wie man sich vor der Sibirienkälte schützt

"Cooper" lässt Deutschland zittern: An manchen Orten werden Temperaturen von bis zu minus 20 Grad erwartet. Für manche Menschen kann die eiskalte Luft zu Herzproblemen führen. Gegen die schneidende Kälte helfen ein paar einfache Tipps.

Ein Jogger im Habichtswald bei Kassel: Wer sich gut schützt, darf laufen Zur Großansicht
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Ein Jogger im Habichtswald bei Kassel: Wer sich gut schützt, darf laufen

Hamburg - Manche Menschen sind eisern und steigen Tag für Tag bei Wind und Wetter in die Laufschuhe, um ihre Runden zu drehen. Doch derzeit sind die üblichen Laufpfade in den Städten erkennbar leerer als sonst in den Wintermonaten: Das sibirische Hoch "Cooper" lässt selbst disziplinierte Sportler zweifeln, ob die Betätigung bei den Eisestemperaturen nicht doch ungesund sein könnte.

Die Deutsche Herzstiftung in Frankfurt am Main hat jüngst eine Warnung ausgesprochen: Bekommt ein bisher Gesunder bei Kälte plötzlich Schmerzen, verspürt Druck oder ein Brennen im Brustkorb und Atemnot, könnte das auf Herzprobleme hindeuten. Die Beschwerden sollten keinesfalls als wetterbedingte Reizung der Bronchien abgetan werden, sagt Frank Sonntag vom Wissenschaftlichen Beirat der Stiftung. Lieber sollten Betroffene umgehend ihr Herz von einem Arzt untersuchen lassen. Denn die Brustschmerzen seien möglicherweise ein Anzeichen dafür, dass das Herz schlecht mit Sauerstoff versorgt ist und ein Herzinfarkt oder ein Angina-pectoris-Anfall bevorsteht.

Liegen die Außentemperaturen im zweistelligen Minusbereich, rät Sonntag von körperlichen Belastungen weitgehend ab. Eisige Kälte belaste die Herzkranzgefäße, weil sich die Gefäße verengen und das Herz gegen einen größeren Widerstand anpumpen muss. Insbesondere Herzkranke sollten deshalb bei Minusgraden vorsichtig sein und zum Beispiel auf anstrengende Tätigkeit wie Schneeschippen verzichten. Das könne das schon geschädigte Herz schnell überfordern und schlimmstenfalls zu Herzinfarkt oder plötzlichem Herztod führen.

In jedem Fall bescheren die derzeit herrschenden Temperaturen rotgefrorene Nasen, kalte Füße und Gänsehaut. Durch den scharfen Wind fühlt sich die Temperatur mancherorts sogar noch deutlich niedriger an, als sie eigentlich ist. Für gesunde Menschen gilt: Wer sich ausreichend schützt, kann der Kältewelle trotzen und darf auch bei Minusgraden Sport machen. Ein paar einfache Regeln helfen dabei.

Gesicht schützen: Im Bereich von Mund und Nase liegen zahlreiche Kälterezeptoren, von denen der Mensch zehnmal so viele hat wie Wärmerezeptoren. Deshalb friert man an den Wangen und an der Nasenspitze besonders schnell. Hier hilft nur ein dicker Schal, der wie eine Vermummung um den Kopf gewickelt wird. Eine Mütze zu tragen, sollte bei Minusgraden Pflicht sein. Aufgrund der gut durchbluteten Kopfhaut friert der Kopf besonders schnell.

Eincremen: Ein Fettfilm auf der Haut schützt gut vor der Kälte - doch leider kommt die hauteigene Fettproduktion bei kalter Witterung zum Erliegen. Die Folge: Die Hände werden rissig, das Gesicht spannt, die Lippen springen auf. Vor allem wer zu einer langen Schneewanderung aufbricht oder rodeln geht, sollte Fettcremes und Lippenpflegestiften benutzen. Von Cremes mit hohem Wasseranteil raten Experten ab, denn das Wasser verdunstet und kühlt die Haut noch mehr aus. Bei trockener Heizungsluft schaffen Luftbefeuchter oder Zimmerpflanzen Abhilfe.

Piercings raus: Bei Minusgraden können Piercings an Nase, Augenbrauen oder Mundwinkel einfrieren, für Verletzungen im Gesicht sorgen und zu einer nachhaltigen schwärzlichen Verfärbung der Haut führen. Wenn die Temperatur unter null Grad fällt, sollten die modischen Stecknadelköpfe im Gesicht deshalb besser herausgenommen werden. Gleiches gilt für Ohrringe bei Kindern.

Kinder nicht zu dick einpacken: Viele Eltern packen ihre Kinder zum Spaziergang so dick ein, dass sie sich kaum noch bewegen können. Kinderärzte empfehlen stattdessen, dem Nachwuchs leichte und wärmende Skiunterwäsche unter Hose und Jacke zu ziehen, in der sie sich gut bewegen können. In die Schuhe gehören Thermosohlen. Die besonders empfindliche Kinderhaut im Gesicht sollte mit reichhaltiger Fettcreme geschützt werden.

Sparsam baden: Kalte Luft und Heizungswärme trocknen die Haut ohnehin aus; lange Vollbäder sind daher eine zusätzliche Belastung. Wer darauf trotzdem nicht verzichten mag, sollte dem Wasser Badeöl zusetzen, weil es mehr Fett enthält. Und anschließend dick eincremen, damit die Haut gut ernährt wird.

Viel trinken: Wasser, Tee und Fruchtsäfte können dem Körper von innen helfen, mit der Kälte und der niedrigeren Luftfeuchtigkeit besser klar zu kommen. Eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse liefert wichtige Vitamine und unterstützt das Immunsystem, um Erkältungs- und Herz-Kreislauf-Krankheiten vorzubeugen. Entgegen der landläufigen Meinung wärmt Alkohol übrigens nicht. Ärzte raten, die Finger davon zu lassen. Besser hilft Ingwertee: Er fördert die Durchblutung und wärmt durch seine Schärfe.

Füße wärmen: Ein Bad mit ansteigender Temperatur macht die Füße wieder warm und fährt den Kreislauf hoch. Das Fußbad sollte rund 32 Grad warm sein, also nicht zu heiß. Außerdem hilft eine Fußmassage mit Händen oder einer Bürste.

Auch für Vierbeiner haben Experten Tipps parat: Wenn der Hund beim Gassigehen wegen der Kälte zu zittern anfängt, sollte der Spaziergang abgebrochen werden. Darauf weist der Deutsche Tierschutzbund in Bonn hin. Bei starkem Frost sei es zudem besser, den Hund mehrmals täglich auszuführen, statt lange Spaziergänge zu unternehmen. Alten, kranken und kurzhaarigen Tieren könnten sehr niedrige Temperaturen und beißender Wind besonders zusetzen.

Bei einem gesunden Hund sei das Fell als natürlicher Wärmeschutz aber grundsätzlich ausreichend, betont der Tierschutzbund. Zusätzliche Winterbekleidung sei allenfalls etwas für kranke oder ältere Tiere. Nach dem Spaziergang sollte der Hund in jedem Fall abgetrocknet und vor Zugluft geschützt werden. Streusalz wird am besten mit lauwarmem Wasser von den Pfoten abgespült.

cib/AFP/dpa

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Robert_Rostock 06.06.2012
Zitat von sysop"Cooper" lässt Deutschland zittern: An manchen Orten werden Temperaturen von bis zu minus 20 Grad erwartet. Für manche Menschen kann die eiskalte Luft zu Herzproblemen führen. Gegen die schneidende Kälte helfen ein paar einfache Tipps. Winterhoch "Cooper": Wie man sich vor der Sibirienkälte schützt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/0,1518,836078,00.html)
Also SPON, jetzt übertreibt Ihr aber wirklich.. Ist zwar momentan nicht gerade Sommerwetter, aber sibirische Kälte mit minus 20 Grad nun auch wieder nicht.
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