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BZgA-Bericht: Hunderttausende Deutsche sind spielsüchtig

Spielhalle: Vor allem das Glücksspiel an Automaten gilt als suchtauslösend Zur Großansicht
DPA

Spielhalle: Vor allem das Glücksspiel an Automaten gilt als suchtauslösend

Laut einer aktuellen Studie nehmen Deutsche zwar insgesamt seltener an Glücksspielen teil als früher. Doch nach wie vor sind mehr als 400.000 Personen spielsüchtig. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen.

Berlin - Lotto, Spielautomaten, Pferdewetten, Online-Poker: Etwa vier von fünf Deutschen ab 16 Jahren haben mindestens einmal in ihrem Leben an einem Glücksspiel teilgenommen. Das berichtet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die am Donnerstag aktuelle Zahlen zu Glücksspielverhalten und -sucht in Deutschland vorgestellt hat. 2013 hat die BZgA dazu 11.501 Menschen im Alter von 16 bis 65 Jahren befragt. Die Befragung findet seit 2007 alle zwei Jahre statt.

Die wichtigsten Ergebnisse der Befragung:

  • Bei rund 1,2 Prozent der Männer und 0,2 Prozent der Frauen liegt ein problematisches Spielverhalten vor, das als Vorstufe zur Spielsucht gilt. Rund 1,3 Prozent der Männer sowie 0,3 Prozent der Frauen werden als glücksspielsüchtig eingeschätzt - insgesamt sind etwa 438.000 Deutsche davon betroffen.
  • Problematisches Spielverhalten und Spielsucht sind vor allem Probleme junger Männer; von den 18- bis 20-jährigen Männern fielen gut neun Prozent in diese Kategorien. Arbeitslosigkeit und Migrationshintergrund sind weitere Risikofaktoren, so die BZgA.
  • Rund 79 Prozent haben schon einmal an einem Glücksspiel teilgenommen. Männer (82 Prozent) häufiger als Frauen (75 Prozent).
  • In den zwölf Monaten vor der Befragung hatten 40 Prozent mindestens einmal ein Glücksspiel gespielt. Dieser Wert sinkt seit Jahren. 2007 waren es noch 55 Prozent, 2011 rund 51 Prozent. Bei der Umfrage 2013 wurden allerdings erstmals nicht nur Menschen über einen Festnetzanschluss angerufen, sondern auch über Mobilfunkanschlüsse, so dass die Zahlen mit denen der Vorjahre nicht komplett vergleichbar sind, warnt die BZgA. Von den rund 10.000 übers Festnetz Angerufenen gaben 45 Prozent an, dass sie in den zwölf Monaten zuvor mindestens einmal an einem Glücksspiel teilgenommen hatten.
  • Rund ein Viertel hatte im Vorjahr mindestens einmal Lotto "6 aus 49" gespielt, das sind weniger bei früheren Befragungen.
  • Fürs Zocken an Geldspielautomaten geht der Trend in eine andere Richtung: 3,7 Prozent hatten die Geräte genutzt. Bei der Befragung 2007 waren es 2,2 Prozent gewesen.
  • Die meisten Befragten geben pro Monat weniger als zehn Euro für Glücksspiel aus. Rund 15 Prozent sagten, dass sie zwischen 10 und 50 Euro einsetzen, je gut vier Prozent geben sogar zwischen 50 und 100 beziehungsweise mehr als 100 Euro pro Monat aus. Auch hier geben Männer im Schnitt mehr aus als Frauen.
  • Die Problemspieler setzten ihr Geld vor allem an Geldspielautomaten, bei Sportwetten oder bei Casino-Spielen im Internet.

Wer vermutet, dass das eigene Spielverhalten problematisch ist, kann sich zum Beispiel mit einem Selbsthilfemanual der Berliner Charité Klarheit verschaffen. Es zeigt auch Möglichkeiten auf, wie Betroffene ihre Probleme lösen können. Die BZgA bietet neben einer Online-Beratung auch eine Liste von Beratungsstellen, Kliniken und Selbsthilfegruppen.

Die BZgA hat sowohl von der Staatlichen Lotto- und Toto-GmbH als auch vom Verband der Deutschen Automatenindustrie Geld für die Prävention der Spielsucht erhalten.

wbr

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1. Gewerbesteuer über alles ...
hfcoma 20.02.2014
Kein Wunder, wenn Kommunen wie Darmstadt meinen, durch Spielhöllen aller Orten die Stadtkasse aufzubessern. Ich weiß gar nicht wieviele "Casinos" wir mittlerweile in Darmstadt haben. Zum Glück dürfen diese Spielhöllen zumindest "Casino" nicht mehr im Namen gebrauchen.
2. Illegales Glücksspiel
antechamber 20.02.2014
Mich wundert es, dass Deutschland immer noch keine bundesweite Legalisierung und Gesetzgebung für online Glücksspiel hat, so dass man sich nur auf Seiten wie Casial über die Seriosität von Online Anbietern informieren kann. Schleswig Holstein geht hier in eine richtige Richtung, allerdings ist die Überwachung für Glücksspielsucht bei Online Anbietern wie auch bei lokalen Spielhallen einfach nicht präsent! Hier scheinen Gauselmanm & Co gute Lobbyarbeit zu leisten und am Ende lächelt die Sonne im Abendprogramm...
3. vorsicht
xcountzerox 20.02.2014
vorsicht bei recherche. die gauselmann-gruppe soll wikipedia infos manipulieren lassen. wie bei alkohol und zigaretten, kassiert der staat an der glückspielsucht enorme beträge. moralisch vertretbar?
4. 400.000?
elizar 20.02.2014
Bie einer Bevölkerung von 80 Mio sind das also mal gerade 0,5%. Da frag ich mich doch, wieviele alkoholsüchtig sind.
5. Glücksspielautomaten...
fatherted98 20.02.2014
....bieten dem organisierten Verbrechen seit Jahrzehnten die Möglichkeit Drogen, Waffen und Menschenhandelsgewinne rein zu waschen....wer prüft schon ob die Millionen Umsätze in den Spielhallen tatsächlich durch die Spielenden zustande kommen oder durch den täglichen Geldboten der Mafiosies....komisch nur das der Staat hier überhaupt keinen Grund zum eingreifen sieht....vielleicht weil man sich kennt und gern mag...in Bawü soll es ja mal einen MP gegeben haben der in diesen Kreisen gut bekannt war.
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