Psychologie Anleitung zum Glücklichsein

Glück und Zufriedenheit, darauf hoffen viele fürs kommende Jahr. Eine Glücksforscherin erklärt, was jeder selbst tun kann, damit der Wunsch in Erfüllung geht.

Erfolge feiern
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Glück kann man lernen, davon ist die Forscherin Michaela Brohm-Badry überzeugt. Ein wichtiger Kniff: Immer wieder aktiv Situationen schaffen, die sich erfolgreich abschließen lassen. Das könne alles Mögliche sein - Sport treiben, im Job eine größere Aufgabe erledigen, das Bad putzen oder die Hecke schneiden.

Wenn man etwas gezielt erledigt habe, springe das Belohnungszentrum im Gehirn an und schütte Neurotransmitter wie Dopamin aus, die Glücksgefühle auslösten, sagt die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Positiv-Psychologische Forschung.

Nicht bloß auf der Couch sitzen

Andersherum: Wer meist passiv sei, nehme sich die Chance auf dieses Glücksempfinden, sagt die Bildungswissenschaftlerin von der Universität Trier. Denn in Zuständen der Langeweile und Demotivation würden diese Stoffe nicht ausgeschüttet. "Wer nur auf dem Kanapee sitzt, sorgt nicht dafür, dass er Erfolgserlebnisse hat und hat dadurch auch ein anderes Glücksempfinden", so Brohm-Badry.

Lob und Komplimente lösen laut ihrer Schilderung kurzfristige Glücksgefühle aus. Für ein längerfristiges Wohlbefinden brauche es mehr: positive Emotionen, eine Aufgabe, für die man brenne, stabile Beziehungen und einen Sinn im Leben - privat oder beruflich.

Zu viel Aktivität und Stress könne das Glücksempfinden allerdings auch zerstören. Brohm-Badry rät deshalb zu Rückzugsorten und -zeiten. "Wir brauchen mehr Zeiten, in denen wir einfach ruhig werden, reflektieren und bei uns sind."

Glückliche Dänen

Möglicherweise sei dies einer der Gründe, warum die Dänen laut Erhebungen zu den zufriedensten und glücklichsten Menschen zählten, sagte Brohm-Badry. Sie lebten die Tradition des "Hygge", der Geborgenheit und Gemütlichkeit. "Dazu gehörte eben genau das: Sich zurückziehen, alleine oder mit Freunden, und zur Ruhe zu kommen."

Wie Glück entsteht und andauert, beschäftigt Wissenschaftler weltweit. So formulierte etwa die US- amerikanische Psychologin Carol Ryff sechs Säulen des Wohlbefindens. Es sind demnach:

  • Selbstakzeptanz,
  • soziale Beziehungen,
  • Autonomie,
  • Lebenszweck,
  • aktive Umweltgestaltung,
  • persönliches Wachstum.

Birgit Reichert, dpa/wbr



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
toskana2 30.12.2016
1. Anleitung?!
Eine Anleitung für unser Glück kann es gar nicht geben. Weil jede "Anleitung" dieser Art über den Kopf läuft. Ob wir glücklich oder unglücklich werden,darüber entscheidet ausschließlich die Schicksalsgöttin Tyche!
Sabin Chen 30.12.2016
2.
Ich empfehle dazu das Buch "Anleitung zum Unglücklich sein" ! Ein grandioses Meisterwerk. Beim Lesen des Artikels hab ich mich gefragt, warum ich prinzipiell kurz vor Abschluss einer Aktion das Interesse verliere und mich etwas Neuem zuwende? Wird bei mir zu früh ausgeschüttet? Meist muss mein Mann meine sämtlichen Baustellen zu Ende bringen..
Pfaffenwinkel 30.12.2016
3. Nicht schon wieder
Es gibt Bücher wie Sand am Meer, die uns sagen wollen, wie man glücklich wird. Die meisten sind nichtssagend wie die täglichen Horoskope.
StefanZ.. 30.12.2016
4. Glücklichsein mit Erfolgsgarantie
Die aufgezählten Punkte sind alle nützlich, aber doch recht vage, um die Sache nachhaltig anzugehen. Im Grunde gibt es nur zwei Aufgaben. Erstens, den im Artikel erwähnten Sinn des Lebens zu erforschen und schlussendlich zu erkennen. Dabei geht es nicht um x-beliebige Hobbies, Geld- Macht- oder Vergnügungsmaximierungen und dergleichen, sondern um die persönliche Weiterentwicklung/Evolution zu einem besseren Menschen, und auf dieser Basis aufbauend Hilfe für Mitlebewesen. Der zweite Punkt ist das Erlernen von ausgeglichen positiven Denkweisen verbunden mit dem bewussten kontrollieren von eigenen Gedanken und daraus entstehenden Gefühlen. So kann man sich in den meisten Fällen selbst aus Depressionen herausarbeiten, ohne Spezialisten hinzuzuziehen. Meine Leseempfehlung dazu ist: Die Macht der Gedanken von Eduard Albert Meier.
fpa 30.12.2016
5. eigentlich alles richtig - nur ...
"Wie Glück entsteht und andauert, ...: Selbstakzeptanz, soziale Beziehungen, Autonomie, Lebenszweck, aktive Umweltgestaltung, persönliches Wachstum." Genau so ist es. Die Begründung jedoch, einfach nur hanebüchen. Das mit dem Dopamin als Glückshormon ist einfach nicht aus den Köpfen herauszubringen, eine hartnäckige Mär wie die vom massiven Eisen im Spinat. Dopamin ist nicht etwa die Substanz, die nach einem Erfolg ein Glücksempfinden auslöst, sondern eine Substanz, die bereits bei der Hoffnung bzw, der Erwartung des Erfolgsglücks ausgeschüttet wird und uns so überhaupt erst arbeitsfähig macht. (Dazu empfehle ich diesen Youtube Clip von Prof. Robert M. Sapolsky https://www.youtube.com/watch?v=axrywDP9Ii0 ). Langeweile und Demotivation, aber auch chronische Unzufriedenheit, sind nicht etwa die Ursache , sondern die Folge von Dopaminmangel. Statt "Glücks-Hormon" sonnte man Dopamin besser "Motivations-Hormon" nennen. Auch das Gleichsetzen von Glück und Zufriedenheit ist durchaus problematisch. Zufriedenheit hat viel mit Dopamin zu tun, Glück eher mit ß-Endorphin, also körpereigenem Morphium. Diese primär schmerzlindernde Substanz wird stets zusammen mit dem Stressregulierer ACTH gebildet, einem Botenstoff vom Gehirn zur Nebenniere, damit diese die körperlich (evolutionär) sinnvollen Maßnahmen zur Bewältigung der Stressreduktion einleitet. (Hier empfehle ich das Buch von Sapolsky "Warum Zebras keine Migräne kriegen".) Entsprechend verzahnt ist Glück mit Stress, mit wenig vorhandenem Disstress, ausreichend vorhandenem Eustress und einem gut funktionierendem Stressverarbeitungssystem (HPA-Achse). Und jetzt kommt leider die Crux, weshalb man absolut sinnvolle Regeln nicht so einfach zu simplen Rezepten gemacht werden dürfen: Sowohl bei dem Ruhe-Dopamin-Level als auch bei der der HPA-Achse ist jeder Mensch individuell, beeinflusst sowohl von seinen Genen, wie auch von den Erfahrungen seines Lebens. (Beispiel 1: Vererbung/Dopamin/ADHS; Beispiel 2: Traumata/Stressverarbeitung/Junkee) D.h. die obigen sehr richtigen Empfehlungen können immer nur einen Rahmen schaffen, ein Klima aber nie ein Wetter. Die resultierenden Glücks- bzw. Erfolgserlebnisse kommen nicht unmittelbar, man verbessert damit nur die Chance, sie überhaupt einmal erleben zu können. Jener Artikel lässt leider einen Schluss: "Nicht glücklich? Selbst Schuld!" zu. Und das gehört zu den Schlimmsten, das man Menschen mit dauerhaftem nicht-glücklich-und-zufrieden-sein antun kann. Schon beim ersten Punkt: Wie soll den bitte Selbstakzeptanz gelingen, wenn Fremdakzeptanz nicht da ist.
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