Psychische Probleme Arbeit macht krank - und gesund

Schuften, abrackern, ausbrennen - Arbeit tut manchmal weh. Doch eine angemessene Stelle kann psychisch Erkrankten auch helfen, wieder gesund zu werden.

Auf Arbeitssuche: Vielen psychisch Kranken kann ein Job Halt geben
Corbis

Auf Arbeitssuche: Vielen psychisch Kranken kann ein Job Halt geben


Arbeit macht krank. In vielen Teilen der Gesellschaft und in den Medien ist das der Tenor. Vertreter aus der Psychiatrie, sozialen Einrichtungen, der Bundesagentur für Arbeit und Rentenversicherungen widersprechen dem aber. Auf der Fachtagung "Arbeit für psychisch Kranke", die am Mittwoch in Berlin stattfand, diskutierten Experten über Chancen für Menschen mit psychischen Erkrankungen auf dem Arbeitsmarkt. Dabei betonte Wolfgang Maier, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN): "Die Erschöpfung durch Arbeitsstress ist nur ein Aspekt. Arbeit schützt Menschen auch vor psychischen Erkrankungen."

Wie eng das Geflecht zwischen Arbeit und Gesundheit gewoben ist, zeigen die Daten einer noch unveröffentlichten Untersuchung vom Robert Koch-Institut (RKI) und der Technischen Universität Dresden, die im Rahmen der "Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland" (DEGS) erhoben wurden: Das Risiko, ohne Arbeit zu sein, ist für psychisch Erkrankte bis zu 15-mal höher als für Gesunde. Vor allem schwer Erkrankte, junge Erwachsene sowie Frauen sind demnach deutlich häufiger arbeitslos als gesunde oder weniger belastete Mitbürger.

"In dieser Untersuchung fehlen jedoch die besonders schweren Fälle, die dauerhaft in Heimen oder anderen Institutionen untergebracht sind. Bezieht man diese ein, fallen die Zahlen vermutlich noch drastischer aus", sagt Frank Jacobi, einer der leitenden Studienautoren, der an der Psychologischen Hochschule und der TU Dresden forscht und lehrt.

Der Wunsch nach einer Betätigung steht ganz oben

Dabei wünscht sich beispielsweise die Hälfte aller psychisch beeinträchtigten Patienten einer Reha-Einrichtung vor allem eine normale Arbeitsstelle, noch vor Partnerschaft und anderen sozialen Kontakten. "Arbeit ist ein Platzanweiser in der Gesellschaft. Sie stiftet Sinn im Leben, gibt den Menschen einen Rahmen", sagt der ehemalige Berliner Gesundheitssenator Ulf Fink, jetzt Vorsitzender des Vereins "Gesundheitsstadt Berlin". "Psychotherapie und Psychiatrien bieten vorübergehend Unterstützung und Weisung. Dauerhaft hilft und stabilisiert aber nur ein Arbeitsplatz", so sein Credo. Gemeinsam mit der DGPPN will er sich dafür einsetzen, dass psychisch Erkrankte wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden.

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Wege dorthin gäbe es viele. Steffi Riedel-Heller, Direktorin des Instituts für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health der Universität Leipzig, sieht eine Chance in der sogenannten unterstützten Beschäftigung. Die Idee: Anstatt Betroffene, wie hierzulande üblich, lange zu schulen und dann an einen Arbeitsplatz zu vermitteln, erhalten diese eine direkte Anstellung. Auf unbefristete Zeit werden sie dort durch speziell ausgebildetes Personal unterstützt und begleitet. Laut Riedel-Heller hat sich dieser Ansatz in internationalen wie in deutschen Untersuchungen bewährt.

Jacobi rät zudem, die Erkrankten nicht so lange krankzuschreiben: "Aktivität ist wichtig für einen positiven Krankheitsverlauf", sagt der Psychologe. Zu viel Schonung sei meist kontraproduktiv. "Die Betroffenen ziehen sich noch mehr aus dem sozialen Umfeld zurück, richten ihr Augenmerk noch mehr auf ihre Symptome, die sich dadurch sogar verschlimmern können."

Die Menschen motivieren und ihnen etwas zutrauen

Betroffene aber auch Angehörige psychisch Erkrankter sehen in anderen Bereichen Schwächen: "Ärzte haben wenig Ahnung von der Arbeitswelt und den Hilfsmöglichkeiten für psychisch Kranke, die arbeiten wollen. Dabei sind sie die ersten Lotsen für Betroffene", sagt Uwe Wegener. Der Vorsitzende von bipolaris - Manie & Depression Selbsthilfevereinigung sieht zudem Verbesserungsbedarf in den Jobcentern. Exemplarisch schildert er seine eigenen Erfahrungen: Nach Beginn seiner psychischen Erkrankung wurde er im Jobcenter begutachtet - von einem Orthopäden. Der riet ihm, mehr Sport zu treiben, dann werde das schon wieder.

Die Buchautorin und Mutter einer Tochter mit Schizophrenie, Janine Berg-Peer, wünscht sich weniger politische Maßnahmen, sondern ein Umdenken: "Ich möchte, dass ein Mensch einem anderen Menschen mit Krankheitserfahrung einfach mal etwas zutraut, ohne dass das gesetzlich geregelt werden muss." Als ihre Tochter nach ihrem ersten Aufenthalt in der geschlossenen Psychiatrie vor 16 Jahren beschloss, ihren Realschulabschluss nachzuholen, erschrak die Sozialarbeiterin und riet davon ab. "Sie solle doch lieber etwas lernen, womit sie später ihren Lebensunterhalt verdienen könne. Zum Beispiel Töpfern", berichtet Berg-Peer, die sich bundesweit und im europäischen Angehörigenverband EUFAMI engagiert. Den Abschluss hat ihre Tochter mit Rückschlägen und Unterbrechungen geschafft. Sie war auch immer wieder arbeiten. Jetzt lernt sie fürs Abitur.



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insgesamt 40 Beiträge
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spon-facebook-10000001759 10.01.2014
1.
Nach zweijähriger Erkrankung wollte ich nun eine Wiedereingliederung bei meinem Arbeitgeber beginnen, wie es mir nach Sozialgesetzbuch garantiert ist. Geht aber nicht, weil nach Aussteuerung aus der Krankenkasse kein Kostenträger zuständig ist. So macht der Staat Arbeitslose, geltendes Recht durch den Amtsschimmel gebrochen.
analyse 10.01.2014
2. Es gibt Fachleute,die von einem hohen Anteil solcher
"Patienten" berichten,die gar nicht krank sind ! Und dafür braucht man keine Studie um zu wissen,daß für solche Strukturierte Arbeit -möglichst körperliche mit frühem Aufstehen das beste Heilmittel ist,statt langen tiefenpsychologischen Sitzungen in denen es erfreulicherweise immer um die eigene Person geht! Zugegeben,die Diagose ist oft schwer.So könnte sich die erwähnte Arbeit vortrefflich zur Differentialdiagnostik eignen !
awillrodt 10.01.2014
3. BTZ und IFD
Für eine Wiedereingliederung ins Arbeitsleben stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, so gibt es Integrationsfachdienste, welche zum Teil auch speziell für Menschen mit einer psychischen Erkrankung zur Verfügung stehen und die btz (berufliche Trainingszentrum), welche über eine beruflicher Rehamaßnahme, welche bis zu einem Jahr dauern kann, eine berufliche Wiedereingliederung anbieten.
eule_neu 10.01.2014
4. Arbeitslose
Zur Arbeit willige Personen werden genauso psychisch krank. Zudem werden auch Familien hoch belastet. Um diese Kranken kümmert sich anscheinend Niemand. Auch das sind die Ergebnisse unserer Arbeitsmarktpolitik und des kranken Kapitalismus (billige Arbeitsentgelte). Der Politik ist das egal, sie braucht Geld zur Rettung der Finanzsysteme. der Arbeitsmarkt braucht Heilmittel, damit die Arbeitswilligen nicht weiter leiden müssen ...
studibaas 10.01.2014
5. Ich möchte aber auch nicht wissen
Wie viele von diesen "psychisch kranken" simulieren weil sich nicht mehr gewillt sind, sich von irgendeinem Arbeitgber ausbeuten zu lassen für schlappe 6,50 EUR/Std. Und ich habe Verständnis für diese Simulanten. Wir haben seit Jahrzehnten eine realen Produktivzuwachs (gemessen am Ausstoß produzierter Güter und Dienstleistungen, nicht am BIP der ja inflationsbereinigt werden muss). Dennoch sinken die Nettolöhne seit ca. 2 Jahrzehnten und immer weniger Menschen müssen immer mehr arbeiten, während man von dem Rest erwartet, sich Dankbar zu zeigen, wenn sie überhaupt einen Job bekommen, egal wie schlecht bezahlt. Wohlgemerkt: Da die Löhne nicht steigen steigt auch die Nachfrage nicht, also brauchen wir diese Menschen arbeitstechnisch gesehen einfach nicht, aber Vollzeitbeschäftigung für alle ist ja das Mantra da weiterhin als richtig gilt,- obwohl jeder Mathematiker dem widerspricht. Hinzu kommt: Diese Ausbeutung der schlecht gebildeten mag ja noch funktioniert haben als die arbeitslosen wirklich mindergebildet waren, aber gerade die gebildeten erwägen grundsätzliche Betriebswirtschaftliche Rechnungen. Und wenn Hartzen mehr bringt als arbeiten, insbesondere wenn man dann Fahrräder selber repariert, eben jenes Fahrrad auch benutzt statt Bus fährt etc. kommt man oft besser weg als mit Arbeit. Wären da nicht die Restriktionen durch das Arbeitsamt. Egal, ein Fachbuch über psychische Erkrankungen, man hat ja Zeit, und schon lässt sichs gut simulieren, hat Ruhe vor dem Arbeitsamt und evtl. noch Sondervergütung wg. Krankheit. Ich selbst bin gerade in einer Arbeitsamtfinanzierten Fortbildung, und was da an gut gebildeten Männern MIT Familie rumhängt, weil sie genau das berechnet haben und wissen, das selbst 2000 EUR Brutto bei 4 Personen nun mal nicht genug sind ist erschreckend,- oder beruhigend. Liebe gut gebildeten: Es gibt demnächst viel Druck von unten ;) .
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