Depressionen: Wie Schlafentzug gegen das Seelentief hilft
Stromstöße ins Gehirn, Schrittmacher für Hirnnerven oder Schlafentzug - die Methoden muten grausam an, doch bei schweren Depressionen können sie helfen, wenn Psychotherapien und Medikamente versagen. Einige der Alternativen sind umstritten - versprechen aber großen Erfolg.
Wenn eine schwere Depression zur Dauerqual wird, und wenn die üblichen Medikamente und Psychotherapien nicht helfen, greifen Ärzte manchmal zu sehr drastisch anmutenden Methoden: Von der Elektrokrampftherapie bis hin zum Schrittmacher für Hirnnerven - oftmals sind diese Verfahren der letzte Hoffnungsschimmer für Menschen, die dem Dauertief nicht entkommen können.
Aber auch bei leichten Symptomen probieren Mediziner mitunter scheinbar ungewöhnliche Maßnahmen aus. Manche von ihnen sind erfolgversprechend, andere müssen noch genauer überprüft werden.
SPIEGEL ONLINE stellt die wichtigsten alternativen Therapien gegen Depressionen vor und erklärt, wie wirksam sie wirklich sind.
- 1. Teil: Wie Schlafentzug gegen das Seelentief hilft
- 2. Teil: Elektrokrampftherapie: Von Krampf keine Spur
- 3. Teil: Vagusnerv-Stimulation: Schrittmacher für die Psyche
- 4. Teil: Transkranielle Magnetstimulation: Kopf im Magnetfeld
- 5. Teil: Wachtherapie: Kochen statt Schlafen
- 6. Teil: Mittelmeerkost: Fisch und Nüsse gegen die Schwermut
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- Mittwoch, 06.06.2012 – 08:11 Uhr
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Geschieht dies nicht, können die Folgen dramatisch sein: Depressionen zählen in Deutschland zu den häufigsten Gründen für Berufsunfähigkeit und werden für die Mehrzahl der rund zehntausend jährlichen Suizide verantwortlich gemacht.
Eine endogene Depression entsteht, wenn Stoffwechselvorgänge im Gehirn gestört sind. Sie tritt oft plötzlich und scheinbar ohne Ursache auf; Mediziner vermuten auch eine erbliche Komponente. Eine neurotische oder Erschöpfungsdepression kann durch langfristige Belastungen entstehen, eine reaktive Depression wird oft durch ein aktuelles Ereignis wie etwa einen Trauerfall verursacht.
Seltener ist die bipolare Störung, die früher auch manisch-depressive Erkrankung genannt wurde. Hier wechseln sich extrem gehobene Stimmung und tiefe Niedergeschlagenheit ab. Die Betroffenen erleben mehr und kürzere depressive Phasen, die immer häufiger auftreten, je länger die Störung anhält. Zusätzlich gibt es noch mehrere Unterformen der Depression.
Vielen Patienten hilft es, ihren Tagesablauf zu strukturieren, sagt Angelika Schlarb vom Psychologischen Institut der Universität Tübingen. "Es ist wichtig, morgens überhaupt aufzustehen und sich körperlich beziehungsweise sportlich zu engagieren. 30 Minuten schneller Spaziergang helfen dabei so gut wie ein Antidepressivum."
Zudem sollte man sich Aufgaben suchen, die zu bewältigen sind und Negatives umgehen. Angehörige sollten negative Äußerungen des Depressiven ignorieren und versuchen, auf mögliche positive Tagesereignisse zu sprechen zu kommen.
Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe bietet auf ihrer Internetseite weitere Informationen zur Krankheit. Um herauszufinden, ob man selbst depressiv ist, kann als erster Schritt der Selbsttest der Stiftung helfen.
Mit Material von dpa
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