Psychologie Urinstinkt soll Vorliebe für großgewachsene Anführer erklären

Wer ist stärker? Der Größere! Forscher glauben, dass dieser Urinstinkt Menschen bis heute beeinflusst - gerade bei der Wahl von Politikern. Das Rennen ums Weiße Haus hat nämlich meist der größere Kandidat gewonnen.

AFP

Berlin - Zentimeter können Wahlen entscheiden. Das suggeriert zumindest eine Tabelle der US-Präsidentschaftskandidaten, die seit 1796 gegeneinander angetreten sind. In der Mehrzahl der Fälle siegte jener Kandidat, der größer war als sein Konkurrent. Jüngstes Beispiel dafür ist Barack Obama, der mit seinen 1,85 Metern seinen republikanischen Konkurrenten John McCain gleich um zehn Zentimeter überragt. Ihm gelang 2008 bei den Wahlen der Einzug ins Weiße Haus.

Psychologen der Texas Tech University glauben, dass hinter diesem Presidential Height Index genannten Phänomen menschliche Urinstinkte stecken. Die von Kämpfen und Gewalt geprägte Geschichte der Menschheit könne die Ursache der heute zu beobachtenden Präferenz für großgewachsene Politiker sein, schreiben die Forscher im Fachblatt "Social Science Quarterly".

"Manche Verhaltensweisen und Instinkte, die im Laufe der Evolution entstanden sind, können sich auch im heutigen modernen Leben manifestieren, selbst wenn sie irrational erscheinen", sagte Autor Gregg Murray. Dazu gehörten zum Beispiel die weit verbreitete Angst vor Schlangen und die Vorliebe für fettige Nahrung. Beides sei in früheren Zeiten überlebenswichtig gewesen. "Wir glauben, dass ein ähnliches Verhalten auch in der Politik existiert."

Bei den Präsidentschaftswahlen habe in 58 Prozent der Fälle der größere von zwei Kandidaten gewonnen, schreiben die Forscher. Das Konzept eines großen, starken Anführers finde sich in vielen Gesellschaften - sogar bei den alten Griechen.

In ihrer Studie befragten die Psychologen 467 Studenten über die von ihnen bevorzugte Statur einer Führungspersönlichkeit. Dabei sollten die Studenten unter anderem einen typischen Bürger und einen typischen politischen Führer zeichnen. Das Ergebnis war eindeutig: 64 Prozent skizzierten den Anführer größer als den Bürger. In einem zweiten Test sollten die Studenten einschätzen, wie gut sie sich selbst für eine politische Führungsrolle eignen. Auch dabei gab es ein klares Ergebnis: Größere Testteilnehmer trauten sich die Führungsrolle eher zu als kleinere.

Für Barack Obama sind die Erkenntnisse ein schlechtes Vorzeichen: Sein möglicher Herausforderer bei den Wahlen 2012 von den Republikanern, Rick Perry ist genauso groß wie er. Ein anderer denkbarer Kandidat, Mitt Romney, überragt ihn sogar um drei Zentimeter.

hda



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