Kinderpsychologie: Jungen sind verhaltensauffälliger als Mädchen

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ADHS, Rangeleien, Computersucht: Der aktuelle Männergesundheitsbericht offenbart, dass Jungen viel häufiger zu psychischen Auffälligkeiten neigen als Mädchen. Doch für heranwachsende Männer mangelt es an zugeschnittenen Behandlungen - und auch die Ursachensuche wird vernachlässigt.

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Zehnjähriger bei den Hausaufgaben: Jungen erhalten oft ADHS-Diagnose

Jungen wirken oft sorglos. Doch auch sie haben Probleme, Ängste und Sorgen. In vielen Fällen werden ihre psychischen Nöte allerdings übersehen. So lautet das Fazit im "Männergesundheitsbericht 2013", den die Stiftung Männergesundheit und die Deutsche Krankenversicherung DKV am Mittwoch in Berlin vorgestellt haben. Im Fokus des Reports steht die psychische Gesundheit von Männern jeden Alters - eines der Kapitel trägt den Titel: "Sorglos oder unversorgt? Zur psychischen Gesundheit von Jungen".

Dem Report zufolge haben Jungen im Vergleich zu gleichaltrigen Mädchen deutlich häufiger psychische Probleme und sind verhaltensauffällig. Gleichwohl seien sie "hinsichtlich ihrer psychischen Gesundheit unversorgt, zumindest unterversorgt", beklagen die Autoren des Berichts. Dies zeige sich sowohl in der Diagnostik, Behandlung und Prävention von Lebenskrisen und psychischen Erkrankungen.

ADHS und Medienkonsum sind Jungenprobleme

Als Beispiele führen die Autoren die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sowie exzessiven Medienkonsum an, Phänomene, die unter Jungen deutlich stärker verbreitet sind als unter Mädchen. Jungen erhalten eine ADHS-Diagnose viermal häufiger als Mädchen. Zudem wird ADHS bei Jungen besonders häufig zu Unrecht gestellt - insbesondere, so der Bericht, von männlichen Psychologen oder Psychiatern.

Die Autoren monieren, dass diese Erkenntnis jedoch kaum berücksichtigt werde: "Obwohl der gravierende Geschlechterunterschied allgemein bekannt ist, sind weder in der Diagnostik noch in der Therapie geschlechtsbezogene qualifizierte Aspekte erkennbar", schreiben die Pädagogen Gunter Neubauer und Reinhard Winter. Ähnlich sei die Situation bezüglich der ausufernden Computernutzung. Jungen sind zehnmal so häufig davon betroffen wie ihre Klassenkameradinnen. Dennoch mangele es an zugeschnittenen Projekten, die dem vorbeugen, so Neubauer und Winter.

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Statistiken: Die kranke Männerpsyche

Die häufigste psychische Erkrankung unter Jugendlichen ist dem Bericht zufolge die Depression. Wie auch bei Erwachsenen fallen jedoch männliche Jugendliche mit Depression im Vergleich zum weiblichen Geschlecht eher durch Alkohol- und Drogenkonsum sowie durch Aggressivität auf. Das Problem: Diese Symptome führen häufig dazu, dass die Depression übersehen wird - und folglich seltener behandelt wird als bei Mädchen.

Doch warum kehren Mädchen und Frauen bei seelischen Krisen eher in sich, während Jungen und Männer nach außen boxen? "Schon im Mutterleib unterscheiden sich Jungen und Mädchen", sagt Matthias Stiehler, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit. Bereits da seien Jungen aktiver, so auch später als Kinder und Jugendliche. Der höhere Testosteronspiegel mache sie lebhafter, bewegungsfreudiger.

Dieser biologische Umstand steht häufig den gesellschaftlichen Ansprüchen entgegen. "Externalisiertes Verhalten wie Hyperaktivität und Aggressivität sind nicht erwünscht", sagt Stiehler. Kämpfe und Rangeleien würden fast immer negativ bewertet, dabei gehörten sie zur Identitätsfindung und männlichen Entwicklung dazu. "Die Jungen werden als Jungen nicht wertgeschätzt", so Stiehler, der darin ein Grund für häufige Auffälligkeiten sieht.

Stressfaktor Nummer eins: Mann-Sein

Gleichwohl sei eine weitere Interpretation möglich: "Man könnte hier drastisch auch von einer zu femininen Gesellschaft sprechen, in der normales Jungenverhalten schnell als auffällig gilt", schreibt Stiehler. Die Folgen: Wer als unangepasst gilt, wird von seinem Umfeld eher ausgegrenzt. Dies wiederum belastete die Psyche und führe womöglich zu noch mehr abweichendem Verhalten. Ein Teufelskreis kommt in Gang, der das gesamte Leben beeinflussen kann.

Für die Autoren des Berichts steht fest: Ihre Männlichkeit ist für Jungen der Hauptstressfaktor im Leben. Das ständige Sich-Beweisen-Müssen gegenüber Gleichaltrigen, aber auch der schulische Rahmen an sich, belasten sie. Vor allem der schulische Lehrplan beschränke ihre Entfaltungsmöglichkeiten, so die Experten. Die Forderungen des Schulsystems an Jungen fassen Neubauer und Winter so zusammen: "Vereinfacht gesagt, sollen Jungen sich einfach weniger dominant und nicht kämpferisch verhalten." Dabei seien das menschliche Eigenschaften, die auch positive Seiten hätten.

Dem Bericht nach haben Jungen zudem mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Ihnen bleibt oft wenig Raum, um über sich und ihre Gefühle zu sprechen. Vor allem ihre sexuelle Entwicklung sei stark tabuisiert, heißt es. Während Mädchen mit den Eltern oder Freundinnen offen über ihre erste Menstruation sprechen können, ist der erste Samenerguss mit viel Scham besetzt. Auch homo- oder bisexuelle Neigungen kommen selten zur Sprache. Dabei erleiden gerade jene Jugendliche, die sich kurz vor oder während des Coming-outs befinden, eher eine Depression und haben Suizidgedanken.

Bei seiner Arbeit trifft Matthias Stiehler regelmäßig erwachsene Männer, die von der Sprachlosigkeit aus ihrer Jugend berichten: "Die Männer waren einsam", sagt er und meint aber nicht ihren sozialen Status. "Sie hatten Freunde und Familie. Aber mit ihren Nöten und Ängsten standen sie allein da."

Eltern rät Stiehler, aufmerksam zu sein und ihren Jungen zuzuhören. Vor allem Väter, als direkte Vorbilder, sollten auch Schwächen zugeben können - und nicht immer den Helden markieren, sondern Offenheit zeigen.

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1.
bramsel 25.04.2013
Zitat von sysopDPAADHS, Rangeleien, Computersucht: Der aktuelle Männergesundheitsbericht offenbart, dass Jungen viel häufiger zu psychischen Auffälligkeiten neigen als Mädchen. Doch für heranwachsende Männer mangelt es an zugeschnittenen Behandlungen - und auch die Ursachensuche wird vernachlässigt. Kinderpsychologie: Jungen sind verhaltensauffälliger als Mädchen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/kinderpsychologie-jungen-sind-verhaltensauffaelliger-als-maedchen-a-896297.html)
Wir brauchen sofort eine Männerquote für psychische Auffälligkeiten! Schliesslich sind wir doch alle gleich, Männer, Frauen, jung, alt, doof, schlau, usw!
2.
callistonairi 25.04.2013
Zitat von sysopDPAADHS, Rangeleien, Computersucht: Der aktuelle Männergesundheitsbericht offenbart, dass Jungen viel häufiger zu psychischen Auffälligkeiten neigen als Mädchen. Doch für heranwachsende Männer mangelt es an zugeschnittenen Behandlungen - und auch die Ursachensuche wird vernachlässigt. Kinderpsychologie: Jungen sind verhaltensauffälliger als Mädchen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/kinderpsychologie-jungen-sind-verhaltensauffaelliger-als-maedchen-a-896297.html)
Das ist jetzt eine Erkenntnis, die man so oder so ähnlich im Grunde eh schon geahnt hat. Viel interessanter wäre es jetzt für Eltern und solche, die es noch werden wollen, was man jetzt im Einzelnen tun kann, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken? Welche Möglichkeiten hat man denn als Mutter, an den 14jährigen pupertierenden Sohn ranzukommen, ohne, dass einem gleich eine gewisse Gutmenschen-Patina anhaftet? Wirklich, ganz ohne Sarkasmus: Wo erfahre ich sowas?
3. Gestern...
misterpresident75 25.04.2013
Zitat von sysopDPAADHS, Rangeleien, Computersucht: Der aktuelle Männergesundheitsbericht offenbart, dass Jungen viel häufiger zu psychischen Auffälligkeiten neigen als Mädchen. Doch für heranwachsende Männer mangelt es an zugeschnittenen Behandlungen - und auch die Ursachensuche wird vernachlässigt. Kinderpsychologie: Jungen sind verhaltensauffälliger als Mädchen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/kinderpsychologie-jungen-sind-verhaltensauffaelliger-als-maedchen-a-896297.html)
die Männer und heute die Jungen. Startschuss für den erneuten Kampf der Geschlechter.
4.
Frieden ist alles 25.04.2013
Traurigerweise beschäftigt sich auch dieser Bericht wieder mit Symptomen und einer eher oberflächlichen Betrachtung der Ursachen. Auf die Folgen von Erziehungsmethoden, die ich für die wesentlichste Ursache psychischen Leidens halte wird kaum eingegangen. ADHS ist für mich kaum eine Erklärung für das was im inneren eines Menschen passiert und sagt somit auch wenig über die seelische Not von Jugendlichen aus, sondern eher etwas über das Menschenbild desjenigen der eine solche Diagnose stellt. Genauso wenig glaube ich daran das Kämpfe und Rangeleien etwas mit Identitätsfindung zu tun haben. Eher wird dabei der Frust über den Mangel an Verständnis und Anerkennung abreagiert, was zu einem Teufelskreis führt, denn auch so wird die Erfüllung dieser Bedürfnisse kaum erreicht. Stattdessen lernen Jugendliche so eher das sie denn erlebten Mangel so kompensieren können und setzen ähnliches Verhalten auch als Erwachsene fort. So kann sich dann auch echtes zwischenmenschliches Verständnis kaum entwickeln und auch wirkliche Anerkennung, die den ganzen Menschen mit einschliesst und so Selbstwert und Verbundenheit fördert, kann so nicht entstehen. Das Leben bleibt dann ein mühseliger Kampf, bei dem andere Menschen als Gegner gesehen werden. Zu den Folgen gehören Depression, Verlust von Lebenssinn, Angst und Einsamkeit. Das was in unserer Gesellschaft auf allen Ebenen zu finden ist.
5. Meine Meinung...
spon-facebook-10000228292 25.04.2013
als Elter (Vater) von zwei Söhnen ist, dass jungenhaftes Verhalten im Kindesalter nicht gewünscht und/oder als störend empfunden wird. Sowohl im Kindergarten als auch in der Grundschule sind 95% der Erzieher/Lehrer Frauen und diese haben, zumindestens in den Einrichtungen, welche meine Söhne besucht haben, Resentiments gegenüber Jungen. Zitat Grundschullehrerin: "Ich komme mit den Jungs nicht zurecht, die sind so laut und rennen immer herum. Mit den Mädchen klappt es viel besser." Damit war für mich alles gesagt. Zum Glück hat sie nach zwei Jahren ein Kind (Mädchen) bekommen und mein Sohn eine neue Lehrerin, die selbst Söhne hat. Ich bin auch der Meinung, dass durch die Emanzipation der Fokus zu sehr auf die Bedürfnisse der Frauen geachtet wurde. Ich finde, Emanzipation gilt für beide Geschlechter und sollte deren spezifischen Bedürfnisse und Eigenschaften berücksichtigen.
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Zur Autorin
  • Jana Hauschild ist Psychologin und arbeitet als freie Journalistin in Berlin.

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