Autismus: "Oft wünschte ich, die Menschen wären nummeriert"

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Sie haben Probleme, soziale Kontakte zu knüpfen, tun sich schwer, Mimiken zu erkennen, und gelten oft als sonderbar. Doch eigentlich sind Asperger-Autisten nur eines: anders. Vier Betroffene erzählen über ihr Leben mit der Störung - und wie sie ihren Alltag damit meistern.

Menschen mit Nummern: Vielen Autisten fällt es schwer, Gesichter zu erkennen Zur Großansicht
Corbis

Menschen mit Nummern: Vielen Autisten fällt es schwer, Gesichter zu erkennen

Die eine kann 5690 mal 337 im Kopf rechnen, der andere ist musisch besonders begabt, die nächste kann sich keine Gesichter merken, und wieder eine andere schreibt Bücher über das, was diese vier Menschen so besonders macht: Sie sind Asperger-Autisten, Menschen also mit einer bestimmten Form von Autismus, die im sozialen Umgang mit anderen Probleme haben und deshalb als sonderbar und eigenbrötlerisch gelten.

Dabei haben sie nur Schwierigkeiten damit, ihre Emotionen so zu äußern und die Gefühle anderer zu erkennen, wie andere Menschen es tun. Denn Asperger-Autisten können emotionale Signale oft nur schwer deuten und müssen sich Verhaltensmuster wie Stirnrunzeln, Lächeln oder das Erheben der Stimme erst antrainieren. Die häufige Folge: Mobbing in der Schule oder im Beruf. Vielen ist aber nicht bewusst, was das Asperger-Syndrom ist und warum sich Menschen mit dieser Entwicklungsstörung anders verhalten.

Betroffene erzählen vom Leben mit dem Asperger-Syndrom - und wie sie den Alltag meistern.


"Oft wünschte ich, die Menschen wären nummeriert"

Natalie Nabla*, 24, Asperger-Autistin, Studentin

"Das Asperger-Syndrom machte sich bei mir schon in meiner Kindheit bemerkbar: Am liebsten spielte ich allein, höchstens aber mal mit Jungs. Und ich hatte Spezialinteressen. Mich faszinierten Lexika. Als ich zehn war, las ich über Monate ein zehnbändiges Lexikon durch. Später klassifizierte ich teilweise stundenlang Wolken nach deren Größe, Art und Beschaffenheit.

Diese Andersartigkeit, wie ich die Störung bezeichne, hat auf der einen Seite dazu geführt, dass ich Details sehr gut wahrnehmen und mir gut merken kann und ein sehr gutes Gefühl für Zahlen habe. So kann ich beispielsweise problemlos 5690 mal 337 im Kopf multiplizieren. Ich habe auch schon mal Tabellen zur Binomialverteilung auswendig gelernt. Für mein Studium sind diese Fähigkeiten hilfreich: Ich studiere Biophysik und Biochemie.

Dagegen ist es sehr schwierig für mich, mir Gesichter zu merken. Hin und wieder passiert es zum Beispiel, dass ich Kommilitonen auf Fotos nicht wiedererkenne. Oft wünsche ich mir, die Menschen wären nummeriert. Das würde vieles für mich leichter machen.

Probleme bereitet mir insbesondere das Interpretieren von Mimiken und Gestiken. Wenn ich etwa Kommilitonen oder dem Professor Ergebnisse meiner Arbeiten vorstelle, fällt es mir schwer zu erkennen, ob sie kritisch, fragend oder nachdenklich gucken.

Mimiken erkennen kostet Kraft

Es wäre mir unangenehm, wenn andere wüssten, dass ich Dinge nicht kann, die anderen angeboren sind. Während andere Menschen ganz automatisch zum Beispiel die Stirn in Falten legen oder ihre Stimme erheben, musste ich das über viele Jahre trainieren. Manchmal passiert es mir dennoch, dass ich völlig monoton und mit neutralem Blick "Das war das tollste Erlebnis dieses Jahres!" sage.

Viele Menschen reagieren irritiert, wenn ich ihnen während eines Gesprächs nicht in die Augen blicke, sondern stattdessen das ganze Gesicht mustere. Nur muss ich sehr viel Energie in die Interpretation von Mimiken stecken, vor allem bei lebhaften Diskussionen mit mehreren Personen. Deshalb brauche ich zur Erholung oft Zeit für mich allein. Besonders wichtig ist ein absolut gleichförmiger Tagesablauf. Spontane Treffen mit Bekannten sind für mich nicht möglich.

Asperger-Autisten fallen oft nicht auf

Eigentlich fallen wir nicht so sehr auf wie andere, stärker betroffene Autisten. Nur gelegentlich verraten wir uns durch eine oft sehr formelle Sprachweise, einen ungewöhnlichen Gang oder einen ungewöhnlichen Humor. Doch trotz meiner Mühen, möglichst nicht aufzufallen, gelte ich überall an der Uni als sonderbar. Asperger-Autisten sind meistens extrem egozentrisch und stur. Es kostet viel Kraft, nicht so zu sein, und ich kann es nicht immer abschalten.

Dabei habe ich ebenso wie andere Menschen viele Gefühle, auch wenn man mir das nicht ansieht. Ich mag vielleicht anders fühlen. Aber Mitleid zum Beispiel kann ich durchaus empfinden, auch wenn sich der Mythos hält, dass Autisten das nicht könnten. Ich empfinde aber nur Mitleid gegenüber Leuten, die ich kenne."

*Name geändert

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insgesamt 167 Beiträge
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1. Hfa
seedistel 27.01.2013
Da ist ihnen leider ein grober Fehler unterlaufen. HFA (Hochfunktionaler Autismus gehört nicht zum Asperger sondern zum Kanner Autismus, also zum sog. klassischen Autismus. Die beiden Begriffe Asperger und HFA werden leider immer noch miteinander verwechselt, bzw. als austauschbar angesehen. Miet freundlichem Gruss, Seedistel
2.
asperix 27.01.2013
Worüber ich mich aufrege? Zuerst wird Asperger kurz vor Weihnachten mit Massenmord in Verbindung gebracht und jetzt (wieder mal) mit außergewöhnlichen Kunststückchen im Stile von Rainman. Verbände und Vereine im Bereich Autismus bemühen sich um Aufklärung und haben es in den letzten zehn Jahren immerhin schon geschafft, dass nicht jeder sagt "Du kannst kein Autist sein, du sprichst ja." wenn man sich outet. Ein echter Fortschritt nach Briseños Griff ins Klo vor Weihnachten wäre gewesen, sie hätte einen repräsentativen Querschnitt gebracht. Nicht Superbrain, promovierte Ärztin und überdurchschnittliche Schüler. Was soll das? Wer aufklären möchte (und das war am 18.12.12 ja so angekündigt: In den kommenden Wochen plant SPIEGEL ONLINE, das Thema Autismus noch intensiver und hintergründiger zu beleuchten, um klarzumachen, dass eine Stigmatisierung der Betroffenen falsch ist.), sollte eine Sache so darstellen, wie sie ist und nicht wie das Privatfernsehen auf sensationsheischende Weise einen außergewöhnlichen Aspekt herausgreifen. Das "hintergründiger" ist hiermit (wie zu erwarten) in die Hose gegangen. Es ist wieder ein Beitrag dazu, das Leben und den Alltag von durchschnittlichen Autisten zu erschweren. Vielleicht gibt es ja noch einen Artikel, in dem tatsächlich dargestellt wird, was Autismus für Autisten bedeutet. Und wenn eine Journalistin ihre Berufsbezeichnung verdient hat, kann sie auch daraus einen interessanten Artikel machen.
3. optional
Boandlgramer 27.01.2013
Asperger gehört imo zu den sinnlosen Pathologisierungen, die von der Norm abweichende Sozialisierungen den Anstrich einer behandelbaren Krankeit geben. Da gehören AD(H)S und vermutlich die meisten Depressionen dazu. Ich denke sogar, dass Autismus eine eigentlich normale Variante menschlichen Fühlens und Verhaltens ist - was nichts an der Dringlichkeit ändert, dass die Betroffenen einen Weg finden müssen, wie sie damit umgehen können. Wir leben in einer menschenfeindlichen Gesellschaft, die jedem Individuum signalisiert, dass es ausgestoßen werden wird, wenn es nicht den Normen entspricht. Die Normen werden vollkommen gedankenlos von Idioten und Ökonomen gesetzt und durch permanente Wiederholung verfestigt. Jeder sucht sich seinen eigenen Weg, wie er sich davon wieder freimacht - sofern er nicht nicht ohnehin der Meinung ist, er gehört zu den Gewinnern der Selektion. Medienkonsum ist ein Weg, Verweigerung ein anderer. Kindern steht aber dieser Katalog aus Selbstreflektion und mehr oder weniger bewusster Verhaltensänderung nicht zur Verfügung, sie flüchten in scheinbar irrationale Verhaltensweisen; reimen sich ihre eigenen kruden Wahrheiten zusammen und leben dann danach. Auch viele Erwachsene tun sich damit schwer: Einerseits haben sie sich jahrzehntelang als Arbeitnehmer mit ihrem Dasein als Ameise arrangiert und angefreundet - und dann gibt es eine Störung in dem Ökosystem. Die Ameise verliert total die Orientierung - bei höheren Tieren gibt's dann Übersprungshandlungen. Je nach innerem Gerüst braucht's gar nicht so viel und die Menschen brechen innerlich zusammen. Aber an der Pathologisierung verdienen ja Viele - und sie entspricht dem Konsens von Gewinnern mit guter Bildung und richtiger innerer Einstellung und dem restlichen Schei*haufen. Es bräuchte einen Konsens darüber, dass es in Ordnung ist, faul zu sein, nicht lebenslang zu lernen. Aber ausnahmslos alle haben in einer reichen Gesellschaft wie unserer ein Recht auf ein Dasein - nicht bloße Existenz. Und das werden die bezahlen müssen, die von dieser reichen Gesellschaft profitieren. Tun sie's nicht, werden die Armen und Kranken die Gesunden und Wohlhabenden einfach auffressen - es gibt keine natürliche Grenze in dieser Entwicklung. Der Manchesterkapitalismus ist jederzeit wiederholbar.
4. Titellos
UnitedEurope 27.01.2013
Zitat von asperixNicht dass ich erwartet hätte, dass es nach dem letzten mehr als unglücklichen Artikel jetzt eine Kehrtwende hätte geben können... Mit ungeahnter Unsensibilität pflügt sie sich wieder durch ein Thema, zu dem ihr offensichtlich immer noch der Zugang fehlt. Worüber ich mich aufrege? Zuerst wird Asperger kurz vor Weihnachten mit Massenmord in Verbindung gebracht und jetzt (wieder mal) mit außergewöhnlichen Kunststückchen im Stile von Rainman. Verbände und Vereine im Bereich Autismus bemühen sich um Aufklärung und haben es in den letzten zehn Jahren immerhin schon geschafft, dass nicht jeder sagt "Du kannst kein Autist sein, du sprichst ja." wenn man sich outet. Ein echter Fortschritt nach Briseños Griff ins Klo (haha ich kann kein Autist sein, ich verwende Redewendungen haha) vor Weihnachten wäre gewesen, sie hätte einen repräsentativen Querschnitt gebracht. Nicht Superbrain, promovierte Ärztin und überdurchschnittliche Schüler. Was soll das? Wer aufklären möchte (und das war am 18.12.12 ja so angekündigt: In den kommenden Wochen plant SPIEGEL ONLINE, das Thema Autismus noch intensiver und hintergründiger zu beleuchten, um klarzumachen, dass eine Stigmatisierung der Betroffenen falsch ist.), sollte eine Sache so darstellen, wie sie ist und nicht wie das Privatfernsehen auf sensationsheischende Weise einen außergewöhnlichen Aspekt herausgreifen. Das "hintergründiger" ist hiermit (wie zu erwarten) in die Hose gegangen. Es ist wieder ein Beitrag dazu, das Leben und den Alltag von durchschnittlichen Autisten zu erschweren. Vielleicht gibt es ja noch einen Artikel, in dem tatsächlich dargestellt wird, was Autismus für Autisten bedeutet. Und wenn eine Journalistin ihre Berufsbezeichnung verdient hat, kann sie auch daraus einen interessanten Artikel machen. Der ursprüngliche Artikel (Verstoß gegen Artikel 12 des Pressecodex) Adam Lanza: Litt der Amokläufer von Newtown am Asperger-Syndrom? - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/adam-lanza-litt-der-amoklaeufer-von-newtown-am-asperger-syndrom-a-873088.html) Ein erstes Zurückrudern und die Ankündigung von der ausgebliebenen Besserung: Newtown-Berichterstattung: Autisten verurteilen Stigmatisierung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/newtown-berichterstattung-autisten-verurteilen-stigmatisierung-a-873364.html)
Der Artikel besteht ausschließlich aus vier Teilstücken, in denen Menschen mit Asperger (oder mit Asperger-verwandten Snydromen) ihre Geschichte erzählen. Machen Sie doch diesen Menschen oder den Eltern einen Vorwurf, dass sie nicht tiefer eingehen. Ich persönlich fande diesen Artikel sehr interessant, zeigt er doch die Sichtweise der "Betroffenen". Ganz besonders den letzten Teil fande ich ermutigend: Es ist schön zu sehen, dass wir vor 70 Jahren Menschen die wir nicht verstanden oder die nicht der Norm entsprachen vergasten, während wir uns heute aktiv bemühen, auch solchen Menschen einen geregelten, Mobbing-freien Tagesablauf zu ermöglichen. "Den Zustand einer Gesellschaft kann man daran erkennen, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht."
5. Boandlgramer
asperix 27.01.2013
Zitat von BoandlgramerAsperger gehört imo zu den sinnlosen Pathologisierungen, die von der Norm abweichende Sozialisierungen den Anstrich einer behandelbaren Krankeit geben. Da gehören AD(H)S und vermutlich die meisten Depressionen dazu. Ich denke sogar, dass Autismus eine eigentlich normale Variante menschlichen Fühlens und Verhaltens ist - was nichts an der Dringlichkeit ändert, dass die Betroffenen einen Weg finden müssen, wie sie damit umgehen können.
Bitte sprechen Sie vor einer weiteren Pauschalaussage über Autismus oder Asperger-Syndrom mit Menschen, die das haben. Monotropismus, Fehlen intuitiver(!) sozialer Interaktion, mangelnder bis fehlender Bezug zur Umwelt und die mit teilweise extrem empfindlichen Sinnen einhergehende Reizüberflutung sind mehr als eine "Normvariante". Das ist durchaus pathologisch, auch wenn man das selber nicht so gerne hört. Wenn Sie den Austausch mit Autisten wünschen, kann ich Ihnen ein paar Anlaufstellen nennen. Gruß Lasse von Dingens
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Was ist Autismus?
Autismus-Spektrum-Störungen
Störungen innerhalb des sogenannten Autismus-Spektrums sind tiefgreifende Entwicklungsstörungen. Es wird zwischen frühkindlichem Autismus, dem Asperger-Syndrom und dem Atypischen Autismus unterschieden. Weil in der Praxis zunehmend leichtere Formen der einzelnen Störungsbilder diagnostiziert werden und die Unterscheidung in der Praxis immer schwerer fällt, werden die unterschiedlichen Ausprägungen unter dem Begriff Autismus-Spektrum-Störung zusammengefasst.

Menschen mit Autismus können soziale und emotionale Signale nur schwer einschätzen und haben ebenso Schwierigkeiten, diese auszusenden. Deshalb sind ihre Reaktionen auf Gefühle anderer Menschen selten angemessen, und sie haben Schwierigkeiten, ihr Verhalten an eine soziale Situation anzupassen.

Auch die Entwicklung des Sprachgebrauchs und des Sprachverständnisses ist betroffen: Autistischen Menschen fällt es schwer, etwa ihre Sprachmelodie oder ihre Tonlage an die Situation anzupassen. Ebenso gebrauchen sie kaum Gestik, um den Sinn einer Aussage zu unterstreichen.

Alltägliche Aufgaben führen Autisten meist starr und routiniert aus. Typisch sind sich wiederholende und stereotype Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten. Kinder beschäftigen sich beispielsweise gerne häufig mit Fahrplänen oder anderen Datensammlungen. Veränderungen von Handlungsabläufen oder etwa der Wohnungseinrichtung können Autisten Probleme bereiten und für teils heftige Reaktionen sorgen.
Asperger-Syndrom
Menschen mit Asperger-Syndrom haben für gewöhnlich eine normale Sprachentwicklung. Dennoch haben sie Schwierigkeiten bei der Kommunikation: Sie haben Probleme beim Erkennen sowie beim Einsatz von Mimiken und Gestiken und eine eher monotone Sprechweise. Ihre Fähigkeit, durch Veränderung des Tonfalls, durch den Gesichtsausdruck oder Handbewegungen das Gesagte zu verdeutlichen, ist beeinträchtigt.

Häufig sind Menschen mit Asperger-Syndrom motorisch ungeschickt. Die meisten von ihnen besitzen eine normale allgemeine Intelligenz; in Teilgebieten kann ihre Intelligenz besonders hoch sein. Oft wird die Diagnose Asperger-Syndrom erst im Jugend- oder Erwachsenenalter gestellt.
Frühkindlicher Autismus
Die Merkmale des frühkindlichen Autismus (auch Kanner-Syndrom genannt) zeigen sich schon vor dem dritten Lebensjahr. Besonders deutlich bemerkbar machen sich die Symptome im sozialen Umgang mit anderen, in der Kommunikation und in sich wiederholenden stereotypen Verhaltensweisen. Die Ausprägung der einzelnen Symptome ist von Kind zu Kind unterschiedlich.

Autistische Kinder können zunächst keine Geste, kein Lächeln, kein Wort verstehen. Sie ziehen sich zurück und kapseln sich ab. Jede Veränderung in ihrer Umwelt erregt sie stark. Autistische Kinder können nicht spielen und benutzen ihr Spielzeug in immer gleicher, oft zweckentfremdeter Art und Weise. Sie entwickeln Stereotypien: etwa das Drehen und Kreiseln von Rädern und anderen Dingen, das Wedeln mit Fäden oder Papier.

Autistische Kinder haben häufig vom Säuglingsalter an Probleme beim Essen und beim Schlafen und entwickeln selbststimulierende Verhaltensweisen, die bis zur Selbstverletzung reichen können. Sie bestehen zwanghaft auf ganz bestimmten Ordnungen. Sie weigern sich beispielsweise, bestimmte Kleidung zu tragen, wiederholen immer wieder bestimmte Verhaltensweisen oder sprachliche Äußerungen oder sammeln exzessiv bestimmte Gegenstände. Oft bringen sie damit ihre Eltern zur Verzweiflung.

Die intellektuelle Begabung autistischer Kinder ist sehr unterschiedlich. Sie reicht von geistiger Behinderung bis hin zu normaler Intelligenz. In Teilbereichen entwickeln die Kinder häufig erstaunliche Fähigkeiten, etwa in technischen Disziplinen oder der Musik.

Schätzungen zufolge sind in Europa, Kanada und den USA ein bis zwei von tausend Kindern von frühkindlichem Autismus betroffen. Verlässliche Zahlen, wie häufig die Störung in Deutschland auftritt, gibt es bisher nicht. Zwar können autismusbedingte Beeinträchtigungen mit Hilfe spezieller Therapien und Trainings gebessert oder kompensiert werden. Eine Heilung ist aber nicht möglich. Die meisten Menschen mit Autismus benötigen lebenslange Hilfe und Unterstützung.

Trotz umfangreicher Forschungsergebnisse gibt es bisher kein Erklärungsmodell, das vollständig und schlüssig die Entstehungsursachen des frühkindlichen Autismus belegen kann.

Quelle: autismus Deutschland e.V.