Pissoirs: Wichtige Fakten über das stille Örtchen

Pinkelbecken, Pissoir, oder Urinal - der Rückzugsort für die kleinen Bedürfnisse der Männer hat viele Namen. Doch wer hat es eigentlich erfunden? Und warum gibt es keine Urinale für Frauen? Ein Überblick.

Pissoirs in Indien: Mal weniger, mal mehr Öffentlichkeit Zur Großansicht
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Pissoirs in Indien: Mal weniger, mal mehr Öffentlichkeit

Pissoir (Urinal)

Wer das Urinal ursprünglich erfunden hat, lässt sich offenbar nicht mehr rekonstruieren. Patentiert wurde es offenbar 1866 von dem Amerikaner Andrew Rankin, allerdings war diese erste offizielle Version wohl nicht mehr als eine Box mit einem Loch darin.

Das erste Urinal mit Becken wurde 1882 von Francis Baldwin patentiert. Allerdings hatte es noch keine Wasserspülung und auch kein Sammelbecken für den Urin. Er floss einfach durch ein Loch am Boden des Beckens auf den Boden aus.

Urinale für Frauen

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gab es immer wieder Versuche, Urinale auch für Frauen einzuführen. Allerdings konnte sich kein Konzept wirklich durchsetzen. Grundlegendes Problem dabei ist, dass Frauen eine andere Urinierhaltung einnehmen müssen als Männer. Weil die meisten Einrichtungen keine Trennwände besitzen, verursacht das Schamgefühle bei der Nutzung.

Im Jahr 2011 wurde auf dem Roskilde-Festival in Dänemark ein Frauen-Urinal eingesetzt, das dieses Problem entschärfte. "Pollee" ist in Viererinseln angeordnet, während der Nutzung stehen die Frauen in Skifahrerhaltung mit dem Rücken zum Urinal und sind von Trennwänden umgeben. Pollee wurde gut angenommen.

Urinierhemmung (Paruresis)

Es gibt Menschen, die an einer psychisch bedingten Urinierhemmung leiden, Paruresis genannt, eine soziale Phobie. Oft tritt diese "schüchterne Blase" bei Männern auf, die öffentliche Pissoirs benutzen. Die Blasenentleerung kann verzögert oder sogar völlig unmöglich werden.

Bei schweren Fällen meiden Betroffene alle Situationen des gesellschaftlichen Lebens, die erfordern, irgendwann eine öffentliche Toilette zu benutzen und sie ziehen sich immer mehr aus dem öffentlichen Leben zurück. Gründe für Paruresis können ein traumatisches Erlebnis, aber auch Leistungsdruck sein. Die Krankheit ist schlecht erforscht. In Deutschland sind nach Schätzungen eine Millionen Menschen von Paruresis betroffen, neun von zehn sind Männer.

Jens Lubbadeh

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