Prognose 60 Prozent der Menschheit droht Wasserknappheit

In Kapstadt gilt bereits der Notstand, weil das Wasser knapp wird. Kein Einzelfall, schon jetzt brauchen mehr als 800 Millionen Menschen mindestens eine halbe Stunde, um an Trinkwasser zu kommen.

Menschen in Kapstadt stehen für Wasser an
BOTHMA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Menschen in Kapstadt stehen für Wasser an


Kapstadt steuert seit Monaten auf die "Stunde null" zu. Es ist der Tag, an dem der Millionenmetropole nach verheerenden Dürrejahren das Wasser ausgehen wird. Die rund 4,5 Millionen Einwohner müssten sich dann ihr Wasser an 200 Verteilungspunkten abholen - unter Aufsicht von Militär und Polizei.

Die Stadtverwaltung versucht deshalb, die Bewohner zu zwingen, kein Trinkwasser mehr zu verschwenden. Seit Monaten darf jeder Bürger pro Tag nur noch maximal 50 Liter Wasser verbrauchen, sonst drohen horrende Wasserpreise. Die Behörden hoffen so, die "Stunde null" zumindest noch für dieses Jahr verhindern zu können.

Kapstadt wird kein Einzelfall bleiben, warnen Experten. Laut der Organisation WaterAid leben 60 Prozent der Menschheit in Regionen, in denen bereits jetzt oder in naher Zukunft nicht mehr genug Wasser vorhanden sein wird, um den Bedarf zu decken.

Die Hilfsorganisation hat anlässlich des Weltwassertages Daten der WHO und Unicef zur weltweiten Wasserversorgung neu ausgewertet. Demnach brauchen derzeit 844 Millionen Menschen mindestens 30 Minuten, um an sauberes Trinkwasser zu kommen. Die Versorgung mit sauberem Wasser habe sich in den vergangenen Jahren zwar deutlich verbessert - allerdings nicht für alle gleichermaßen. Gerade arme Bevölkerungsteile sind noch immer benachteiligt.

Besonders alarmierend ist die Situation in Eritrea, wo nur jeder Fünfte unmittelbaren Zugang zu sauberem Wasser hat. Danach folgen Länder wie Papua-Neuguinea, Uganda, Äthiopien, der Kongo und Somalia, wo weniger als jeder Zweite ausreichend mit Wasser versorgt ist.

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In anderen Ländern ist besonders der Unterschied zwischen der armen und wohlhabenden Bevölkerung zu spüren. In Mali ist das Gefälle besonders groß, wo nur 45 Prozent der ärmsten Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Bei den wohlhabendsten sind es dagegen 93 Prozent.

Die Unterversorgung trifft vor allem Frauen, die in der Regel das Wasser für ihre Familien beschaffen. Die Uno empfiehlt, dass jeder Mensch mit mindestens 50 Litern pro Tag versorgt werden sollte. Um das einzuhalten, bräuchte eine Frau laut WaterAid zweieinhalb Monate im Jahr allein für die Wasserversorgung ihrer vierköpfigen Familie, wenn die Wasserquelle eine halbe Stunde entfernt liegt.

Gerade für Kinder kann Wasserknappheit lebensgefährlich werden. Jedes Jahr sterben etwa 289.000 Kinder an den Folgen von Durchfallerkrankungen, die auf eine mangelhafte sanitäre Versorgung zurückgehen.

Prognose für 2050: Fünf Milliarden Menschen ohne ausreichend Trinkwasser

Es gibt jedoch auch Fortschritte bei der Wasserversorgung. So haben derzeit 89 Prozent der Menschen direkten Zugang zu sauberem Trinkwasser, im Jahr 2000 waren es nur 81 Prozent. Gerade in Schwellenländern wie China und Indien hat sich die Situation deutlich verbessert. So hatten in China 2015 etwa 330 Millionen Menschen mehr Zugang zu sauberem Trinkwasser als noch im Jahr 2000, in Indien sind es gut 300 Millionen.

Dennoch bezweifeln Entwicklungshelfer, dass die Uno ihr Ziel erreichen kann, bis 2030 alle Menschen mit sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen versorgen zu können. Der Klimawandel, Luftverschmutzung und der Bevölkerungszuwachs werden das Problem laut Prognosen noch verschärfen. Laut einem aktuellen Uno-Bericht drohen bis 2050 etwa fünf Milliarden Menschen Engpässe bei der Wasserversorgung in mindestens einem Monat pro Jahr.



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