Psychische Gesundheit: So glücklich machen Parks

Von Julia Merlot

Spaziergänge mit der Liebsten, auf der Wiese in der Sonne liegen, Picknick im Grünen: Stadtmenschen brauchen die Natur. Doch wie stark ist der positive Effekt von Grünflächen auf die psychische Gesundheit wirklich? Das haben jetzt britische Forscher untersucht - und kommen zu verblüffenden Erkenntnissen.

Wirkung der Natur: Parks für die gute Laune Fotos
Corbis

Bäume, Sträucher, Gras und Vogelgezwitscher, in der Luft liegt der Geruch von feuchtem Waldboden oder frisch gemähtem Gras. All das kann Menschen glücklicher machen - wie sehr, das zeigt jetzt eine Studie im Fachmagazin "Psychological Science" (online noch nicht verfügbar).

Britische Forscher von der University of Exeter haben verglichen, wie sich das Leben in der Nähe von Parks oder Wäldern im Vergleich zu anderen Faktoren, wie etwa einer Hochzeit oder einer sicheren Arbeitsstelle, auf das Wohlbefinden auswirkt - mit erstaunlichem Ergebnis.

"Unsere Untersuchung basiert auf einer einfachen Beobachtung", erklärt Mathew White, Leiter der Studie. "In Zeiten, in denen Menschen näher an Grünflächen leben, ist ihre psychische Gesundheit und Zufriedenheit höher als in Jahren, in denen sie hauptsächlich von Gebäuden umgeben sind."

White und sein Team werteten Daten von etwa zehntausend Menschen in Großbritannien aus. 18 Jahre lang dokumentierten sie deren Wohnort, psychische Gesundheit und ihre Zufriedenheit. Dabei mussten die Studienteilnehmer in regelmäßigen Abständen angeben, wie gestresst und psychisch angegriffen sie sich in den vorangegangenen zwei bis drei Wochen gefühlt hatten. "Gleichzeitig haben wir gefragt wie zufrieden sie insgesamt mit ihrem Leben sind", erzählt der Umweltpsychologe White.

AUF EINEN BLICK

Auswirkungen des Stadtlebens

1. Menschen in Ballungszentren leiden deutlich häufiger an psychischen Erkrankungen wie Depression oder Schizophrenie als Landbewohner.

2. Sozialer Stress führt vor allem bei Großstädtern zu einer erhöhten Aktivität der Amygdala und des anterioren Zingulums. Diese Hirnareale spielen für unseren Gefühlshaushalt eine wichtige Rolle.

3. Vermutlich verändern die Belastungen des Stadtlebens die Hirnphysiologie und steigern somit das Risiko für psychiatrische Leiden.

Anschließend verglichen die Forscher, wie groß der Effekt auf das Wohlbefinden durch die Nähe von Grünanlagen im Gegensatz zu anderen positiven Faktoren war. "Wir wussten schon vor der Untersuchung, dass etwa Verheiratete im Vergleich zu nicht Verheirateten weniger zu negativen Gedanken neigen und zufriedener sind", sagt White. Ähnlich positiv verändert sich auch das Wohlbefinden von Arbeitslosen, wenn sie einen Job finden.

Natur tut fast so gut wie heiraten

Der Vergleich verblüffte die Forscher: Eine Hochzeit trägt demnach nur dreimal so stark zum Wohlbefinden bei, wie ein Umzug in Parknähe. Und eine grüne Umgebung bringt etwa ein Zehntel der Zufriedenheit, für die ein neuer Arbeitsplatz sorgt.

"Das ist ein wirklich großer Effekt", sagt White. Ein Park sei für das Glück jedes Einzelnen zwar weniger bedeutend als eine Hochzeit oder ein neuer Job - mache für die Zufriedenheit und psychische Gesundheit aller Anwohner aber einen entscheidenden Unterschied. "Von einem Park inmitten einer Stadt können Tausende Menschen profitieren."

Die Ergebnisse, so die Studienautoren, dürften also auch Stadtplaner interessieren, die entscheiden müssen, ob in einer Region ein Park gebaut oder andere Infrastruktur eingerichtet wird, die etwa Jobs schafft. Einfacher macht das Studienergebnis deren Entscheidungen aber nicht.

Machen Parks glücklich?

"Das Problem bei solchen Studien ist, dass man nicht sicher sein kann, ob die Menschen zufriedener sind, weil Grünflächen in der Nähe sind", sagt White. "Oder ob zufriedenere Menschen dazu neigen, in die Nähe von Parks zu ziehen." Diese Fehlerquelle konnten die Wissenschaftler aber weitgehend abstellen, indem sie viele Menschen, die immer wieder ihren Wohnort wechselten, über einen langen Zeitraum begleiteten. Dass allein ein Umzug in Parknähe Menschen glücklich macht, beweist die Studie aber nicht.

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1. Ich bin beeindruckt ...
fridolinkiesewetter 22.04.2013
.. gerade der letzte Absatz hat mir sehr gefallen. Endlich mal eine eingermaßen brauchbare Zusammenfassung in den Medien über eine Studie. Sogar die Aussage wird kritisch betrachtet. Sowas liest man gern, auch wenn es ein wenig kurz ist.
2. ...
denkmal! 22.04.2013
Was für ein schaler Bericht, über eine schale Studie... Jede einzelne Aussage liegt so was von AUF DER HAND, dass man sich bloss am Kopf juckt, wieso hierüber STUDIEN gemacht werden...
3. ...
benutzer475 22.04.2013
Mag sein, dass Ihnen das schon alles klar war, aber es ist trotzdem gut, wenn so etwas mal in einer Studie nachgewiesen ist. Die kann man dann jedem Städteplaner unter die Nase halten, der Grünflächen für überflüssig hält.
4. Morgen Interview zum solaren Bauland
founder 22.04.2013
Ich bereite mich gerade auf ein Interview zum "solaren Bauland" (http://wohnen.pege.org/2011-solares-bauland/) vor. So eine Art Reihenbungalowsidlung, bei jedem Haus das Dach nur Photovoltaik und einen eigenen Garten. Stadtnahes wohnen mit eigenen Garten aber nicht als Luxus sondern als der soziale Wohnbau von morgen. Da kommt dieser Artikel wie gerufen!
5. Moment mal
Europa! 22.04.2013
Zitat von founderIch bereite mich gerade auf ein Interview zum "solaren Bauland" (http://wohnen.pege.org/2011-solares-bauland/) vor. So eine Art Reihenbungalowsidlung, bei jedem Haus das Dach nur Photovoltaik und einen eigenen Garten. Stadtnahes wohnen mit eigenen Garten aber nicht als Luxus sondern als der soziale Wohnbau von morgen. Da kommt dieser Artikel wie gerufen!
Die Untersuchung ist sicher kein Aufruf, ein "Häuschen im Grünen" zu bauen. Es geht um das Zusammenspiel von Urbanität und Natur. Ein Park ist ein großes Kunstwerk, weit mehr als bloß eine "Grünfläche". Es geht nicht um privaten Zierrasen und Blumenbeete, sondern einen großen, öffentlichen Raum, in dem sich Menschen "ergehen" können. Selbst in den dicht besiedelten chinesischen Städten gibt es irgendwo einen großen, baumbeschatteten Platz, wo die Menschen in ihrer Freizeit tanzen, musizieren und Sport treiben.
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  • Julia Merlot studierte Wissenschaftsjournalismus und begeistert sich für Themen rund um Mensch und Tier. Sie ist Redakteurin im Ressort Wissenschaft von SPIEGEL ONLINE.

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