Messie-Akademie Hauptfach Aufräumen

Ihre Wohnungen gleichen Müllhalden: Rund zwei Millionen Deutsche leiden unter dem Messie-Syndrom. Eine Akademie in Bayern bildet Helfer aus - sie sollen Betroffene beim Aufräumen unterstützen.

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Der Müll in der Wohnung stapelt sich meterhoch. Ungeziefer krabbelt zwischen Essensresten und Papierbergen herum. Die Luft steht und stinkt wie eine Mischung aus Biomüll und Kellerschimmel.

In solchen Wohnungen hausen seelisch kranke Menschen, genannt Messies. Sie können nichts wegwerfen, müssen alles zwanghaft horten. Am Ende sind sie in einer ausweglosen Situation und brauchen Hilfe. Experten gehen davon aus, dass rund zwei Millionen Menschen in Deutschland unter dem Messie-Syndrom leiden.

Die Zahl der Hilfsangebote ist überschaubar. Michael Schröter will das ändern. Der 64-Jährige hat 14 Jahre Erfahrung mit vermüllten Wohnungen und deren Inhabern. An diesem Freitag ist die Gründungsfeier seiner selbsternannten Messie-Akademie in Gauting bei München, in der künftig sogenannte Messie-Hilfe-Fachkräfte ausgebildet werden.

Schröter: "Ich war neugierig auf Messie-Wohnungen"

Seine ersten Erfahrungen mit Messies sammelte der Altenpflegehelfer bei der Caritas. "Ich war erschrocken, als ich die ersten Wohnungen sah, aber dann wurde ich neugierig", erinnert er sich. So entstand sein Dienstleistungsbetrieb zur Räumung von vermüllten Wohnungen.

Schröter arbeitet mit Sozialbehörden zusammen. Bis zu 10 000 Euro kostet das Aufräumen einer total verwahrlosten Wohnung. In gut der Hälfte der Fälle können Messies das Geld selber aufbringen, andernfalls springt der Staat ein.

Der Akademie-Gründer will die Hilfe für Betroffene auf ganz Deutschland ausweiten. In mehrwöchigen Kursen bildet er Messie-Hilfe-Fachkräfte aus. Er will dazu in größere Städte kommen und die Seminare dort abhalten. "Wir haben die Messie-Akademie als Reise-Akademie konzipiert", erläutert Schröter.

Müll stapelt sich bis unter die Decke

Ihm geht es dabei um praktische Hilfe, um Wohnraumarbeit, wie er es nennt. "Wenn wir Zutritt in die Wohnung eines Messies haben, geht es erst einmal darum, Platz zu schaffen, uns regelrecht eine Schneise durch den Müll zu schlagen."

Der nächste Schritt sei, die Böden freizubekommen, um Durchgänge zu schaffen und danach Zimmer für Zimmer aufzuräumen. Manchmal stapelt sich Angesammeltes bis fast unter die Decke.

Ein weiteres Problem sei die "schlimme Atemluft" in vermüllten Wohnungen. "Zu den seelischen Problemen der Messies treten oft körperliche Beschwerden, vor allem Atemwegserkrankungen", sagt Schröter.

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Fotostrecke: So sehen typische Messie-Wohnungen aus

Denn Messies lüften meist nicht, sie können es oft gar nicht, weil alles in der Wohnung zugestellt ist. Dazu kommt nicht selten der Gestank von verdorbenen Lebensmitteln.

Und natürlich spielt Ungeziefer eine Rolle. Kakerlaken sind noch das geringere Problem. Schröter erinnert sich an eine Räumaktion, bei der ein Messie mit rund 50 toten und 50 lebenden Mäusen hauste. Die Nagetiere waren vom bestialischen Gestank im Haus angelockt worden.

Vereinsamt und ausgegrenzt

Doch mit dem Wegbringen von Unrat ist es nicht getan. Zu Schröters Arbeit gehört auch, zusammen mit dem Messie ein Konzept zu entwickeln, damit sich nicht wieder Papierberge und Gegenstände aller Art ansammeln. Denn hinter dem Messie-Syndrom steckt eine seelische Krankheit. Meist seien die Betroffenen vereinsamt und fühlten sich ausgegrenzt.

Viele lassen aus Scham über ihre Unordnung niemanden mehr in ihre Wohnung. "Es braucht oft erst einen Zwischenfall, etwa einen Wasserrohrbruch, damit jemand die Räume des Messies betritt", so der 64-Jährige.

Seine Helfer sollen daher in Messie-Wohnungen aktiv werden. "Es geht nicht um Therapie, die wir gar nicht leisten können, es geht um praktische Unterstützung in der Wohnung selbst", bekräftigt er. Für die Therapie seien Psychotherapeuten gefragt.

Kritiker: "Akademie ist nicht mehr als ein Entrümpelungsdienst"

In den Räumen der Messie-Akademie gibt es ein Messie-Apartment. Schröter hat dort Gegenstände gesammelt, die nur in den vergangenen vier Wochen bei der Räumung von Messie-Wohnungen angefallen sind. Das Apartment dient auch Schulungszwecken.

Schröters Akademie-Gründung stößt nicht überall auf Gegenliebe. Die nicht mit Michael Schröter verwandte Veronika Schröter etwa, die in Freiburg das Institut für Messie-Therapie betreibt, fragt: "Wie kann er es wagen, eine Akademie zu gründen?" Dafür fehle dem 64-Jährigen schlichtweg der wissenschaftliche Hintergrund, der Name sei zu hoch gegriffen. Denn letztlich sei Schröters Unternehmen nichts anderes als ein Entrümpelungsdienst.

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mpz/dpa

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