Von Jana Hauschild
Ein bisschen mehr Fisch, viele Früchte und Nüsse und immer ein Schuss Olivenöl dazu: Die Mittelmeerkost hat schon lange den Ruf, besonders gesund zu sein. Seit einiger Zeit mehren sich auch die Studien, die auf einen Zusammenhang zwischen mediterraner Ernährung und einem geringeren Risiko für Depressionen hinweisen.
Ein spanisches Forscherteam veröffentlichte 2009 eine Untersuchung, bei der man über einen Zeitraum von vier Jahren die Gesundheit und den Lebensstil von 10.000 Spaniern beobachtete. Jene Teilnehmer, die sich konsequent mediterran ernährten, erkrankten um bis zu 50 Prozent seltener an einer Depression als jene Probanden, die sich normal ernährten.
Eine weitere Studie der spanischen Forscher nähert sich dem Phänomen von der anderen Seite. Nicht was eine Depression verhindert, sondern was sie auslösen kann, haben sie an über 12.000 Studienteilnehmern untersucht. Wie sie im Fachjournal "PLoS One" berichten, durchlebten 657 der Testpersonen in einem Zeitraum von mehr als zehn Jahren eine Depression.
Dabei hatten Teilnehmer, die viele Transfettsäuren zu sich nahmen, ein um 48 Prozent erhöhtes Risiko, an einer Depression zu erkranken. Diese Substanzen finden sich häufig in industriell hergestellter Nahrung wie etwa Margarine oder frittierten Produkten.
Leckeres macht glücklich
Die Studien suggerieren: Eine durchdachte Ernährung habe Therapiecharakter. Der Chefarzt Ulrich Voderholzer von der Schön Klinik Roseneck am Chiemsee sieht das kritisch: "Falsche Ernährung löst keine Depression aus. Allein durch richtige Ernährung kann man diese schwere seelische Erkrankung nicht heilen."
Ganz absprechen möchte er den Effekt von Essen jedoch nicht: "Dass Nahrungsmittel die Stimmung aufhellen, weiß jeder aus seinem Alltag. Durch Schokolade zum Beispiel wird der Serotoninspiegel im Gehirn kurzzeitig erhöht." Der Botenstoff ist bei Depressiven zu wenig vorhanden. Eine kleine Süßigkeit nach der Hauptmahlzeit könne der Mediziner daher nur empfehlen.
Doch nicht nur Schokolade kann positive Gefühle auslösen. "Wenn man etwas Leckeres isst, dann fühlt man sich eben insgesamt auch wohler, als wenn man immer an trockenen Instant-Nudeln knabbert", sagt Gerd Kempermann vom DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien in Dresden.
Wichtiger erscheint Voderholzer weniger was die Patienten essen, sondern wie. "Viele essen nicht mehr regelmäßig, weil ihnen der Antrieb dazu fehlt. Im Klinikalltag beobachten wir, dass geregelte Mahlzeiten die Stimmung verbessern können."
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Gesundheit | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Psychologie | RSS |
| alles zum Thema Depressionen | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH