Psychologiestudie: Selbstkontrolle macht Menschen glücklich

Von Jana Hauschild

Pauken statt Party, Sparen statt Shopping, Brause statt Bier - das kann doch keinen Spaß machen. Und ob, sagt jetzt ein deutsch-amerikanisches Forscherteam: Wer seltener Verlockungen nachgibt, ist zufriedener mit dem Leben.

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Pudding oder Apfel: Vernunft kann glücklich machen

Selbstdisziplinierten Menschen sagt man nach, eher grimmige und freudlose Zeitgenossen zu sein. Klar, sie halten bei Diäten länger durch, können sich besser zu Sport motivieren, sind vermutlich ausgeschlafener und im Job erfolgreich. Studien zeigen: Wer schon als Kind eher diszipliniert handelte, ist als Erwachsener gesünder, hat weniger finanzielle Probleme und kommt seltener in Konflikt mit dem Gesetz.

Aber Menschen, die aus Vernunft Salat einer Schokoladentorte vorziehen oder auf einer Party nur Brause trinken, weil sie drei Tage später eine Prüfung haben, können doch keinen Spaß am Leben haben. Oder?

Sehr wohl haben sie das, wie jetzt eine Studienreihe im "Journal of Personality" von deutschen und US-amerikanischen Psychologen um Wilhelm Hofmann von der University of Chicago belegt. Demnach erleben Menschen mehr positive Gefühle und sind zufriedener mit ihrem Leben, wenn sie sich gut im Griff haben - und Bedürfnisse aufschieben können, um ein anderes wichtigeres Ziel zu erreichen.

Die Forscher befragten zunächst mehr als 400 Männer und Frauen, wie viel Selbstkontrolle sie im Alltag zeigen. Die meisten Menschen nutzen diese Fähigkeit oft und automatisch: In der Regel geben wir von fünf Impulsen nur zweien tatsächlich nach. Doch individuell handelt natürlich jeder verschieden. Personen, die gerne mal etwas tun, was eigentlich schlecht für sie ist, aber eben Spaß bringt, ordneten die Wissenschaftler in die Kategorie der weniger selbstdisziplinierten Menschen ein.

Deutlich mehr positive Gefühle

Gleichzeitig erfragten die Forscher, wie zufrieden die Studienteilnehmer mit ihrem Leben sind und welche Gefühle sie vorwiegend in den vergangenen Tagen und Wochen hatten. Jene mit mehr Selbstkontrolle berichteten von deutlich mehr positiven und weniger negativen Gefühlen sowie mehr Lebenszufriedenheit als jene Probanden, die weniger Selbstbeherrschung haben. Die Folgerung der Psychologen: Wer mehr Freude am Leben empfindet, ist auch zufriedener damit.

Der Effekt bestätigte sich in weiteren Studien des Forscherteams. Mehr als 400 weitere Probanden wurden gebeten, jeweils eine Woche lang auf einem Smartphone darüber Auskunft zu geben, wie häufig und wie stark sie Bedürfnisse wahrnehmen und wie oft sie versuchen, vor allem problematischen Versuchungen zu widerstehen. Dazu zählten beispielsweise Begierden, die in Konflikt mit wichtigen Zielen in der ferneren Zukunft stehen: wie eine ausgiebige Kneipentour - obwohl das Geld für einen neuen Kühlschrank gespart werden müsste. Oder die fette Pizza mit extra viel Käse und ein großes Eis - trotz der ärztlichen Empfehlung abzunehmen.

Auch hierbei wurde deutlich: Wer öfter mal auf die Befriedigung spontaner Gelüste verzichtet, empfand über die Woche hinweg mehr Wohlbefinden und war zufriedener mit dem eigenen Leben.

Situationen meiden, die in Verlegenheit bringen

Dabei berichteten sowohl stark als auch schwach selbstkontrollierte Menschen von Konflikten zwischen Versuchungen und langfristigen Zielen. Der Unterschied: Selbstdisziplinierte Personen wenden offenbar intuitiv einen Trick an - sie meiden Situationen, die sie in Verlegenheit bringen könnten. Das zumindest lässt die dritte Untersuchung des deutsch-amerikanischen Teams vermuten. "Jemand mit guter Selbstkontrolle kann offenbar sein Leben so managen, dass die Konflikte relativ selten auftreten", schreiben die Studienautoren. Selbstkontrolle verhindert oder minimiert also Probleme - und macht deswegen glücklich.

Doch auch für weniger selbstkontrollierte Menschen haben die Forscher eine gute Nachricht: "Selbstkontrolle lässt sich bis zu einem gewissen Grad steigern", sagt Studienleiter Hofmann. Dazu müsse man Aufgaben, die diese Eigenschaft erfordern, üben. Rauchern etwa fiel es leichter mit dem Rauchen aufzuhören, wenn sie in dem zwei Wochen vor dem Rauchstopp sich in Selbstkontrolle trainierten. Anschließend blieben sie deutlich länger rauchfrei als eine untrainierte Gruppe. "Selbstkontrolle ähnelt einem Muskel", sagt Co-Autor Roy Baumeister: Sie wird stärker durch Training.

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insgesamt 62 Beiträge
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1. Schöner Satz
jury 03.07.2013
"wer Freude am Leben empfondet, ist auch zufriedener damit." Häh?
2. epikure askese
dislozierter 03.07.2013
Das hat Epikur schon 300 Jahre v.C. zur Lehre erhoben. Entsage der Völlerei und du wirst besser genießen.
3. Ursache und Wirkung???
jajax1 03.07.2013
Aus dem Artikel wird nicht klar, warum es nicht auch anderherum sein könnte: Glückliche Menschen üben mehr Selbstkontrolle aus... Das erscheint mir auch plausibler. Glückliche Menschen können leichter auf externe "Verlockungen" verzichten, weil sie schon genug Glück in sich tragen.
4. lieber weniger glücklich
christenheit 03.07.2013
als eine kümmerliche Buchhalterseele...soweit kommts noch...auf das Bier verzichten, weil ich für einen neuen Kühlschrank sparen will - wie unendlich langweilig ist das denn?
5. Ursache und Wirkung ?
gbl 03.07.2013
Immer wieder die gleiche Leier .. wenn es eine statistische Korrelation gibt (mehr A geht einher mit mehr B), bedeutet das eben nicht dass eine Kausalität vohanden ist (A führt zu B). Und selbst wenn es eine Kausalität gibt, bleibt die Frage, ob A zu B führt oder B zu A. Was ist wohl wahrscheinlicher - dass der regelmäßige bewußte Verzicht zu einem glücklicheren Leben führt, oder könnte es auch sein dass jemand, der mit seinem Leben rundum glücklich ist, weniger Grund hat, den alltäglichen Versuchungen nachzugehen als jemand der sich regelmäßig unglücklich und frustriert fühlt? Ich weiß nicht ob der ursprüngliche Artikel die gleichen Fehler hat wie der Spiegel-Bericht, aber ich finde es unterirdisch, aus dem Bericht eine "wissenschaftliche Erkenntnis" zu machen - und sogar gefährlich, daraus eine Handlungsanweisung "Kontrolliere dich besser, dann fühlst du dich auch wohler" zu machen. Genauso könnte man sagen, dass Menschen, die einen Gips am Bein haben, viel schlechter laufen können als diejenigen ohne Gips. Wer also nach einem Knochenbruch einfach weitermacht ohne sich behandeln zu lassen lebt viel gesünder als der, der zum Arzt geht ...
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  • Jana Hauschild ist Psychologin und arbeitet als freie Journalistin in Berlin.

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