Emotions-Coaching "Hey, das wird schon wieder"

Viele Menschen kennen diese kritische innere Stimme, die mit negativen Gefühlen einhergeht. Eine einfache Übung kann helfen, ihr etwas entgegenzusetzen.


SPIEGEL WISSEN hat ein achtwöchiges Coaching entwickelt, mit dem Sie in kleinen Schritten lernen, Ihre Gefühle im Alltag bewusster wahrzunehmen. Dies ist der achte und letzte Teil. Die anderen Teile finden Sie hier.


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Was fühle ich gerade? Wie lassen sich negative Emotionen besser aushalten? Wie hat das Elternhaus den Umgang mit Gefühlen geprägt? Zwei Monate hat sich das Coaching intensiv mit dem Thema Emotion beschäftigt.

Egal ob Sie zu den Menschen gehören, die sich eher schwer tun, ihre Gefühle zu erspüren, ob Sie sich vor bestimmten Emotionen fürchten oder ob Sie eher ein Übermaß an Gefühlen erleben: Die acht Wocheneinheiten dieses Programms haben wir so konzipiert, dass es für unterschiedliche Fragen zum Thema passende Tools und Übungen gibt. Sie selbst wissen sicher am besten, welche Anregungen für Sie hilfreich waren.

Am Schluss folgt eine Einheit, die für die allermeisten gut funktionieren dürfte: Es geht darum grundsätzlich etwas freundlicher zu sich selbst zu sein. Klinische Psychologen, die sich viel mit dem Thema Achtsamkeit beschäftigen, etwa die amerikanische Wissenschaftlerin Kristin Neff, haben in den vergangenen Jahren entsprechende Coachings entwickelt, mit denen man das üben kann. Auch der Autor und Psychotherapeut Andreas Knuf, der dieses Coaching gemeinsam mit SPIEGEL WISSEN und SPIEGEL ONLINE entwickelt hat, ist der Meinung, dass eine freundliche Grundhaltung gegenüber sich selbst dabei hilft, mit Gefühlen aller Art besser umgehen zu können.

Innerer Dialog

Viele Menschen erleben etwas Eigenartiges, wenn es ihnen schlecht geht, sie sich schwach fühlen oder sich Gefühle wie Traurigkeit, Verzweiflung oder Wut ankündigen. Sofort erhebt sich eine kritische innere Stimme, die sie verurteilt und beschimpft, mit unfreundlichen Kommentaren und Befürchtungen aufwartet. Dieser Stimme kann man eine weitere, freundliche Stimme entgegensetzen und die Selbstkritik so ein wenig ausgleichen. Hier ein paar positive Beispielsätze, mit der Sie einer kritischen Stimme in emotionalen Situationen antworten könnten:

  • "Es passiert mir nichts, ich kriege das schon hin."
  • "Ich bin stark genug für diese Gefühle."
  • "Hey, das wird schon wieder..."
  • "Gerade scheint das Gefühl unangenehm und stark, aber das wird vorbeigehen."
  • "Du hast schon so viele Schwierigkeiten gemeistert, das hier wird dir auch gelingen."

Diese Sätze klingen in Ihren Ohren vielleicht ein wenig fremd und bemüht. Wandeln Sie sie ab, wie es zu Ihrem eigenen Sprachduktus passt und sich vertraut anhört. Prüfen Sie in dieser Woche an mindestens zwei Tagen der Woche, in welchen emotionalen Situationen solche freundlichen, beruhigenden und tröstenden Sätze passen und wo Sie diese einer eher kritischen oder abwertenden Stimme entgegensetzen könnten.

Falls Ihnen solche inneren Mini-Dialoge gefallen, können Sie das auch gern über das Coaching hinaus weiter ausprobieren. Selbstfreundlichkeit - als Teil des Selbstmitgefühls - gehört zu den wirksamsten Mitteln, um einen guten und auch leichten Kontakt zu den eigenen Gefühlen zu bekommen.

Eine einfache Anregung zum Abschluss; vielleicht gelingt es Ihnen, sie ebenfalls mit in den Alltag zu nehmen.

Jeder leidet

Es herrscht seit einigen Jahrzehnten ein gesellschaftliches Glücksversprechen, eine Erwartung an sich selbst und andere, permanent "gut drauf" zu sein. Dieser Wunsch und Anspruch, es möge einem gut gehen, hat mittlerweile dazu geführt, dass wir uns damit unter Druck setzen.

Der US-Psychologe Steven Hayes, Begründer der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT), ist sogar der Meinung, dass der Anspruch auf Glück und gute Gefühle uns krank macht. Er plädiert dafür, uns vor Augen zu führen, dass jeder Mensch gelegentlich leidet, dass Krisen und Phasen von Wut, Enttäuschung und Beschämung zum Leben gehören. Wer dies anerkennt, tut den ersten Schritt zu einem ganz anderen Umgang mit Leid sowie unangenehmen oder bedrohlichen Gefühlen. Die bloße Erinnerung daran, dass Leiden zum Leben gehört, kann, so paradox es klingt, ein Trost sein - und uns helfen, Emotionen, die wir als unangenehm bewerten, eher zuzulassen. Ein aufschlussreiches Buch zum Thema hat der australische Psychotherapeut und ACT-Verfechter Russ Harris geschrieben: "Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei".

Zu jeder Ausgabe bietet SPIEGEL WISSEN ein praktisches, leicht im Alltag umsetzbares Online-Coaching passend zu seinem jeweiligen Heftthema an.

Jedes Coaching dauert acht Wochen. Während dieser Zeit erhalten Sie immer freitags per E-Mail eine Übungseinheit, die Ihnen helfen kann, Ihr Leben besser zu gestalten. Hier den Newsletter bestellen:

Wenn Sie sich über dieses Coaching hinaus mit dem Thema Gefühle beschäftigen wollen, empfehlen wir Ihnen das Buch "Ruhe, ihr Quälgeister: Wie wir den Kampf gegen unsere Gefühle beenden können" von Andreas Knuf.

Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrem Gefühlsmanagement!

Herzlich,

Ihr SPIEGEL-WISSEN-Team

P.S.: In der kommenden Ausgabe von SPIEGEL WISSEN beschäftigen wir uns mit dem Thema "Stress". Das Heft erscheint am Dienstag, 21. August.


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