Stresserkrankungen Bundeswehrsoldaten suchen häufiger psychologische Hilfe

Sie waren im Krieg, haben Tod und Zerstörung hautnah erlebt: Hunderte Bundeswehrsoldaten leiden unter traumatischen Stresserkrankungen. Die Zahl der Behandlungen ist auf Rekordniveau gestiegen.

Bundeswehrsoldat in Afghanistan 2012: Der Zusammenbruch kommt oft Jahre später
REUTERS

Bundeswehrsoldat in Afghanistan 2012: Der Zusammenbruch kommt oft Jahre später


Der Kampfeinsatz der Bundeswehr in Afghanistan ist beendet. Doch die Gräuel des Krieges hinterlassen Spuren bei den Soldaten. Nach Angaben der Bundeswehr wurden 2014 insgesamt 431 Einsatzsoldaten wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) behandelt. In 204 Fällen handelte es sich um Neuerkrankungen, das sind 55 mehr als im Vorjahr.

Daneben registrierte die Bundeswehr weitere 214 Soldaten mit anderen psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen. Bei 164 von ihnen wurde die Diagnose zum ersten Mal gestellt. Das sind 20 neue Fälle mehr als 2013. Unter dem Strich stieg die Zahl der psychischen Neuerkrankungen damit um 25,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

"Die Sensibilität für das Thema hat zugenommen. Und die Stigmatisierung der Betroffenen hat abgenommen. Das ist aus unserer Sicht der Grund für die Zunahme", sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums der "Berliner Zeitung". Die verteidigungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Christine Buchholz, kommentierte die Entwicklung dagegen mit den Worten: "Krieg macht krank."

Lesen Sie hier, wie es ist, wenn ein Geräusch, ein Geruch oder ein Bild Todesangst, Atemnot und Schweißausbrüche auslösen: Ein Bundeswehrsoldat unter "Weichei-Verdacht".

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, der Bundeswehreinsatz in Afghanistan sei beendet. Tatsächlich ist nur der Kampfeinsatz vorbei, er wurde von einer Ausbildungs- und Beratungsmission abgelöst. Wir haben die Angabe präzisiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

vet/dpa

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insgesamt 28 Beiträge
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slartibartfas42 11.02.2015
1. von wegen freiwillig
das ist auch der Grund warum wir jetzt eine freiwilligen Armee haben, die kosten für solche Behandlungen, so können wir Menschen in den Tod schicken ohne Verantwortung über nehmen zu müssen, weil unsere grossen Parteien denken Krieg aus wirtschaftlichen Verhältnissen zu fuhren zu müssen
thg 11.02.2015
2. ich würde vermutlich ebenso reagieren,
müsste ich mit derart wenig Rückhalt meines Landes für die Politik das Kreuz hinhalten. Dazu noch die unerträglich marode Technik und das Geseier verlogener Politiker. Jenseits der berliner Traumfabrik ist es bittere Realität wenn sich Zivilisten freiwillig selbst wegbomben.
mermes 11.02.2015
3. leider...
..betrifft dad nicht nur unsere Soldaten an der front - selbst im Inland sind unzaehlige Junge Leute psychisch an ihrer Belastungsgrenze.. aber das sieht ja niemand :-).
grool 11.02.2015
4. mh
Augen auf bei der Berufswahl. Wer sich dazu verpflichtet, sollte wissen was ihn erwartet. Oder gehen alle nur wegen des Geldes dahin ? Immerhin gibt es ja in Afghanistan 100 EU pro Tag zum Sold dazu.
Rumgeseier 11.02.2015
5. Lange Geschichte
Die Kriegstraumata haben in Deutschland schon eine lange Geschichte, warum jetzt einige Stimmen überrascht sind, wenn unsere Jungs traumatisiert aus dem Krieg kommen, entzieht sich meinem Verstand. Da der Krieg gegen den Terror nichts gebracht hat, sollte man wieder zur alten Politik zurückkehren und die BRD in der Heimat ostwärts verteidigen, dann gibts auch keine Traumata mehr.
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