Langzeitstudie: Wie ein glückliches Leben gelingt

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Bachelor-Absolventen: Eine glückliche Kindheit ist gar nicht so wichtig für das spätere Leben

Es ist eine einzigartige Sammlung von Lebensgeschichten: Seit mehr als 70 Jahren begleiten Forscher der Harvard University 268 Menschen und fahnden nach einer Antwort auf die Frage: Was macht ein zufriedenes Leben aus? Und gibt es so etwas wie eine Glücksformel? Die Ergebnisse erstaunen.

George Vaillant scheint das Leben der Menschen, die er beobachtet, besser zu kennen als sein eigenes. Er hat sie bei Höhen und Tiefen, Karriere und Krankheiten, Hochzeiten und Scheidungen gesehen, hat Buch geführt über Firmengründungen, Geburten, Todesfälle, Depressionen und Alkoholabstürze.

"Inzwischen habe ich fast väterliche Gefühle für manche von ihnen entwickelt. Gleichzeitig kommt es mir so vor, als würde ich ein paar Jahre hinter ihnen in ihre Fußstapfen treten und von ihnen lernen", sagt er. Vaillant ist Leiter einer der größten, ausführlichsten und aufwendigsten Studien der Welt: der Grant-Studie. Er selbst ist bereits 77 Jahre alt - und damit nur 15 Jahre jünger als die meisten seiner Studienteilnehmer.

Seit mehr als 70 Jahren begleiten Forscher der Harvard University in Cambridge im Rahmen der Grant-Studie das Leben von 268 Harvard-Absolventen der Jahrgänge 1939 bis 1945. Das Ziel des Mammutprojekts ist letztlich die Antwort auf eine Frage: Wie gelingt das Leben?

Um das herauszufinden, führen Psychologen alle paar Jahre ausführliche Gespräche mit den Teilnehmern, im Abstand von jeweils fünf Jahren werden sie medizinisch untersucht, dazwischen müssen sie mehrmals im Jahr zahllose Fragebögen ausfüllen, Fragen wie diese: Was stört Sie gerade in Ihrem Leben? Was macht Sie glücklich? Wie zufrieden sind Sie mit ihrem Eheleben? Wie oft masturbieren Sie? Und so weiter.

Mit systematischem Vorgehen wollten die Forscher die großen Lebensthemen beackern - und belastbare Antworten finden, statistisch unterlegt. Natürlich war vieles vorhersehbar, was unter den bisherigen Ergebnissen der noch andauernden Studie zu finden ist: Regelmäßige körperliche Bewegung macht ein gelungenes Leben wahrscheinlicher, ebenso wie: kein Rauchen, kein Übergewicht, wenig Alkohol.

Doch einige Ergebnisse erstaunen - und machen Mut: "Das mit Abstand wichtigste ist die Bindung", sagt Vaillant. "Dabei geht es nicht unbedingt um die Bindung zum Lebenspartner, sondern eher um die grundsätzliche Beziehung zu anderen Menschen" - und zwar im Sinne einer menschenliebenden und einfühlsamen Verbindung.

Unverarbeitete Probleme führen häufig zu Krankheiten

Wer versucht, alles "richtig" zu machen, ist aber nicht vor Rückschlägen und Einschnitten gefeit. "Jeder erlebt schwierige Situationen", sagt Vaillant. Wie man dann damit umgehe, sei wesentlich für die Zukunft. Der Psychiater konnte zeigen, dass diejenigen besonders erfolgreich sind, die er die "Adaptierer" nennt. Sie reagieren etwa altruistisch und versuchen, aus der Situation für die Zukunft zu lernen. "Sie kanalisieren ihre starken Gefühle oder aufkommenden Aggressionen so, dass sie innerlich keinen Schaden anrichten, beispielsweise mit Sport", sagt Vaillant. Fatal sei es hingegen, die Probleme nach innen oder außen zu projizieren, ohne sie zu verarbeiten. Folgen sind psychische Krankheiten und aggressives Verhalten.

Es kommt also weniger auf die äußeren Umstände an, als zu erwarten wäre, sondern eher auf die Art, wie man damit umgeht. Das bestätigt sich auch in einer anderen überraschenden Erkenntnis, von der Vaillant berichtet: In fortgeschrittenem Alter lässt sich kaum noch ein Einfluss der Kindheit feststellen. "Niemand ist ein Gefangener seiner Kindheit. Entgegen der weitläufigen Meinung bestimmt sie das Leben im Alter nicht", sagt der 77-Jährige.

Natürlich ist die Studie nicht perfekt, daran wird auch die Dauer der Untersuchung nichts ändern. Und natürlich kann man kritische Fragen stellen: Wie aussagekräftig sind die Ergebnisse, wenn nur Harvard-Absolventen teilnehmen - zudem nur männliche? Was ist ein gelungenes Leben überhaupt? Ist damit jemand gemeint, der nach einer erfüllten Zeit mit 40 Jahren stirbt, oder einer, der einsam und verbittert lebt, aber 90 Jahre alt wird?

Dennoch hat die Studie eine große Stärke: Sie vergleicht und kombiniert verschiedenste Daten aus Psychologie, Medizin, Soziologie. Und die Messlatte ist hoch: Wer alt ist und - nach eigener Einschätzung sowie nach Beurteilung von Medizinern und Psychologen - zufrieden sowie psychisch und körperlich gesund ist, der erfüllt die notwendigen Kriterien für ein gelungenes Leben.

Dabei ist die Frage nach dem geglückten Leben nicht die einzige, die mit Hilfe der Grant-Studie beantwortet werden soll. Inzwischen durchstöbern Forscher aus der ganzen Welt und aus etlichen Fachdisziplinen die Datensätze der 268 Menschenleben.

Eine Gruppe von Philosophen etwa kam nach Auswertung der Gesprächsprotokolle in Kooperation mit Psychologen zu dem Ergebnis, dass Weisheit im Alter von 45 Jahren ihren Höhepunkt hat. Wobei sie Weisheit definieren als die Fähigkeit, von der Unmittelbarkeit des Erlebten einen Schritt zurückzutreten und es aus einer distanzierten, breiteren Perspektive zu betrachten.

Unter den Teilnehmern der Studie war übrigens auch John F. Kennedy, dessen Daten aber wie die aller anderen streng anonymgehalten werden. Etwa ein Viertel der Teilnehmer lebt noch, sie sind heute um die 92 Jahre alt. Die Masse an Daten ist riesig. Neue Ergebnisse werden sich bis weit über den Zeitpunkt gewinnen lassen, an dem die Studie endet: wenn der letzte Teilnehmer verstorben ist.

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insgesamt 114 Beiträge
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1.
Pupsie 28.08.2012
Zitat von sysopAPEs ist eine einzigartige Sammlung von Lebensgeschichten: Seit mehr als 70 Jahren begleiten Forscher der Harvard University 268 Menschen und fahnden nach einer Antwort auf die Frage: Was macht ein zufriedenes Leben aus? Und gibt es so etwas wie eine Glücksformel? Die Ergebnisse erstaunen. http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/0,1518,851729,00.html
Muss die Überschrift nicht eher lauten "Wie ein glückliches Leben männlicher Harvardabsolventen bis heute gelang"? Aber toll, dass sich Akademiker mit sowas ein Leben lang beschäftigen dürfen.
2.
RALF ALG III 28.08.2012
Zitat von sysopAPEs ist eine einzigartige Sammlung von Lebensgeschichten: Seit mehr als 70 Jahren begleiten Forscher der Harvard University 268 Menschen und fahnden nach einer Antwort auf die Frage: Was macht ein zufriedenes Leben aus? Und gibt es so etwas wie eine Glücksformel? Die Ergebnisse erstaunen. http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/0,1518,851729,00.html
Ich finde den Bericht über die Studie sehr interessant. Unwillkürlich vergleicht man mit dem eigenen Leben. Ich selbst würde mich als glücklich bezeichnen, obwohl ich von Hartz IV leben muß, also Armut am eigenen Leib erfahre. Was mich trotzdem zu einem glücklichen Menschen macht, ist viel Sport und viel freie Zeit für mich selbst. Säße ich täglich in einem schlecht klimatisierten Büro mit unzfriedenen Kollegen und arroganten Vorgesetzten, wäre ich bestimmt nicht glücklich. Gesundes Esssen finde ich auch wichtig und gemeinsame Ausflüge mit den Kumpels von der Arge.
3. Yo, wie blöd können "Forscher"sein?
Vanagas 28.08.2012
Zitat von sysopAPEs ist eine einzigartige Sammlung von Lebensgeschichten: Seit mehr als 70 Jahren begleiten Forscher der Harvard University 268 Menschen und fahnden nach einer Antwort auf die Frage: Was macht ein zufriedenes Leben aus? Und gibt es so etwas wie eine Glücksformel? Die Ergebnisse erstaunen. http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/0,1518,851729,00.html
Meine Güte , die brauchen eine 100 Jahre " Studie " um herauszufinden was mein Opa schon immer wußte : " LEBE IN MAßEN " Viola , das ist das ganze Geheimnis !
4.
GSYBE 28.08.2012
Zitat von PupsieMuss die Überschrift nicht eher lauten "Wie ein glückliches Leben männlicher Harvardabsolventen bis heute gelang"? Aber toll, dass sich Akademiker mit sowas ein Leben lang beschäftigen dürfen.
Nö. Frauen sind immer `glücklich´, sie haben Zalando.
5.
munmun 28.08.2012
Eine Studie mit Harvard-Absolventen. Aus dem Artikel geht hervor, es ginge nicht um die äußeren Umstände. Ich hätte gern mal die äußeren Umstände, die es mir ermöglichen würden unbefangen an einer Eliteuniversität zu studieren. Wenn mich dann noch einer fragt, wie oft ich masturbiere muß ich mir warscheinlich um meine Zukunft wirklich keine Sorgen mehr machen... Der Artikel ist so banal wie überflüssig. Die Überschrift ist absolut irreführend.
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Zum Autor
  • Christian Heinrich
    Christian Heinrich ging nach seinem Medizinstudium auf die Deutsche Journalistenschule. Seit 2010 arbeitet er als freier Journalist in Hamburg. Neben Gesundheits- und Wissenschaftsthemen schreibt er auch über Wirtschaft und Gesellschaft, Reise und Bildung.
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