Psychologie-Mythen Macht Hirnjogging wirklich schlauer?

Messung der Hirnaktivitäten: Macht Hirnjogging schlau?
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Messung der Hirnaktivitäten: Macht Hirnjogging schlau?

6. Teil: Das Gehirn ist eine Art Computer


Dass das Gehirn eine Art Computer sei, ist ein immer wieder verbreiteter Irrtum. Er besagt im Kern, dass das Gehirn eine Rechen- und Steuereinheit besitzt und mit Hilfe eines Speichers Eingaben zu Ausgaben verarbeitet, wie der heimische PC. So ist die in der Gedächtnispsychologie gängige Unterscheidung zwischen Langzeit- und Arbeitsgedächtnis eigentlich dem Computerreich entliehen: Sie ähnelt den verschiedenen Funktionen von Festplatte und Arbeitsspeicher.

Mittlerweile weiß man, dass unser Hirn deutlich komplizierter ist als in derartigen Modellen angenommen. Während die Arbeitsweise eines Computers - da von Menschenhand entworfen - grundsätzlich erfassbar ist, hat die Forschung das Gehirn noch längst nicht entschlüsselt. So kommt es, dass Computerwissenschaftler sich umgekehrt das Gehirn zum Vorbild nehmen. Sie entwickeln Architekturen und Algorithmen, die die neuronale Informationsverarbeitung imitieren.

Ein Beispiel dafür ist die Modellierung sogenannter künstlicher neuronaler Netze. Die Knotenpunkte dieser Netze verfügen wie Nervenzellen über einen oder mehrere Eingänge, durch die sie aktiviert oder gehemmt werden. Überschreitet die Aktivierung einen kritischen Schwellenwert, gibt der Knoten selbst ein Signal durch seinen Ausgang ab. Durch Gewichtung von Knotenverbindungen lassen sich Lernvorgänge abbilden, die den künstlichen Netzen beachtliche Fähigkeiten beispielsweise zur Mustererkennung verleihen.

Aufgrund solcher Erfolge schießt der eine oder andere Computerhersteller in seinem Marketing schon mal übers Ziel hinaus. Insbesondere der IT-Konzern IBM hat in jüngster Zeit mit Plänen zur Simulation eines gesamten Gehirns geprahlt. Begriffe wie "Cognitive Computing" oder die Behauptung, man habe ein Patent auf die Funktionsweise des Gehirns erhalten, schafften es immer wieder in die Schlagzeilen. Experten im Bereich der künstlichen Intelligenz wie Raúl Rojas von der Freien Universität Berlin nehmen diese Berichte kaum ernst. Trotz mancher Parallele, die sich zwischen Hirn und Rechner erkennen lässt, handelt es sich doch um grundverschiedene Dinge.



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