Infografik der Woche Zahl traumatisierter Bundeswehrsoldaten steigt

Zwar leisten immer weniger Bundeswehrsoldaten Auslandseinsätze. Doch weil psychische Leiden oft erst verzögert auftreten, nimmt der Behandlungsbedarf insgesamt zu.


Statista, SPIEGEL ONLINE

Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) sind, meist verzögert auftretende, Komplikationen bei der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse. Zu den Symptomen gehören sowohl traumatische Erinnerungen, Tagträume, sogenannte Flashbacks oder Angstträume als auch emotionale Stumpfheit, Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit.

Wie die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zeigt, registriert die Bundeswehr einen immer höheren Behandlungsbedarf im Zusammenhang mit PTBS-Erkrankungen. Im vergangenen Jahr kam es zu insgesamt 1750 Behandlungskontakten. Diese verteilen sich auf 235 neu diagnostizierte PTBS-Fälle (31 mehr als im Vorjahr) und 306 Personen, die sich in fortgesetzter Behandlung befanden. Die Gesamtzahl von 541 Soldaten und Soldatinnen in Behandlung liegt ebenfalls deutlich über dem Vorjahreswert (431).

Auffällig: Vor allem der ISAF-Einsatz, also der Bundeswehreinsatz in Afghanistan brachte viele PTBS-Fälle hervor. 2015 entfielen mehr als drei Viertel aller Behandlungskontakte auf Soldaten des Isaf-Einsatzes. Dem Kfor-Einsatz im Kosovo werden deutlich weniger Fälle zugerechnet, auch wenn man die Zeit vor 2004 betrachtet und obwohl sich dort insgesamt sogar mehr deutsche Soldaten im Einsatz befanden.

Allerdings lässt sich daraus nicht zwingend schließen, dass der Afghanistan-Einsatz für die Soldaten und Soldatinnen in jedem Fall belastender war. Zu Zeiten der Kosovomission um die Jahrtausendwende, wurden Belastungsstörungen in der Bundeswehr schlicht nicht so häufig erfasst. Dass mehr einsatzbedingte PTBS-Fälle diagnostiziert werden, führt die Bundeswehr folglich unter anderem auf verbesserte Sensibilisierung und Entstigmatisierungsmaßnahmen zurück. Da nach wie vor eine Dunkelziffer vermutet wird, gilt es laut Bundeswehr die Maßnahmen weiter fortzuführen und zu erweitern.

Aktuell entfallen die größten Auslandskontingente der Bundeswehr nach wie vor auf Einsatzgebiete in Afghanistan und dem Kosovo. Wobei die Gesamtzahl der Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz mit derzeit rund 3100 deutlich niedriger ist als in den letzten Jahren. Aufgrund der zeitlichen Verzögerung, mit der PTBS-Fälle diagnostiziert und behandelt werden, ist jedoch auch in den kommenden Jahren mit einem hohen Behandlungsbedarf zu rechnen.


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Andreas Grieß (Statista) / Patrick Stotz

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insgesamt 61 Beiträge
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Seite 1
leser786 29.02.2016
1.
Der Afghanistaneinsatz an sich war schon eine Katastrophe.
Irene56 29.02.2016
2. Das verdanken unsere
Frauen und Männer der BW den Grünen. Die haben mitregiert und entschieden, wir verteidigen unsere Freiheit am Hindukusch. Für eine Friedenspartei erstaunlich, aber so sind nun mal die Schreibtischtäter. Sie geben grosse Töne und andere müssen dafür den Kopf hinhalten.
kasam 29.02.2016
3. Soldaten waren immer schon
das Kanonenfutter im Krieg. Wir wissen nicht, wie viele nach dem 1. sten Weltkrieg verrückt geworden sind. Ein alter Mann aus dem 2 ten Weltkrieg hatte jede Nacht Albträume und wachte schreiend auf. Wie müssen die vielen andere gelitten haben------
Faramundus 29.02.2016
4.
Als jemand, der selbst bei KFOR war, frage ich mich: Wie kommen da die hohen Zahlen PTBS zustande? Bitte nur ernst gemeinte Einschätzungen.
markus_wienken 29.02.2016
5.
Zitat von Irene56Frauen und Männer der BW den Grünen. Die haben mitregiert und entschieden, wir verteidigen unsere Freiheit am Hindukusch. Für eine Friedenspartei erstaunlich, aber so sind nun mal die Schreibtischtäter. Sie geben grosse Töne und andere müssen dafür den Kopf hinhalten.
Ja Aber das gehört nun einmal zum normalen Berufsbild eines Soldaten. Man sollte es bei der Berufswahl berücksichtigen.
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