Ende der Urlaubsliebe: So entfliehen Sie dem Liebeskummer

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Der Flirt hält oft nur bis zum Tag der Abreise: Im Urlaub verlieben wir uns schneller - Sommer ist auch Liebeskummerzeit. Wieder daheim fallen viele in ein Tief. Doch mit einigen Psycho-Tipps können Sie sogar gestärkt aus der Krise gehen.

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Corbis

Küsse am Strand: Im Urlaub verlieben sich viele schneller als zu Hause

Stundenlang Sonne, romantische Strände, ein Leben fernab vom Alltag: Der Sommerurlaub verlockt jedes Jahr Tausende dazu, sich neu zu verlieben. Doch nur wenige dieser Urlaubsbeziehungen haben Bestand. Sommerzeit ist daher oft auch Liebeskummerzeit - der pure Stress für Körper und Seele.

"Wenn wir lieben, ist das wie bei einer Drogenabhängigkeit: Verlieren wir den Partner, hat das starke körperliche Auswirkungen - wie ein Entzug", sagt die Psychotherapeutin und Buchautorin Doris Wolf. Eine US-Studie bestätigt den Vergleich: Werden wir zurückgewiesen von einer geliebten Person, sind im Gehirn Regionen aktiv, die sonst vor allem mit einer Kokainsucht in Verbindung gebracht werden. Der Körper reagiert auf den Verlust mit Schlafstörungen. Viele verspüren zudem keinen Appetit, sind antriebsschwach und zugleich innerlich unruhig.

Andere Forscher beobachteten bei ihren Studienteilnehmern nach dem Ende einer langjährigen Beziehung sogar Störungen des Immunsystems und der Herzfunktion, wie sie sonst nur bei der Trauer nach dem Tod eines Nahestehenden auftreten. "Der Sommer-Liebeskummer ist aber sicherlich in seinen Auswirkungen auf den verlassenen Menschen und sein Leben nicht vergleichbar mit einer Trennung nach 20 Jahren Partnerschaft", sagt Psychotherapeutin Wolf.

Gedankenstopp für einen freien Kopf

In beiden Situationen hilft jedoch das Gleiche. Vor allem brauche es Geduld, rät die Psychotherapeutin auf einer Selbsthilfe-Website. Einigen ihrer Klienten helfe es in dieser Phase, ihren Schmerz in einem Tagebuch zu verarbeiten. Andere würden sich viele Liebesfilme ansehen, bei denen sie ihre Trauer ausleben können. "Vor allem letzteres sollte aber nicht zur einzigen Beschäftigung am Tag werden", betont Wolf. Sie rät vielmehr, sich nach dem Urlaub nicht zurückzuziehen, sondern einen normalen Alltag anzustreben, wie vorher weiterzuleben.

Zudem gebe es Übungen, um den Kopf wieder freizubekommen. Die eine ist der Gedankenstopp: Wann immer es einen gedanklich zum Partner verschlägt, zur Erinnerung an all die schönen Tage, hilft es, diese Gedanken zu unterbrechen, statt sich in ihnen zu verlieren.

Eine andere Methode ist das Verschwommensehen: "Wenn Sie immer wieder Bilder vom Urlaub im Kopf haben, versuchen Sie mal, die Bilder in den Gedanken verschwimmen zu lassen, so dass Sie die Szenen und Personen nicht mehr so deutlich sehen können", rät Wolf. Üblicherweise setze dieser Effekt automatisch nach einigen Tagen oder Wochen ein, wenn wir uns erinnern. Menschen könnten ihn aber auch selbst herbeiführen und damit den Ex-Partner innerlich aktiv von sich wegschieben.

Der Kummersituation entfliehen

Den entgegengesetzten Effekt hat es hingegen, sich immer wieder Bilder aus dem Urlaub anzusehen, die Sommerliebe anzurufen und Geschenke von der Person um sich zu versammeln. "Damit halten Sie sich in der Kummersituation fest und kommen nur schwer dort heraus", sagt Wolf. Auch eine fortbestehende Facebook-Freundschaft kann am Loslassen hindern. Eine Studie mit mehr als 640 jungen Erwachsenen zeigte, dass die Möglichkeit, über Facebook weiterhin am Leben des Ex-Partners teilhaben zu können, die Verlassenen davon abhält, die vergangene Beziehung wirklich hinter sich zu lassen. "Der Effekt ist logisch", sagt Psychotherapeutin Wolf, "Der Fokus bleibt auf den Ex-Partner gerichtet und die Verlassenen bekommen mit, wenn er eine neue Person an seiner Seite hat, es ihm gutgeht. Das verletzt zusätzlich."

Ebenso entscheiden Umstände, die wir nur bedingt kontrollieren können, darüber, wie schnell der Kummer verfliegt. "Fängt mich zu Hause ein großer Freundeskreis auf, fällt es nicht so schwer, darüber hinwegzukommen, als wenn ich allein daheim sitze", sagt Wolf. Ebenso belastet eine Trennung jene mehr, die sich besonders stark nach einem Partner in ihrem Leben sehnen. Auch wer sich schon die Zukunft mit der Sommerliebe umfassend ausgemalt hat oder mit demjenigen besonders viele schöne Erfahrungen gesammelt hat, wird vermutlich länger an der Trennung knabbern.

Doch die Trauer hat auch ihre guten Seiten - selbst wenn das während der emotionalen Hochphase niemand hören möchte. "Die meisten treten gestärkt aus der Kummerzeit heraus", betont Wolf. Sie haben eine Krise überstanden, ziehen aus diesem Fakt Kraft und vor allem stellen sie fest, dass sie auch allein zufrieden und glücklich leben können.

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insgesamt 38 Beiträge
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1. Und der letzte Satz zeigt genau das Problem:
experiencedsailor 06.08.2013
Kein Mensch kann allein glücklich und zufrieden leben - das hat die Evolution nicht vorgesehen.
2. .
stoffziege 06.08.2013
Stimmt! Aber viele Dauersingles reden sich genau das ein. Und schrauben dann ihre Wunschvorstellungen so hoch, bis sie nicht mehr vermittelbar sind, weil das realitätsfremd ist.
3. Gewagte These ...
DocM 06.08.2013
Zitat von experiencedsailorKein Mensch kann allein glücklich und zufrieden leben - das hat die Evolution nicht vorgesehen.
Bei allem Respekt - diese These ist sehr gewagt. Es gibt genug Gegen-Beispiele, bspw. im öffentlichen Leben, die genau das widerlegen.
4.
ich2010 06.08.2013
Zitat von experiencedsailorKein Mensch kann allein glücklich und zufrieden leben - das hat die Evolution nicht vorgesehen.
doch kann er. und erst wenn frau/ mann mit sich und ihrem leben zufrieden ist, erst dann kann auch keine partnerschaft funktionieren. wenn frau/ mann nur in einer beziehung "lebt" stimmt etwas grundsätzliches nicht. der partner ist eine ergänzung und bereicherung zum eigenen leben, aber er ist nicht das eigene leben. übrigens - der urmensch war alles andere als monogam. die menschen haben damals in gruppen gelebt, nicht in zweier-beziehungen. monogamie ist eine erfindung des christlichen kulturkreises.
5.
Ursa Major 06.08.2013
Der Mensch kann vielleicht nicht allein leben, aber ganz bestimmt ohne den bestimmten Menschen, der Anlass oder Grund für den Liebeskummer war - wahrscheinlich sogar besser. Und bis ein besserer ins Leben tritt, sollte man seine Freundschaften und sozialen Bindungen pflegen (danach natürlich auch noch).
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Zur Autorin
  • privat
    Jana Hauschild ist Psychologin und arbeitet als freie Journalistin in Berlin.

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