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Ernährung: Wie Nährstoffe bei Depressionen helfen könnten

Von Katrin Neubauer

Hirnscans: Jeder Depression liegt eine Stoffwechselstörung im Gehirn zugrunde Zur Großansicht
Corbis

Hirnscans: Jeder Depression liegt eine Stoffwechselstörung im Gehirn zugrunde

Lindern Vitamine, Zink und Co. Depressionen? Forscher vermuten, dass die Ernährung bei der Erkrankung eine Rolle spielt - und suchen nach Therapieansätzen. Ärzte aber warnen davor, auf eine Heilung durch Nährstoffe zu hoffen.

Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Energielosigkeit und Konzentrationsprobleme: Das sind nur einige Symptome der Depression, die im schlimmsten Fall das Leben unerträglich machen kann. Nach dem Bundesgesundheitssurvey leiden in Deutschland mehr als drei Millionen Menschen zwischen 18 und 65 Jahren daran. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass eine Depression bis zum Jahr 2020 weltweit die zweithäufigste Volkskrankheit sein wird.

Auslöser kann es viele geben: Überforderung, Stress, Trauer, physische Krankheiten, genetische Faktoren. Manchmal findet sich gar keiner. Sicher ist, dass jeder Depression eine Stoffwechselstörung im Gehirn zugrunde liegt. Zudem häufen sich die Hinweise, dass ein Mangel an bestimmten Nährstoffen Depressionen begünstigen könne.

Botenstoffe für die Stimmung

Genau an diesem Punkt wollen Forscher jetzt ansetzen: Denn umgekehrt, so die Erwartung, könnte eine ausreichende Zufuhr die Heilung einer Depression unterstützen. Zu den Nährstoffen zählen Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe. Daraus bildet der Körper sogenannte Neurotransmitter wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin - jene Botenstoffe, die für eine ausgeglichene Stimmung, Antrieb, Schlaf und Konzentration verantwortlich sind.

Um den Zusammenhang zwischen Ernährung und Depressionen zu untersuchen, startet gerade eine von der EU geförderte Studie mit tausend Probanden. "Ziel ist es, eine wirksame Ernährungsstrategie zur Vorbeugung von Depressionen zu finden", sagt Elisabeth Kohls, Projektkoordinatorin und Psychologin an der Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig. Das Projekt läuft in neun europäischen Ländern und ist über fünf Jahre angelegt.

Die Forscher gehen der Frage nach, ob der Trend zu mehr industriell erzeugten Produkten und Fast Food Übergewicht fördert, gleichzeitig dem Körper aber weniger Nährstoffe zuführt - mit Folgen für die Psyche. Bereits eine seit 1999 laufende Untersuchung aus Spanien mit mehr als 10.000 Probanden hatte Hinweise geliefert, dass eine mediterrane Kost mit Omega-3-Fettsäuren das Depressionsrisiko um 30 Prozent senken kann.

"Einige Studien weisen darauf hin, dass es einen komplexen Zusammenhang zwischen Ernährung, Übergewicht und Depression gibt", sagt Kohls. "Allerdings ist bisher nicht belegt, welche Rolle das Ernährungsverhalten dabei genau spielt." In Leipzig soll unter anderem untersucht werden, welche Auswirkungen eine Ernährungsumstellung und die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln auf das Depressionsrisiko hat.

Auch Stress beeinträchtigt die Nährstoffbilanz des Körpers. "Durch einen stressigen Lebensstil in Kombination mit unausgewogener Ernährung kann es zu einer Erhöhung von Stresshormonen wie Kortisol, Aldosterone und Adrenalin kommen, die bestimmte Mineralien vermehrt aus dem Körper ausschwemmen", sagt Harald Murck, Privatdozent an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Philipps-Universität Marburg. Dies könne sowohl das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie für Depressionen erhöhen.

Umgekehrt weisen Beobachtungen darauf hin, dass eine erhöhte Gabe von Magnesium zu einer Besserung von Depressionssymptomen beitragen kann. placebokontrollierte klinische Studien dazu laufen bereits. Laut Murck könnten auch andere Supplemente die Wirksamkeit von Antidepressiva möglicherweise unterstützen. "Dazu gehören Folsäure, bestimmte Omega-3-Fettsäuren und Zink." Allerdings sollte die Einnahme dieser Substanzen immer unter der Aufsicht eines Arztes erfolgen.

Zweifelhafte Therapieansätze

Michael Spitzbart, niedergelassener Arzt in Bad Aibling bei München praktiziert bei Depressiven seit längerem eine konzentrierte Zufuhr von Nährstoffen anstelle von Antidepressiva. "Schätzungsweise 85 Prozent der Patienten fühlen eine positive Wirkung", sagt Spitzbart, der nach eigenen Angaben in den vergangenen 18 Jahren einige tausend Betroffene mit Nährstoffkonzentraten behandelt hat.

In Bluttests lässt er den Status von insgesamt 34 Stoffwechsel-Parametern prüfen. "Patienten mit Depressionen haben besonders viele Defizite im Eiweißstoffwechsel", sagt der Arzt. "Gehirnaktive Aminosäuren, wie Tryptophan, Tyrosin und Phenylalanin werden mit der heutigen Ernährung weniger aufgenommen, aber im beruflichen Stress mehr verbraucht", so seine Vermutung.

Allerdings ist diese alternativmedizinische Methode der sogenannten orthomolekularen Therapie wissenschaftlich nicht belegt und wird von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht bezahlt. Depressionsforscher haben massive Zweifel an ihrer Wirkung. "Von Blutwerten auf die komplizierten Störungen des Stoffwechsels im Gehirn bei Depressionen zu schließen, ist bislang nicht möglich", sagt Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig. "Vitaminmangel spielt nach unseren Erfahrungen keine wesentliche Rolle bei Depressionen."

Es sei falsch zu glauben, so Hegerl, diese schwere und oft lebensbedrohliche Krankheit sei allein mit Nährstoffen zu heilen. "Zur leitlinienkonformen Behandlung mit Antidepressiva und Psychotherapie gibt es derzeit keine Alternative."

Mehr Informationen rund um das Thema Depressionen finden Sie hier.

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insgesamt 53 Beiträge
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1.
nsa 07.03.2014
Viele Vitamine haben bei Unterversorgung Depressionssymptome als Folge. Aber das ist nur eine von vielen Ursachen, die Depressionen auslösen können. Letztendlich wird wohl nur ein verschwindend kleiner Teil der Depressionen durch Nährstoffmangel ausgelöst worden sein. Zum Glück braucht man keinen Arzt oder Rezept um das zu testen - einfach ein paar Wochen Vitamine einwerfen und darauf achten ob es einem besser geht.
2. Wie sonst?
dr.u. 07.03.2014
Zitat von sysopCorbisLindern Vitamine, Zink und Co. Depressionen? Forscher vermuten, dass die Ernährung bei der Erkrankung eine Rolle spielt - und suchen nach Therapieansätzen. Ärzte aber warnen davor, auf eine Heilung durch Nährstoffe zu hoffen. http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/depressionen-wie-naehrstoffe-bei-der-therapie-helfen-koennten-a-955640.html
Wie sonst? Man nimmt eineBlutprobe vor dem Hirn und eine nach dem Hirn und analysiert alle Bestandteile. Und wenn man dann Unterschiede in den Zusammensetzungen von depressiven und nicht depressiven Menschen sieht, bekommt doch wohl eine ziemlich gute Idee davon, was der Eine zuviel oder zuwenig an Nährstoffen zuführt. AUs eigener Erfahrung kann ich die positive Wirkung von Tryptophan nur bestätigen. Unsichere Menschen mit Angstsymptomen, schnell reizbar, mimosenhaft introvertiert, antriebslos und unausgeglichen werden auf einmal wieder fröhlich, gewinnen (Selbst)sicherheit, Abstand und Überblick, sind morgens besser drauf, ausgeglichener und lebenshungriger. Aber an leitliniengerechter Verabreichung von Psychopharmaka kann man einfach mehr verdienen, als an einer gesunden Ernährung. Letzteres kann jeder selber erreichen, ohne auf teure, nebenwirkungsbeaftete Medikamente angewiesen zu sein.
3.
!!!Fovea!!! 07.03.2014
Zitat von sysopCorbisLindern Vitamine, Zink und Co. Depressionen? Forscher vermuten, dass die Ernährung bei der Erkrankung eine Rolle spielt - und suchen nach Therapieansätzen. Ärzte aber warnen davor, auf eine Heilung durch Nährstoffe zu hoffen. http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/depressionen-wie-naehrstoffe-bei-der-therapie-helfen-koennten-a-955640.html
Hm, gab es nicht vor ein paar Wochen einen Bericht, der die Vitaminlobby kritisch betrachtete.....???? Und das wir genügend Vitamine über das Essen aufnehmen???
4. Die Wahrheit über Antidepressivas - TEIL 1.
jos777 07.03.2014
Der Artikel vermittelt zum Teil den Eindruck, das auf sogenannte Antidepressiva-Tabletten verzichtet werden könnte. Die wäre aber für hundertausende Arbeitsplätze in medizinischen Praxen und besonders in der pharmazeutischen Industrie von erheblichen Nachteil. Es ist zwar bis heute nicht bewiesen, daß Antidepressivas überhaupt eine Wirkung auf das Gehirn haen (Blut-Hirn-Schranke), trotzdem lebt die medizinische Industrie seit Jahren sehr gut damit, sei es die Arbeitsplatzsicherung oder auch die Rendite von Aktiengesellschaften. Zudem sind auch viele Patienten zufrieden, wenn ein Problem sich mit wenig Aufwand "vermeintlich" lösen läst. Also könnten wir alles so belassen wie es ist. Im Umkehrschluß müßten nämlich die Milliarden Gelder umgeleitet oder auch aufgestockt werden, wenn nämlich nicht die Symptome, sondern die wahren Ursachen behandelt werden. Eine dauerhafte Betreuung eines psychisch erkrankten Menschen mit einem Angehörigen oder einem Pfleger über mehrere Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre ist nämlich sehr zeitaufwendig und kostet zudem viel Geld. Nach Durchleben der schweren Zeit mit Hilfe einer Vertrauensperson und entsprechender Maßnahmen (Spaziergänge, Zuwendungen, Gespräche, gute Ernährung, langsamerer Steigerung der Leistungsbereitschaft, etc.) könnte bei einem Großteil der psychisch erkrankten Personen nach 1 bis 2 Jahren wieder Normalität einkehren. Wie bereits erwähnt, ist eine dauerhafte Betreuung meistens zu zeit- und geldaufwendig. Außerdem sind die familären Systeme wie vor ca. 50 Jahren heute nicht mehr vorhanden, so daß die Unterstützung in der Großfamilie auf die medizinischen System abgeschoben wird. Fazit: Da weder Politiker an den Systemen was ändern möchten/können (Drohung der Pharmaindustrie Arbeitsplätze abzubauen bzw. ins Ausland zu verlagern) und auch die Gesellschaft heute zunehmend "egoistisch auf Karriere" ausgelegt ist, werden psychisch erkrankte Menschen auch zukünftig mit Tabletten zahlreiche Nebenwirkungen erleiden oder im besten Fall ruhig gestellt werden. Nebenwirkungen können Knochenbrüche, Organschädigungen, geistige Beeinträchtigungen, etc. sein. Sobald eine Nebenwirkung voll zuschlägt, wird der erkrankte Mensch noch mehr psychisch runtergezogen oder er verstirbt vorzeitig, was eigentlich nicht sein müßte. Glück hat derjenige, welcher verständnisvolle Angehörige oder Nachbarn bzw. Freunde hat, die sich auch einmal in einer psychischen Krise (Partnertrennung, Mobbing am Arbeitsplatz, etc.) über längere Zeit und unentgeltlich aufopfern.
5. kann ich so nur bestätigen
realheadache 07.03.2014
http://www.dr-gahlen.de auf der Webseite ist der Zusammenhang zwischen Nährstoffmangel, Stress und Adrenalin und der damit einhergehenden Probleme gut erklärt. Hatte Burnout und Depressionssymtome und habe Sie dadurch in den Griff bekommen. Das Heisst natürlich nicht, dass alle Depressionserkrankten damit geholfen werden kann, aber wenn es auch nur 10% hilft währe dies ja schon super.
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Zur Autorin
  • Katrin Neubauer
    Katrin Neubauer hat in Deutschland und den USA Lateinamerikanistik und Journalismus studiert. Sie arbeitet als freie Redakteurin in Berlin.

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Depressionen
Krankheit und Verbreitung
Depressionen sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Nach epidemiologischen Studien erkranken etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung im Laufe des Lebens an einer Depression. Gemeint sind damit nicht leichte Verstimmungen, sondern psychische Probleme, die behandelt werden müssen.

Geschieht dies nicht, können die Folgen dramatisch sein: Depressionen zählen in Deutschland zu den häufigsten Gründen für Berufsunfähigkeit und werden für die Mehrzahl der rund zehntausend jährlichen Suizide verantwortlich gemacht.
Ursachen und Formen
Die Ursachen der Depressionen sind vielfältig und bleiben bei vielen Patienten unbekannt. Auslöser kann ein Schicksalsschlag sein. Es gibt aber auch Depressionen, die von einem ungelösten, frühkindlichen Konflikt herrühren, der bis ins Erwachsenenalter hineingetragen wird. Auch Medikamente können mitunter eine Depression auslösen: Sie wird als Nebenwirkung bei zahlreichen Arzneien genannt.

Eine endogene Depression entsteht, wenn Stoffwechselvorgänge im Gehirn gestört sind. Sie tritt oft plötzlich und scheinbar ohne Ursache auf; Mediziner vermuten auch eine erbliche Komponente. Eine neurotische oder Erschöpfungsdepression kann durch langfristige Belastungen entstehen, eine reaktive Depression wird oft durch ein aktuelles Ereignis wie etwa einen Trauerfall verursacht.

Seltener ist die bipolare Störung, die früher auch manisch-depressive Erkrankung genannt wurde. Hier wechseln sich extrem gehobene Stimmung und tiefe Niedergeschlagenheit ab. Die Betroffenen erleben mehr und kürzere depressive Phasen, die immer häufiger auftreten, je länger die Störung anhält. Zusätzlich gibt es noch mehrere Unterformen der Depression.
Symptome
Der Depressive erlebt eine anhaltend gedrückte und traurige Stimmung, wobei die Symptome am Morgen oft schlimmer sind als abends. Ein wichtiges Symptom sind Schlafstörungen. Die Patienten ziehen sich zurück und verlieren das Interesse an gesellschaftlichen Kontakten und an vielen anderen Dingen des Lebens. Oft kommen Angst und unbegründete Schuldgefühle hinzu sowie das Gefühl völliger Wertlosigkeit.
Therapie
Depressionen gelten allgemein als gut behandelbar. Oft hilft eine Kombination aus modernen Psychopharmaka und Psychotherapie. In manchen Fällen ist auch gezielter Schlafentzug oder eine Lichttherapie sinnvoll. Nach Abklingen der Symptome muss die Behandlung meist lange Monate fortgesetzt werden, da ein hohes Rückfallrisiko besteht.
Was können Betroffene tun?
Um aus einer Depression herauszufinden, ist das Wichtigste, sich Hilfe bei einem Arzt, Psychotherapeuten oder einer anderen Anlaufstelle zu suchen.

Vielen Patienten hilft es, ihren Tagesablauf zu strukturieren, sagt Angelika Schlarb vom Psychologischen Institut der Universität Tübingen. "Es ist wichtig, morgens überhaupt aufzustehen und sich körperlich beziehungsweise sportlich zu engagieren. 30 Minuten schneller Spaziergang helfen dabei so gut wie ein Antidepressivum."

Zudem sollte man sich Aufgaben suchen, die zu bewältigen sind und Negatives umgehen. Angehörige sollten negative Äußerungen des Depressiven ignorieren und versuchen, auf mögliche positive Tagesereignisse zu sprechen zu kommen.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe bietet auf ihrer Internetseite weitere Informationen zur Krankheit. Um herauszufinden, ob man selbst depressiv ist, kann als erster Schritt der Selbsttest der Stiftung helfen.

Mit Material von dpa


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