Jahrelange Depressionen US-Schwimmstar Phelps ist froh, dass er noch lebt

Michael Phelps gewann 28 Olympiamedaillen - und durchlebte zugleich schlimmste Depressionen. Erst Jahre später begann er eine Therapie. Heute ist er dankbar, selbst anderen Menschen helfen zu können.

Michael Phelps (Archivbild)
AP

Michael Phelps (Archivbild)


Mehr Ruhm geht kaum: Der amerikanischer Schwimmer Michael Phelps ist der erfolgreichste Olympiateilnehmer aller Zeiten. 23 mal holte er Gold für die USA, dreimal Silber, zweimal Bronze. Dazu kommen noch 27 Siege bei Weltmeisterschaften.

Doch über der Karriere des Ausnahmeathleten lag mehr als zehn Jahre ein dunkler Schatten. Er litt unter schweren Depressionen. "Ich wollte nicht mehr weiterleben", sagte er im Jahr 2015. Sein Trainer Bob Bowman erklärte: "Ich dachte ehrlich: So wie er sich verhält, wird er sich töten."

Nun hat Phelps auf einer Konferenz über mentale Gesundheit ausführlich über seine psychischen Probleme berichtet - und wie er sie dank einer Therapie in den Griff bekam. "Ich war immer hungrig auf mehr", berichtete er über seine ersten Jahre als Leistungssportler. "Ich wollte mich selbst immer weiter pushen, um zu sehen, wo mein Limit ist", sagte er im Gespräch mit einem CNN-Reporter.

Phelps war äußerst erfolgreich: Von Athen 2004 bis zu seinem Karriereende in Rio 2016 räumte er bei den Olympischen Spielen reihenweise Goldmedaillen ab. Aber nach den Spielen sei er jedes Mal in tiefe Depressionen verfallen.

Er habe ein Emotionsmuster bei sich bemerkt, "das sich nicht gut anfühlte". Dies sei meist im Oktober, November geschehen und erstmals im Jahr 2004. Damals hatte Phels gerade seine ersten sechs Goldmedaillen bei Olympia gewonnen und war gerade mal 19 Jahre alt. In diesem Jahr wurde er auch erstmals wegen Autofahrens unter Alkoholeinfluss kurzzeitig festgenommen.

Flucht in Drogen

Phelps holte auch in den Folgejahren einen Titel nach dem anderen und flüchtete sich immer wieder in Drogen. 2009 wurde ein Foto von ihm publik, das ihn mit einer Bong zeigt, einer Wasserpfeife, die oft zum Konsum von Cannabis genutzt wird. Der Schwimmer entschuldigte sich später dafür. 2014 nahm die Polizei Phelps erneut wegen Fahrens unter Alkohol fest. Daraufhin wurde er für sechs Monate aus der US-Schwimmnationalmannschaft suspendiert.

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Olmypia 2016: Eine Zeitreise mit Michael Phelps

Als Tiefpunkt bezeichnete Phelps nun die Zeit nach den Olympischen Spielen 2012 in London. Er habe tagelang in seinem Schlafzimmer gesessen, nichts gegessen, kaum geschlafen. "Ich wollte nicht mehr leben", sagte der Sportler auf der Jahrestagung des Kennedy Forum, das sich für eine bessere Behandlung psychischer Erkrankungen engagiert.

Kampf gegen das Stigma psychischer Erkrankungen

Phelps wurde klar, dass er Hilfe brauchte. Er habe Drogen genommen, um vor etwas wegzulaufen, wie er heute sagt. Am ersten Tag der Therapie sei er sehr nervös gewesen. Aber als er schließlich begonnen habe, über seine Gefühle zu reden, sei das Leben leicht geworden. "Ich habe mich so oft gefragt: Warum bin ich da nicht schon zehn Jahre früher hingegangen?"

Heute engagiert sich Phelps dafür, dass psychische Erkrankungen das Stigma verlieren, das sie nach wie vor in der Öffentlichkeit haben. "Es ist Ok, wenn man nicht Ok ist", sagte er. Jeden Tag müssten Menschen mit mentalen Problemen umgehen. Sprechen sei der einzige Weg, dass sich etwas ändere.

Heute teile er seine Erfahrungen und habe die Chance, andere Menschen zu erreichen und Leben zu retten. Diese Momente und Emotionen seien "um Lichtjahre besser als der Gewinn einer Goldmedaille bei Olympia".

hda



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