Risiken des Alkoholkonsums: Es darf ein Gläschen mehr sein

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Ein Sekt, zwei Bier, fünf Gin Tonic - ab welcher Menge wird Alkohol gefährlich? Viele Ärzte drücken sich um eine ehrliche Antwort und verteufeln alles, was über ein Gläschen Wein hinausgeht. Doch so streng muss man es nicht nehmen, schon gar nicht an Silvester.

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dapd

Katerfrühstück: Ab welcher Menge wird Alkohol gefährlich?

Es ist unmöglich, mit Ärzten ehrlich über Alkohol zu sprechen. Man kann sie fragen, ob sich Aspirin mit Bier verträgt oder ob eine Wunde schlechter verheilt, wenn man Wein trinkt - die Antwort lautet regelmäßig: "Gegen ein Gläschen Wein oder eine Flasche Bier am Abend ist sicherlich nichts einzuwenden."

Die reinste Heuchelei - denn bei wem bleibt es schon dabei, wenn gefeiert wird? Ich kenne niemanden, besonders keinen Mediziner! Und wer an Silvester nur ein Gläschen trinkt, befindet sich in diesem Land definitiv in der Minderheit.

Leider gibt es in der Arztpraxis nur die Unterscheidung: Du trinkst ein Gläschen (das soll manchen Studien zufolge ja sogar gesund sein) - oder du bist Alkoholiker (das ist sehr ungesund, klar). Aber was ist mit den vielen Leuten, die nicht in dieses Schwarz-Weiß-Schema passen? Sie trinken an einem Abend vielleicht drei Bier, dann zwei Tage nichts, dann zwei Gläser Wein, einen Tag nichts - und dann ist Wochenende oder Silvester und es wird gefeiert.

Ich habe den Mediziner-Alkohol-Code entschlüsselt

Es wäre für all die Normaltrinker doch wichtig zu erfahren, ob das ungesund ist - und wenn ja, ab welcher Menge Alkohol. Wenn wirklich klar wäre, dass man durch diese Art von Alkoholkonsum zum Beispiel sein Krebsrisiko stark erhöht, dann würden viele Menschen, auch ich, viel weniger trinken.

Beim Arzt bringt man das leider nicht in Erfahrung. Er erzählt seinen Satz vom Gläschen, man nickt als Patient verlegen und sagt nichts mehr - man will ja nicht als Alkoholiker gelten. Die Ärzte haben Angst. Sie denken wohl: Sobald sie sagen, dass zwei Gläser Wein in Ordnung wären, fängt der Patient hemmungslos zu saufen an. Sicherheitshalber gehen sie aber ohnehin davon aus, dass ihre Patienten genau das tun.

Ich bin durch einen glücklichen Zufall in den Mediziner-Alkohol-Code eingeweiht worden. Sagt ein Patient: "Ich trinke selten", heißt das für den Mediziner: Ich trinke jeden Tag zwei Flaschen Bier oder ein Glas Wein.

"Manchmal ein Gläschen" bedeutet: täglich mehrere Biere und/oder Schnaps beziehungsweise eine Flasche Wein.

"Gelegentlich ein bisschen Melissengeist" heißt: bei jeder Gelegenheit Schnaps.

"Das ein oder andere Gläschen" bedeutet: jeden Tag dauerdicht.

Muskelzuckungen durch zu viel Gin Tonic?

Die Chance zur ehrlichen Alkohol-Aussprache mit einem Arzt kam bei mir zufällig. Ich war wegen eines Zuckens beim Arzt, das mal am Oberarm, mal am Auge, mal am Bein zu spüren war. Ich wusste: Bei der Muskelkontraktion sind Mineralien wie Kalzium und Magnesium wichtig - und ich trinke sehr viel Wasser, etwa vier Liter am Tag. Meine Idee war, dass dadurch Elektrolyte ausgeschwemmt werden könnten und dass dies die Muskelfunktion stören könne. Am Ende stellte sich das als Irrtum heraus. Jedenfalls begann ich das Gespräch so: "Ich trinke extrem viel - könnte das der Grund für die Zuckungen sein?"

Der Arzt, der bis dahin stoisch auf seinen Anamnesebogen geschaut hatte, warf seinen Kopf nach oben und starrte mich an wie ein seltsames Tier - er vermutete wohl, den ersten Patienten vor sich zu haben, der ehrlich zu seinem monströsen Alkoholkonsum stand. "Wie viel?", fragte er. Ich wollte ihn nicht enttäuschen, außerdem sah ich meine Chance, endlich ein ehrliches Statement dazu zu bekommen, ob mein Alkoholkonsum gesundheitsschädlich ist.

Also sagte ich die Wahrheit. "Unter der Woche trinke ich meistens nichts oder mal ein Glas Wein oder Bier, aber Samstagnacht können schon mal fünf Gläser Gin Tonic zusammenkommen." Der Arzt nickte und wirkte keineswegs beunruhigt. "Damit kann das Zucken nicht zusammenhängen", brummte er. "Trotzdem sollten Sie Ihren Alkoholkonsum im Auge behalten." Was auch immer das heißen sollte, ich interpretierte es als "weiter so."

Inzwischen habe ich Professor Johannes Kornhuber, Direktor der Psychiatrischen Klinik der Universität Erlangen, gefragt, ob durch Alkohol Gehirnzellen zerstört werden. Er sagt: "Nein, aber bei schwerem Alkoholmissbrauch können sie schrumpfen." Ich habe Hans-Christian Schuppe, Androloge und Professor am Universitätsklinikum Gießen, gefragt, ob Alkohol die Spermien schädigt. Er sagt: "Nur bei schwerem Alkoholmissbrauch." Das wird mich etwas beruhigen, wenn ich am Neujahrstag verkatert aufwache und mich so fühle als ob ich meine Gesundheit ruiniert hätte.

Alkoholforscher Manfred Singer Im Interview
Für Mobilnutzer: Lesen Sie im Interview mehr über die Folgen des Alkoholkonsums.

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insgesamt 105 Beiträge
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1. Ein Satz mit X
majestic12 30.12.2012
Das war wohl nix. Sorry, ein total dämlicher Artikel. Wieviel Alkohol schädlich ist und ab welchem Konsum man Alkoholiker ist, kann ihnen kein Arzt sagen, natürlich nicht. Das hängt von zu vielen Indikatoren ab, die vom Körperbau, genetischer Veranlagung bis hin zu psychischen Konstellationen alles beinhalten können. Was aber absolut sicher ist: Ein Alkoholiker (und ja, das ist immer noch eine Krankheit - ich weiss das, ich bin einer) tut sich äußerst schwer damit, seine Krankheit anzuerkennen und sich Hilfe zu holen. Da ist dieser launige Artikel absolut kontraproduktiv. Danke, dass sie mit dazu beigetragen haben, Alkoholiker in der Gesellschaft weiter zu stigmatisieren.
2. Sinnhaftigkeit des Artikels???
Lisa_can_do 30.12.2012
Was ist Ihnen bloß durch den Kopf gegangen, als Sie meinten, diesen Artikel zu schreiben? Alkoholismus zelebrieren? Dann reihen Sie sich ein in den allgemeinen Selbstbetrug der deutschen, ja auch anderer, Gesellschaften. Alkohol als Genuss? Dann doch lieber einen Fachbeitrag über gute Weine oder, wenn's sein muss, auch über gutes Bier. Oder über gut gemixte Drinks. Die Realität ist aber eine Andere. Terminale Leberinsuffizienzen (die Leberfunktion ist quasi nicht mehr existent), HCC, Hepato-Celluläres-Carcinoma, also Leberkrebs, Amputationen wegen Gefäßverschlüssen, massive psychische Auswirkungen, schlimmste private Katastrophen, verletzte oder tot gefahrene Menschen durch alkoholisierte Fahrer usw. usw. Alkohol geniessen - ja; Alkoholsucht - furchtbarste Auswirkungen privat und gesellschaftlich. Wann fängt Sucht an? Wenn die 1-2 Gläschen am Tag notwendig werden und einfach nicht abstellbar sind und mit grotesken Ausreden darüber, das man keinesfalls alkoholabhängig ist. Gratulation Herr Jötten, dieser Artikel ist nur so zu erklären, dass er im alkoholisierten Zustand fabriziert wurde, nicht als netter Erguss einer durch Alkohol befreiten Seele, sondern eher als Peinlichkeit, was man aber nicht bemerkt, wenn man alkoholisiert ist.
3. Und Prost!
dizzoner 30.12.2012
Toller Artikel! Dieses blabla von wegen Krankheiten und Problemen und sonst was kommt ja immer bei solchen Themen auf. Alkohol ist ja so schlimm. Warum verbieten wir nich auch den noch und Leben in einer Traumwelt in der wir glauben ohne Rausch ist alles besser?! Ein Mann der seine Leben geniesst schrieb diesen Artikel und adressiert ihn an Menschen die ihr Leben geniessen. Darauf stoß ich an. Guten Rutsch meine Freund!
4.
Sleeper_in_Metropolis 30.12.2012
Zitat von majestic12Das war wohl nix. Sorry, ein total dämlicher Artikel. Wieviel Alkohol schädlich ist und ab welchem Konsum man Alkoholiker ist, kann ihnen kein Arzt sagen, natürlich nicht. Das hängt von zu vielen Indikatoren ab, die vom Körperbau, genetischer Veranlagung bis hin zu psychischen Konstellationen alles beinhalten können. Was aber absolut sicher ist: Ein Alkoholiker (und ja, das ist immer noch eine Krankheit - ich weiss das, ich bin einer) tut sich äußerst schwer damit, seine Krankheit anzuerkennen und sich Hilfe zu holen. Da ist dieser launige Artikel absolut kontraproduktiv. Danke, dass sie mit dazu beigetragen haben, Alkoholiker in der Gesellschaft weiter zu stigmatisieren.
Genau das wollte ich auch schreiben. Klare Aussagen zum Alkoholkonsum kann der Arzt gar nicht machen, nicht aus bösem Willen, sondern weil es einfach keinen pauschalen Grenzwert gibt. Man stellt ja auch beim Rauchen nicht die Frage, ab wie viel Kippen pro Tag man Lungenkrebs bekommt, und welche Dosis gerade noch so geht.
5. naja
waldi4711 30.12.2012
.. irgendwie haben wieder mal alle Recht. Alkoholkonsum sollre nicht bagatellisiert werden, zumal ja Phasen der Trockenheit als typisches Zeichen der Alkoholkrankheit gelten - so zumindest ein gerade mal abstinenter alkoholkranker Arzt. Aber an Silvester dürcen sich die (noch?) Nichtalkoholiker doch auch mal dem Rausch und der Ekstase hingeben! Haben die trockenen Alkis früher doch auch gemacht, und es genossen! Also, nur kein Neid.
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Die Katholische und die Evangelische Konferenz für Telefonseelsorge und Offene Tür e.V. bieten unter den bundeseinheitlichen und kostenlosen Nummern 0800-1110111 und 0800-1110222 anonyme Telefonseelsorge rund um die Uhr. Die Anrufer werden bei Bedarf an Einrichtungen in der Nähe des Wohnorts weitervermittelt.

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Das Portal der Stiftung Deutsche Depressionshilfe bietet weiterführende Informationen und Kontakte zu Krisendiensten. Dort kann man, nach Postleitzahlen gegliedert, ortsgebundene Anlaufstellen finden.

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Auf dem Hilfsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) finden sich ein Selbsttest und Informationen zum Thema Alkohol beziehungsweise Suchtprävention.

Interessierten steht zudem ein Infotelefon zur Verfügung. Die Mitarbeiter der BZgA beantworten unter der Nummer 0221-892031 Fragen zur Suchtvorbeugung und vermitteln Betroffene an Beratungsstellen in ihrer Nähe. Die Homepage bietet zudem ein Verzeichnis der Suchtberatungsstellen.
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Auf dem Portal zur Spielsucht der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt es einen Selbsttest, eine Chatsprechstunde, eine Online-Beratung sowie ein kostenloses und anonymes Beratungstelefon unter der Nummer 0800-1372700. Außerdem bietet das Portal weiterführende Links zu regionalen Anlaufstellen in Wohnortnähe.
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