Psychologie: Bescheidene Menschen sind hilfsbereiter

Wer hilft einem Mitmenschen in Not, wer schaut lieber weg? Psychologen suchen seit Jahrzehnten nach Eigenschaften, die mit der Hilfsbereitschaft verknüpft sind. Jetzt zeigte sich, dass Bescheidene meist als Helfer einspringen - sie teilen noch einen weiteren Charakterzug.

Helfer in der Not: Wer bescheiden und freundlich ist, leiht eher eine helfende Hand Zur Großansicht
Corbis

Helfer in der Not: Wer bescheiden und freundlich ist, leiht eher eine helfende Hand

Hamburg - Würden Sie einem verletzten Kommilitonen in den nächsten Wochen unter die Arme greifen? Wie viel Zeit würden Sie dafür investieren? Diese Fragen stellte ein Team von US-Psychologen der University of Maine und der Baylor University einer Reihe von Studenten.

Die Forscher um Jordon Paul LaBouff wollten herausfinden, ob zwei Charakterzüge verknüpft sind: Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft. In drei Tests ermittelten sie daher auch, wie bescheiden die Teilnehmer waren. Wie sie im "Journal of Positive Psychology" berichten, besteht tatsächlich ein Zusammenhang zwischen beiden Eigenschaften. Das sei erstaunlich, denn in 30 Jahren Forschung über Hilfsbereitschaft hätten nur wenige Studien solche Effekte nachgewiesen, sagt LaBouff. Bisher galt nur Freundlichkeit als ein Hinweis darauf, dass Menschen überdurchschnittlich hilfsbereit seien.

Insgesamt drei Tests führten die Forscher durch, an denen zwischen 90 und 117 Studenten teilnahmen. Im ersten Versuch sollten die Teilnehmer lediglich angeben, wie bescheiden und hilfsbereit sie sich einschätzten, andere Wesenszüge wurden ebenfalls abgefragt. Da Menschen hier über- oder untertreiben können, folgten weitere Experimente.

Im zweiten Test hörten die Studenten eine Durchsage vom Campusradio, demzufolge sich jemand verletzt hatte und daher nicht an den Kursen teilnehmen könne. Die Teilnehmer sollten angeben, wie viele Stunden sie in den nächsten drei Wochen aufwenden würden, um dem Betroffenen zu helfen. Die Studenten, die sich als bescheiden eingeschätzt hatten, boten mehr Hilfe an.

Akute Faktoren sind wichtig

In einem dritten Experiment wurde die Bescheidenheit eingeschätzt, indem die Probanden eine Reihe möglicher Charakterzüge schnell mit sich in Verbindung bringen sollten. Anständig, tolerant, respektvoll, aufgeschlossen und unkompliziert galten als Hinweise auf Bescheidenheit. Dazu kamen Begriffe, die auf fehlende Bescheidenheit deuten sollten: arrogant, egoistisch, eingebildet und unbescheiden. Auch in diesem Versuch versprachen die Menschen, die als bescheiden abschnitten, eher Unterstützung an als andere.

In den meisten Fällen würden akute Faktoren beeinflussen, ob ein Mensch einem anderen hilft oder nicht, erklärt der an der Studie beteiligte Forscher Wade Rowatt. Er nennt Zeitdruck, die Anzahl anderer Anwesender oder Beobachter, die in dem Moment empfundene Empathie sowie das Leid des Betroffenen. "Während einige Faktoren dazu beitragen, ob jemand freiwillig einem anderen hilft, leisten bescheidene Menschen im Schnitt mehr Hilfe als Menschen, die egoistisch oder eingebildet sind."

wbr

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Gibts einen tollen Spruch
Maria-Galeria 18.12.2012
"Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr", lernt man schon im Kindergarten.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Gesundheit
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Psychologie
RSS
alles zum Thema Psychologie
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 1 Kommentar