Zimt, Nelken und Co. So fördern Weihnachtsgewürze die Gesundheit

Zimt, Sternanis oder Kardamom betören in der Adventszeit nicht nur durch ihren Duft, sondern helfen auch gleich bei der Verdauung des Weihnachtsmahls. Um eine möglichst starke Wirkung zu erzielen, muss beim Kochen allerdings etwas beachtet werden.

Von Mareile Jenß


Ob beim Gänsebraten oder in der Weihnachtsbäckerei - zur Weihnachtszeit werden viele Gerichte mit Gewürzen wie Zimt, Nelken oder Kardamom verfeinert. Das schmeckt nicht nur gut, sondern kann auch die Gesundheit positiv beeinflussen.

"Bekannte mit Weihnachten assoziierte Düfte rufen im Gehirn bestimmte Erinnerungen und damit verbundene Gefühle hervor", sagt Duftforscher Hanns Hatt von der Ruhr-Universität in Bochum. Doch nicht nur die Geruchsrezeptoren in der Nase reagieren auf die würzigen Aromen, sondern auch Andockstellen in der Darmschleimhaut. So können die Gewürze nach dem Festmahl direkt die Verdauung ankurbeln.

Dabei enthalten insbesondere Weihnachtsklassiker wie Zimt, Sternanis, Kardamom oder Gewürznelken hohe Konzentrationen ätherischer Öle. Ein Überblick:

Zimt

Corbis

Der Weihnachtsklassiker entstammt als Pulver oder Stange der getrockneten Rinde des Zimtbaums. Die ätherischen Öle des Zimts enthalten 100 bis 200 verschiedene chemische Substanzen wie Eugenol und Cumarin, die dem Gewürz seinen charakteristischen Duft verleihen.

Die extakte Zusammensetzung variiert zwischen den verschiedenen Zimtarten: Während der in Sri Lanka heimische Ceylon-Zimt reich an Eugenol ist und vergleichsweise wenig Cumarin enthält, ist dieses Verhältnis beim vietnamesischen Cassia-Zimt entgegengesetzt. Auf diesen Unterschied sollten Verbraucher beim Einkauf achten.

Laut Tierstudien steigert eine hohe Cumarin-Dosis das Risiko für Leberkrebs und -entzündungen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt daher, täglich höchstens zwei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht aufzunehmen. Bei einem 15 Kilogramm schweren Kind entspricht das etwa der Menge von sechs Zimtsternen.

Beim cumarinarmen Ceylon-Zimt sieht Mediziner Hanns Hatt jedoch keine Gefahr: "Die positiven Eigenschaften des Zimts stehen hier im Vordergrund." Bereits 2003 konnten indische Forscher bei Diabetikern nachweisen, dass der Konsum von bis zu sechs Gramm Zimt am Tag die Konzentrationen von Glukose, Fetten sowie LDL-Cholesterin im Blut vermindert und dadurch wahrscheinlich einen positiven Effekt auf Herz und Kreislauf hat.

Kardamom

Corbis

Kardamom zählt zu den Ingwergewächsen und verfeinert vorwiegend asiatische und arabische Speisen. Hierzulande würzen die Samen - als Pulver oder ungemahlen - zur Weihnachtszeit Kekse, Stollen, Lebkuchen oder herzhafte Fleischgerichte.

Wie Zimt hat auch Karadmom einen hohen Anteil ätherischer Öle. Ein wichtiger Inhaltsstoff des Kardamomöls ist Cineol, das in größeren Mengen auch in Eukalyptus vorkommt. Es wirkt stark antibakteriell und schleimlösend. Daher empfiehlt sich Kardamom auch zur Behandlung von Erkältungs- und Lungenerkrankungen.

Daneben blockiert der im Kardamomöl enthaltene Wirkstoff Gingerol einen Rezeptor im Magen-Darm-Trakt, der den Brechreiz auslöst. Kardamom kann deshalb die Verdauung unterstützen und gegen Übelkeit helfen.

Gewürznelken

DPA

Das intensive und leicht scharfe Aroma der getrockneten Blütenknospen veredelt zur Weihnachtszeit Lebkuchen, Glühwein oder deftige Wintergerichte wie Wild.

Hauptwirkstoff des Nelkenöls ist Eugenol, das die Schmerznerven im Mund- und Gesichtsbereich blockiert und so Zahnschmerzen lindert. Nach einer unangenehmen Behandlung kann das Kauen auf Nelkenknospen oder konzentriertes Eugenol helfen.

Im Rotkohl oder Entenbraten können Gewürznelken einem unangenehmen Völlegefühl entgegenwirken: Rezeptoren in der Darmschleimhaut reagieren auf die Aromastoffe und schütten vermehrt das Hormon Serotonin aus, das die Darmbewegung anregt und die Verdauung fördert.

Sternanis

AP

Der süßlich-würzige Duft des Sternanis erinnert an die winterliche Festtagszeit. Botanisch ist der Sternanis-Baum in Japan, China und Vietnam angesiedelt. Hobbyköche kennen das Gewürz in gemahlener Form vor allem aus der asiatischen Küche.

Die ätherischen Öle des Sternanis enthalten hohe Dosen der entzündungshemmenden und schleimlösenden Verbindung Anethol. Sternanis ist daher häufig in Arzneimitteln gegen Husten- und Erkältungskrankheiten zu finden. Das im Sternanisöl enthaltene Benzaldehyd wirkt außerdem im Magen-Darmbereich krampflösend und fördert so die Verdauung.

Weihrauch

Corbis

Zu den Geschenken der Heiligen drei Könige zählten neben Gold auch Weihrauch und Myrrhe. Nicht nur wegen ihrer Kostbarkeit, sondern auch aufgrund ihrer gesundheitsfördernden Eigenschaften sind die Harze besondere Gaben. In der Naturheilkunde wird ihnen seit Jahrtausenden eine heilende Wirkung nachgesagt.

In der Küche hat Weihrauch Seltenheitswert, stattdessen wird er in der Kirche und in der orientalischen Heilkunde als Räucherwerk verwendet. Seine Inhaltsstoffe wirken nahezu ausschließlich über die Atemwege und gehen schon wenige Minuten nach der Inhalation ins Blut über.

Die eingeatmeten ätherischen Öle des Weihrauchs enthalten entzündungshemmende, abschwellende und desinfizierende Substanzen. In der ayurvedischen Medizin wird Weihrauch seit jeher zur Heilung von Pilzinfektionen oder Wunden verwendet. Im frühen Mittelalter wurde sich diese Wirkung noch anderweitig zunutze gemacht: Insbesondere Frauen hockten sich nach dem Toilettengang über den Rauch, um ihren Genitalbereich zu reinigen.

Erst gegen Ende des Garens würzen

Grundsätzlich gilt: Welche Folgen ein hoher Gewürzkonsum langfristig auf die Gesundheit haben kann, geht aus der jetzigen Studienlage nicht eindeutig hervor. "Die gesundheitlichen Effekte der Wirkstoffe bestimmter Gewürze sind bisher nicht ausreichend erforscht", sagt Lebensmittelchemiker Sascha Rohn von der Universität Hamburg. Die Effekte seien zwar nachgewiesen, jedoch nur begrenzt. "Gewürze sind keine Arzneimittel", so Rohn.

Wie wirkungsvoll die Gewürzöle tatsächlich sind, hängt auch von der Zubereitungsart des Lebensmittels ab. "Ätherische Öle sind flüchtige Substanzen, die während der Zubereitung aus dem Kochgut austreiben", sagt Rohn. Die vermeintlich positiven Eigenschaften können bei geringen Mengen daher auch ausbleiben. Um eine möglichst starke Heilwirkung zu erzielen, wird daher oft empfohlen, erst gegen Ende des Garens zu würzen.



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
Layer_8 22.12.2013
1. Weihrauch
Zitat von sysopAPZimt, Sternanis oder Kardamom betören in der Adventszeit nicht nur durch ihren Duft, sondern helfen auch gleich bei der Verdauung des Weihnachtsmahls. Um eine möglichst starke Wirkung zu erzielen, muss beim Kochen allerdings etwas beachtet werden. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/zimt-nelken-weihrauch-weihnachtsgewuerze-fuer-die-gesundheit-a-936932.html
Ja, muss man nicht alles verbrennen. Schmeckt ganz gut und außerdem soll es sich bei regelmäßiger Einnahme fantastisch auf die kleinen grauen Zellen, Konzentrationsfähigkeit, auswirken. Hat mir mal eine äthiopische Köchin gesagt.
tatjuscha 22.12.2013
2. Warnung an Schwangere
Folgen von Gewürzen sind wohl bekannt, fragen Sie mal eine Hebamme, warum im Advent besonders viele Schwangere mit vorzeitigen Wehen eingeliefert werden im Advent! Der Grund: Zimt und andere Weihnachtsgewürze wirken wehenauslösend. Besonders bei uns, wo Frauen den Rest des Jahres wenig non diesen Spezereien verzehren.
neu_ab 22.12.2013
3. Zimtalarm!
Huch, Zimt? Das geht ja mal in Deutschland gar nicht. Jetzt kommen bestimmt wieder die ganzen Cumarinheulsusen & warnen vor den schröcklich giftigen Zimtsternen.
ruhepuls 22.12.2013
4. Wirkung dosisabhängig
Eine arzneiliche Wirkung ist dosisabhängig. Weihrauch (bzw. die enthaltenen Bosweliasäuren) wirken entzündungshemmend (Tagesdosis ca. 1.000mg). Ähnlich das Curcumin (Extrakt der Gelbwurz). Eine Kombination beider Stoffe hemmt zwei unterschiedliche Entzündungswege (Cox2 u. Leukotriene). Allerdings wäre eine Mahlzeit mit einer derart hohen Menge an Gewürzen ungenießbar. Das gilt auch für Nelken & Co., deren Wirkung auch erst bei höheren Dosen einsetzt. Bei so hohen Dosen ist auch bei Naturstoffen eine ungünstige Langzeitwirkung nicht auszuschließen. Ihr Einsatz sollte daher überlegt erfolgen, ggf. um andere, nebenwirkungsreiche Wirkstoffe zu ersetzen oder zu reduzieren. Die üblichen Mengen beim Kochen wirken allerdings eher allgemein "pflegend". Wellness durch den Magen sozusagen.
deegeecee 22.12.2013
5. Natürliche Aromen
Na super! Von Eugenol C10H12O2 (Gefahrstoffkennzeichnung: *Gesundheitsschädlich* "Xn"), Cumarin C9H6O2 (Gefahrstoffkennzeichnung: *Gesundheitsschädlich* "Xn", zeitweise als Aromastoff verboten), Cineol C10H18O (kann als 1,8-Cineol stuhlverflüssigend wirken und *Übelkeit* hervorrufen), Gingerol C17H26O4 (Gefahrstoffkennzeichnung: *Reizend* "Xi"), Eugenol C10H12O2 (Gefahrstoffkennzeichnung: *Gesundheitsschädlich* "Xn"), Benzaldehyd C7H6O (Gefahrstoffkennzeichnung: *Gesundheitsschädlich* "Xn"), Weihrauch (emittiert beim Verräuchern *Feinstaub*) wird hier geschwärmt, während im Nachbarartikel Natürliche und künstliche Zusatzstoffe in Lebensmitteln - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/natuerliche-und-kuenstliche-zusatzstoffe-in-lebensmitteln-a-940351.html) und der zugehörigen Diskussion Lebensmittelzusatzstoffe verteufelt werden. Das passt wie die Faust aufs Auge und zeigt, wie *irrational* mit dem Thema umgegangen wird.
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